Wenn Italien zu einer Wein- und Edelproduktverkostung lädt, dann ist das Interesse groß. Es darf nach Lust und Laune probiert werden. 35 Weinproduzenten aus dem ganzen Stiefelland bieten ihre besten Flaschen aus den Kellereien an.
Es ist noch gar nicht so lange her, da verzog man die Miene, wenn ein Valpolicella auf den Tisch kam. Er galt als Massenwein. Damit ist jetzt Schluss, sagt Giuseppe Trabucchi, dessen Weinberge östlich von Verona liegen, und zeigt der Gourmetwelt, was ein Valpolicella alles kann. Besonders sein "Amarone" lässt nicht nur Damen die Augen vor Verzücken verdrehen, weil er so bittersüß die Kehle hinunterrinnt, sondern auch jeden männlichen Rotweinfan. Dazu einen Schinken aus Parma der Firma Devodier und der Gourmethimmel ist offen. Der Chef persönlich schneidet ihn in feinen Scheiben herunter. Die Süße des Amarone und des Schinkens ergeben eine edle Geschmackspaarung.
Mit feinem Geruch locken der tartufo von Franco Pasqualin und der parmigiano aus dem Käsehaus Malandrone. Und danach - als Zwischenstopp für den Magen - darf es eine Grappa aus dem Haus "Villa Laviosa" sein, zum Beispiel eine aus der "5-Elementi"-Palette: Grappa Barrique, Gewürztraminer, Lagrein, Moscato oder Teroldego stehen zur Auswahl. Für Naschkatzen gibt es den Haselnusslikör.
Signor Illy, der Espresso und Triest
Apropos Naschkatzen. Mit einem ganz feinen Pistazien- und Haselnusseis aus der Gelateria-Kette Grom, Schokolade der "Domori Group" und Marmelade aus dem Hause "Agrimontana" lockt die "Gruppo Illy" neue Kunden an. Seit 2007 gehört auch das französische Unternehmen Damann Frères zur Illy-Familie. Dieses Teehaus ist für seine exotischen Mischungen bekannt und beliefert nur exquisite Restaurants und Hotels.
2008 erwarb die Illy Gruppo das Weingut Mastrojanni, das 1975 gegründet wurde und sehr bald zu den renommiertesten Weinbetrieben Italiens zählte. Südöstlich von Montalcino erstrecken sich die Weinberge, auf denen der berühmte Brunello wächst. Auf der Messe präsentiert Riccardo Illy voller Stolz den edlen Tropfen "Brunello di Montalcino Vigna Loreto". Der 36 Monate in Eichenfässern gelagerte Wein verführt mit seinem blumigen und fruchtigen Bouquet jede Kennernase.
Aber Signor Illy, was ist mit dem Caffè? Da lächelt er leise. Um den muss er sich keine Sorgen machen, steht doch Illy als Synonym für Kaffee, besser noch für den Espresso.
"Ja, der Espresso ist und bleibt il re del caffè unter allen anderen Kaffeearten", betont Riccardo Illy. Er selbst trinke am Morgen allerdings Tee, eine starke Mischung aus Assam und Darjeeling. Unter Tags dann nur "espresso". Cappuccino? - "Nein." Manchmal in einem der vielen Caféhäuser in Triest? Vielleicht im Caffè degli Specchi? Signor Illy ist durch und durch Diplomat und Ex-Politiker. Dementsprechend auch seine Antwort: "Nein, ich gehe in keines von ihnen. Alle sind gut und haben einen guten Espresso. Es wäre nicht richtig, wenn ich eines von ihnen durch meinen Besuch besonders auszeichnen würde." Man merkt, Signor Illy hat Lessings Ringparabel gelesen.
Apropos Triest. Riccardo Illy war ja zweimal Bürgermeister dieser Stadt (1993-1997 und 1997-2001), die er selbst einmal "una bella addormentata" nannte (ein schlafendes Dornröschen). Schläft sie bis heute? Wieder eine sehr diplomatische Antwort: "Nicht ganz." Also nur noch ein wenig, una mezza addormentata? "Ja, so ähnlich."
Da soll einer schlau werden! Was heißt das nun? "Es ist schon einiges geschehen. Im Zentrum wurde viel renoviert. Der alte Hafen soll für die Triestiner zugänglich gemacht werden." Das hörte man schon vor zehn Jahren... aber er ist ja nicht mehr Bürgermeister. Ob er noch einmal kandidieren will? Da kommt zur Abwechslung einmal eine klare Antwort. "Aufgewärmte Minestrone schmeckt nie gut!"
Gesprächiger wird Signor Illy, wenn es um den Espresso geht. Das Geheimnis eines guten Espressos liege in den vier "M": Mischung, Mahlen, Maschine und Mensch. "Die Regeln für einen optimalen Espresso heißen: 30 Sekunden bei einer Wassertemperatur von 90 Grad und einem Druck von neun Atmosphären extrahieren. So erhält man die richtige Crème, nicht zu hell und nicht zu dunkel." Klingt kompliziert, aber dafür gibt es ja den "barista", der diese Geschmacksharmonie professionell herstellt. Weil immer öfter Espresso auch zu Hause getrunken wird, ist Gruppo Illy mit dem Iperespresso-System auch auf den "Kapselzug" aufgesprungen.
Artikel erschienen am 18. Mai 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 32-33
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