• vom 24.03.2015, 16:18 Uhr

Kulinarik

Update: 24.03.2015, 16:47 Uhr

Wiener Wein

Die Frage nach der Lage




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Von Christian Rösner

  • Geht es nach Wiener Winzern, soll man sich künftig nicht mehr "einen Gemischten Satz" bestellen, sondern "einen Nußberg".

Eine der Toplagen Wiens: der Maurer Berg. - © rös

Eine der Toplagen Wiens: der Maurer Berg. © rös

Wien. In Wien bestellt man sich einen Gemischten Satz, wenn man einen klassischen Wiener Weißwein trinken will. Immerhin macht diese Sorte bereits ein Viertel der Weißweinfläche in Wien aus und läuft damit dem - eigentlich klassischen niederösterreichischen - Grünen Veltliner bereits den Rang ab.

Seit ein paar Jahren unterscheidet der Wiener auch zwischen Gemischten Satz und dem Wiener Gemischten Satz. Der Unterschied? 2011 haben sich Wiener Winzer zu bestimmten Qualitätskriterien verpflichtet: Eine Verordnung besagt seitdem, dass jene Rebsorten, die für die Herstellung verwendet werden, gemeinsam in einem Weingarten gepflanzt und geerntet werden müssen. Der Anteil einer Sorte darf nicht mehr als 50 Prozent und nicht weniger als zehn Prozent betragen, sodass jede Sorte ihren geschmacklichen Einfluss bemerkbar machen kann. Im Jahr 2013 erhielt dieser Wiener Gemischte Satz schließlich den DAC-Status. Mit dieser Entwicklung ging gleichzeitig auch ein ordentlicher Qualitätsschub einher, der sich auch sehr positiv auf die Verkaufszahlen ausgewirkt hat.

Information

DAC steht für "Districtus Austria Controllatus" und zielt mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung auf "gebietstypische" Weine ab - wie in Italien "Chianti" und in Frankreich "Bordeaux". 2013 hat der Wiener Gemischte Satz den DAC-Status erhalten. Um die Bezeichnung tragen zu dürfen, müssen eine Reihe von Kriterien erfüllt werden. So schreibt die Verordnung zum Wiener Gemischten Satz etwa vor, dass zumindest drei
weiße Rebsorten gemeinsam in einem Wiener Weingarten angepflanzt sein müssen, wobei der größte Sortenanteil nicht höher als 50 Prozent betragen darf. Entspricht ein Gemischter Satz nicht den Regelungen, muss er als Landwein gekennzeichnet werden. Das DAC-Qualitätssiegel ist die Voraussetzung für eine Lagenklassifizierung.


Jetzt wollen manche Winzer einen Schritt weiter gehen und die Herkunft eines Weines vor die Sorte stellen: Der Konsument soll sich künftig in seiner Auswahl an den Lagen orientieren und nicht wie bisher an der Sorte. Das würde zum einen einzelne Weinregionen stärken und zum anderen kleinen, noch am Beginn stehenden Winzern helfen, sich besser vermarkten zu können, meint Alexander Zahel, Kellermeister des gleichnamigen Weinbaubetriebes in Wien-Mauer.

Die Gefahr, dass ein Jungwinzer dann gezwungen ist, in einer Toplage nur noch eine bestimmte Sorte anzupflanzen, sieht der Experte nicht - schließlich bestimme die Lage die Sorten. "Natürlich sollte sich jedes Gebiet auf eine Sorte einigen, das ist auch der DAC-Gedanke. Und es ist ja bereits so, dass jeder genau weiß, was auf seinen Toplagen wächst: In Niederösterreich sind es Riesling und Veltliner, in Wien ist es der Gemischte Satz und in der Steiermark Sauvignon und Gelber Muskateller", so Zahel.

Eine Lagenklassifizierung, wie sie sich Zahel vorstellt, könnte nach französischem Vorbild (Burgund) funktionieren. Damit würde etwa in Wien der Nußberg in Grinzing eine eigene Lage sein. Unvorteilhaft wäre es hingegen, wenn man die Lagen - wie etwa in Bordeaux - in Crus aufteilen würde, weil das zu einem Lagenstreit unter den Winzern führen könnte, befürchtet Zahel. Die Lage sollte für das ganze Gebiet stehen und allen etwas bringen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-24 16:23:04
Letzte ńnderung am 2015-03-24 16:47:55



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