• vom 09.01.2014, 12:27 Uhr

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Hochprozentiges bio und koscher




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Bei der Herstellung von Spirituosen gilt es drei Dinge zu beachten, damit die produzierten edlen Tropfen schließlich koscher sind: Nicht den Speisegesetzen entsprechende Zusätze wie bestimmte Zuchthefen dürfen nicht zum Einsatz kommen. Zur Klärung der Maische werden in herkömmlichen Brennereien oft Klärmittel benutzt, die zum Beispiel Gelatine enthalten. Und Schwein ist ein Tier, das von observanten Juden nicht verzehrt werden darf. Schließlich müssen alle verwendeten Zutaten koscher sein. So findet sich zum Beispiel Farthofers Eierlikör nicht auf der Liste der als koscher zertifizierten Produkte. Eier müssten vor ihrer Verwendung von einem Maschgiach, einem rituellen Aufseher bei der Herstellung koscherer Speisen, auf mögliche Blutstropfen untersucht werden. Ist Blut zu sehen, dürfen Eier nicht mehr verwendet werden.

Für die Zertifizierung musste Farthofer anders als oft üblich nichts bezahlen. Denn, wie Rabbiner Hofmeister betont: ihm gehe es darum, die Produktvielfalt, die den observant lebenden Wiener Juden zur Verfügung steht, stetig zu erweitern. Außerdem hat der junge Gemeinderabbiner ein Faible für die Herstellung von Alkoholischem. Seit einigen Jahren produziert er Cuvée aus Trauben der Siebengemeinden  im Burgenland. Als Siebengemeinden werden   die ehemals jüdischen Gemeinden Eisenstadt, Mattersdorf, Kobersdorf, Lackenbach, Frauenkirchen, Kittsee und Deutschkreutz bezeichnet.
Auch Farthofer produziert Wein – allerdings etwas anderer Art. Mostello heißt ein von Farthofer kreiertes Produkt: ein Birnendessertwein, der nach der Portweinmethode hergestellt wird. Hier findet sich der Hechscher, also der Koscher-Stempel, sogar direkt auf den Flaschen. Nach dieser Kreation hat Farthofer auch die Mostelleria benannt, seine Brennerei, die er als Schaubetrieb führt. Das 1874 erbaute Kellerhaus in Öhling hat er vor einigen Jahren ökologisch verträglich restauriert: Mit Elefantengras als Dämmung beispielsweise und die Wände hat er in traditioneller Weise gekalkt und nicht mit moderner Chemiefarbe gestrichen.

In der Mostelleria sieht man nicht nur, wie Schnaps, Likör, Vodka produziert werden. Man kann auch Methanol riechen, um künftig nicht mehr auf diverse Billigschnäpse hereinzufallen. Und man sieht, dass das Thema Nachhaltigkeit hier oberste Priorität hat.  Mit der beim Brennen entstehenden Energie wird eine Biogasanlage gespeist, welche die benachbarte Schule versorgt. Selbst die Asche wird wiederverwendet: als Dünger.

In der Mostelleria gibt es aber auch eine Schauküche – und den Mostello-Flagshipstore. Wer Hochprozentiges liebt, wird hier rasch fündig. Schon einmal Zirbenschnaps probiert? Auf nach Öhling!

im Internet: mostelleria.at

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Kulinarik, Wiener Journal

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Dokument erstellt am 2014-01-07 12:30:32
Letzte Änderung am 2014-01-07 12:35:18



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