• vom 24.03.2015, 16:17 Uhr

Kulinarik

Update: 24.03.2015, 16:49 Uhr

Alexander Zahel

"Die Herkunft muss die Marke sein"




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Von Christian Rösner

  • Alexander Zahel spricht im Interview über die Vorteile einer Lagenklassifizierung nach französischem Vorbild.

"Wiener Zeitung": Warum wollen Sie eine Lagenklassifizierung nach französischem Vorbild?

Alexander Zahel: Grundsätzlich haben wir in Österreich ein System, das auf Sorten setzt. Das heißt, bei uns liest der Konsument als Erstes Grüner Veltliner, Blaufränkisch, Blauer Zweigelt usw. und schaut erst danach, wo der Wein herkommt. In Frankreich hat man schon sehr früh auf das romanische System gesetzt, das den Fokus auf den Ort und die Lage richtet. Das heißt, auf dem Etikett steht zuerst, wo der Wein herkommt. Und erst nach der Lage folgt die Sorte. Damit kennt sich auch international jeder aus. Jeder weiß in Burgund, ein Meursault ist ein Chardonnay. Wenn in Österreich jemand Grüner Veltliner auf dem Etikett liest, weiß nicht jeder, dass der etwa aus Niederösterreich kommt - weil er eben auch aus Wien kommen könnte. Und das gehört meiner Meinung nach geändert: Wenn jemand sagt, er trinkt Wiener Wein, dann ist es automatisch ein Gemischter Satz.

Information

Alexander Zahel ist gelernter Weinbauer mit Praxiserfahrung in Neuseeland und Australien, hat an der WU und an der Boku studiert und ist 2012 in das familiäre Weingut seines Onkels Richard Zahel
eingestiegen.

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Was sind die Vorteile des Systems?

Man kann nachhaltig einen Weinstil mit hohem Wiedererkennungswert schaffen. Denn jetzt haben wir einen Sortenmix. Einen Zweigelt kann ich von der Steiermark bis in die Wachau produzieren. Da gibt es keine Nachhaltigkeit der Herkunft. Wenn aber Wien draufsteht, oder im besten Fall Maurer Berg oder Nußberg, weiß jeder: Aha, das ist die Toplage in Wien. Und es kann in erster Linie Gemischter Satz sein.

Mit wem sind Sie im Gespräch?

Es finden Gespräche auf allen Ebenen statt, mit verschiedensten Winzern und der Landwirtschaftskammer Wien, die ich hier sehr gerne als objektiven Partner eingebunden hätte. Und natürlich auch mit allen anderen Weinbaugebieten. Hier bin ich bereits mit Vertretern aus der Steiermark, im Burgenland und in Niederösterreich in Kontakt. Und es gibt in Wien, der Steiermark und vor allem in Niederösterreich bereits seit 15 Jahren Bestrebungen, die ganz stark in diese Richtung gehen. Jetzt geht es einfach darum, diese "First Mover" gemeinschaftlich zu vernetzen.

Was ist mit dem Burgenland?

Dort weiß man noch nicht, ob man das überhaupt in allen Gebieten so durchsetzen kann. In dem großen Gebiet um den Neusiedlersee mit den sehr starken Stilen Blaufränkisch versus Zweigelt, weiß man noch nicht, in welche Richtung das gehen soll. Der Heideboden ist zum Beispiel eine der größten Lagen Österreichs mit Tausenden von Winzern. Da ist es schwierig, so etwas nach DAC auf Schiene zu bringen, denn einen Heideboden gibt es um 2,50 Euro pro Flasche, aber auch um 40 Euro. Ich glaube einfach, dass es wichtig wäre, dass ein großes Weingebiet wie Niederösterreich einmal den ersten Schritt in diese Richtung macht und als gutes Beispiel vorangeht. Der Rest ergibt sich dann schon.

Spielt eine Lagenklassifizierung nicht den großen Winzern in die Hände und schadet den kleinen?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Es ist gerade für den kleinen Winzer ein Vorteil. Denn wenn wir eine Lage klassifizieren, hat der kleine Winzer dieselben Chancen wie der große, weil sie alle im selben Gebiet anbauen. Würden nur Vereine oder Weingüter klassifiziert werden, so wie das früher in Bordeaux der Fall war, dann hat jeder Winzer, der neu dazu kommt, keine Chance mehr. Wenn also ein kleiner aufstrebender Winzer Toplagen hat, spielt ihm eine Lagenklassifizierung genau in die Hände. Hier hat jeder einen Vorteil - sowohl der kleine also auch der große Winzer. Und es wird niemand ausgeschlossen. Deswegen muss meiner Meinung nach auch die Herkunft immer stärker sein als die Marke und nicht umgekehrt. Die Herkunft muss die Marke sein.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-24 16:20:08
Letzte nderung am 2015-03-24 16:49:15



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