
Es ist aber auch in der Tat ein ganz außergewöhnliches Gebräu, das Gerhard Forstner mit Hilfe seines Brauengels da gezaubert hat. Darum hat er es auch nach ihm benannt. Bonifatius Barrique - welch ein Klang! Noch besser ist aber der Inhalt des obergärigen Bieres, das 9,5 Vol% Alkohol aufweist und wie ein qualitativ hochwertiger Rotwein behandelt werden sollte. Dementsprechend trinkt man es bei Raumtemperatur und aus Weingläsern. Das Bonifatius Barrique kann auch geöffnet zwei bis drei Tage stehen, ohne seinen Geschmack zu verlieren. Das Geheimnis des Bieres liegt wohl in den drei Malz-, Hopfen- und Hefesorten, wobei hier vor allem die obergärige amerikanische Ale-Hefe zu nennen ist. Danach ging es für das Gebräu zur Nachgärung ab ins Barrique-Fass und zum krönenden Abschluss wurde dem Bier zur Flaschennachgärung noch Champagnerhefe zugesetzt.
Im Bonifatius steckt also eine Menge Kreativität, so wie in allen anderen Forstner-Bieren, die der 63-jährige Brauer, der gelernter Optiker ist und einer der ersten Biobauern in der Steiermark war, aus den Tanks zaubert. Kreiert wird alles nach Bauchgefühl und natürlich mit dem Bierengel, der bei der Arbeit mit Hopfen, Malz und Hefe immer an Forstners Seite ist. "Ich kommuniziere auch mit meinem imaginären Engel, warum denn nicht. Ich glaube generell an Engel und ich denke, dass jeder schon mal einen Schutzengel hatte", so Forstner, der weiter sagt: "Ich braue mit Herz und für mich. Die anderen lasse ich mittrinken. Ich bin ein großer Bierfan und habe mit dem Brauen begonnen, um mir selbst Abwechslung beim Biertrinken zu schaffen." Dabei legte Forstner aber immer schon großen Wert auf internationalen Stil und Geschmack, weshalb die 20 Biersorten auch fast ausschließlich englische Namen tragen.

So wie das Styrian Ale, das 2005 und 2010 Staatsmeister wurde, oder das Triple 22, das nicht Zeiundzwanzig heißt, sondern Twentytwo und 22 steht für die Stammwürze des dreimal vergorenen Bieres, das also auch unter die Dreifach-Böcke zu reihen ist. Die Idee dazu kam Forstner bei einer Belgienreise, wo viele solcher Biere gebraut werden. Die Besonderheit: drei verschiedene Hefen und Nachgärung in der Flasche, wodurch das Bier mehr Reife, ein starkes Eigenleben und eine gute Lagerfähigkeit erhält. Durch die Ausgewogenheit von Restsüße und Bitternis hat es einen fruchtigen Geschmack, der aber nicht über die 9,5 Vol% hinwegtäuschen kann.
Ein ganz besonderes Gebräu ist Forstner auch mit dem Slow 2 Roggen Ale gelungen. Dieses trockene, herbe, obergärige Roggenbier, das mit Nottingham-Ale-Hefe gebraut wurde, hat bei der World Beer Challenge in Estoril Gold abgeräumt. Dafür hatte der Braumeister aber neben dem Engel noch ein paar andere besondere Helfer. Dieses Bier, das 6,5 Vol% Alkohol hat, entstand unter der Mitwirkung der Studenten von der Uni für Gastronomische Wissenschaften Pra (Italien). Sie haben sich auch im Namen verewigt, denn das Slow steht für die Slowfood-Bewegung, mit der die Studenten in Verbindung sind.
Ein absoluter Verkaufsschlager aus dem Hause Forstner ist das aber Chili Hot Beer, in dessen Sud echte Habaneros mitgekocht werden. Die Chilis, die zu den schärfsten Sorten der Welt zählen, züchtet der ehemalige Landwirt im eigenen Garten und ist stolz auf sein Produkt, das auch besonders gerne von Frauen getrunken wird. "Im Antrunk ist es noch recht harmlos, aber im Abgang kommt dann die Schärfe und die hat es in sich", so Forstner, der weiter erklärt: "Die Paprikanoten verleihen dem Bier aber auch ein kleines Fruchtaroma und so zählt es zu den schmackhafteren und interessanteren Lagerbieren mit 5 Vol% Alkohol."
Bedarfsabhängig werden in der steirischen Brauerei pro Jahr rund 250 Hektoliter gebraut. Darunter finden sich auch saisonale Biere wie Maibock oder Rauchbier. Wenn es dem Meister einfällt, wird auch kurzfristig zu einem bestimmten Anlass ein spezieller Sud angesetzt. "Meine Ideen kommen aus dem Bauch und ich hoffe, dass ich so alt werde, dass ich noch alles, was in meinem Bauch ist, auch umsetzen kann", so der kreative Kopf, pardon... Bauch! Bierfans freuen sich auf jeden Fall sehr auf mehr Ideenspinnereien und ausgefallenes Gebräu.
Nähere Infos: www.forstner-biere.at,, Forstner Biere sind unter www.mybier.at zu bestellen und werden direkt frei Haus geliefert.
Artikel erschienen am 29. Juni 2012 in "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34-35
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