Es funkelt, es glitzert, Gold, Diamanten, Edelsteine in allen Farben des Regenbogens. Daneben stehen Preise, hohe, aber auch leistbare. Der Laie erinnert sich dunkel an die vier Cs der Diamanten: Carat, Cut, Colour, Clarity - also Gewicht, Schliff, Farbe und Reinheit. Dennoch: Die Faszination Schmuck besteht aus mehr als physikalisch messbaren Größen.
In den hell beleuchteten Vitrinen des Dorotheums trifft Barock auf Jugendstil, Moderne auf Geschichte, Bürgertum auf Adel - und der Rest ist Geschmackssache. Oder man kennt sich eben aus, wie die Leiterin der Juwelenabteilung des Hauses, Astrid Fialka-Herics. Sie weiß: "Nichts ist so wertvoll wie eine gute Geschichte zu einem historischen Schmuckstück."
Katharina Schratts Schmuck. Wenn also eine Fuchsia-Brosche, die einst Katharina Schratt gehört hatte, zur Versteigerung gelangt, dann entspricht deren Preis nicht nur ihrem tatsächlichen - steinernen oder goldenen - Wert. Diamanten, Brillanten, Rubine aus Myanmar, zusammengefügt durch den Hofjuwelier Köchert - alles natürlich wertvolle Argumente für das Schmuckstück.
Aber es ist das Gefühl, an der Vergangenheit teilhaben zu können, dem Kaiserhaus nahe zu sein, etwas Prominentes zu besitzen, das den Preis letztlich hochtreibt: Mit 30.000 bis 50.000 Euro Schätzwert ist die Brosche in die Versteigerung gegangen, verkauft wurde das gute Stück letztlich für 202.800 Euro.
Der Name Katharina Schratt, der "lieben Freundin" Kaiser Franz Josefs, hatte die Bieter befeuert. Die Schauspielerin pflegte einen aufwendigen Lebensstil, war eine begeisterte Spielerin und häufte so immer wieder Schulden an. Dann musste sie auch Schmuck verkaufen, den ihr der Kaiser geschenkt hatte. So kam die Fuchsia-Brosche in Umlauf, erzählte ihre Geschichte einer ungewöhnliche Beziehung und punktete so in allen "wertvollen" Kategorien.
Geschichte und Gschichterln

Hinter dieser einen Erfolgsstory des Hauses steckt viel Knochenarbeit, betont Schmuckexpertin Fialka-Herics. Immer wieder ist sie mit Geschichten rund um angeblich wertvolle Erbstücke konfrontiert. "Das hat einmal der Zar meiner Großmutter geschenkt" und Ähnliches wird ihr da angetragen.
Bei näherer Untersuchung halten die Geschichten meist nicht stand: Die Verarbeitung passt nicht zur angegebenen Epoche oder die Steine sind nur von mäßiger Qualität. So mancher Schmuck, der vielleicht tatsächlich einmal viel wert war, erweist sich da als wertlos. So hat womöglich schon eine frühere Generation der Besitzerfamilie Geld gebraucht und den Solitär durch einen billigeren Stein ersetzt, heimlich. "Geschichten hören wir hier viele, die Überprüfung ist meist mühsam und das Ergebnis für die Besitzer oft ernüchternd", so Fialka-Herics. Ausnahmen wie jene Schratt-Brosche überstrahlen dann aber alle Mühen und belohnen Verkäufer, die Juwelen-Experten des Dorotheums und Käufer.
"Viele Schmuckstücke haben für ihre Besitzer einen hohen ideellen Wert. Um diesen auch in Auktionen bezahlt zu bekommen, muss man ihn aber nachvollziehen können. Originalschatullen, Rechnungen, Briefe, die sich auf den Schmuck beziehen, oder auch Fotos, auf denen jemand das Stück in der Vergangenheit trägt, das sind wertvolle Zeugnisse."
Diskretion ist im Dorotheum oberstes Gebot, daher gelangen nur wenige Geschichten in Umlauf. Schade, sind doch im jahrhundertealten Haus sicher schon viele Stücke mit Geschichte unter den Hammer gekommen. Aber nicht immer wollen die Verkäufer damit Schlagzeilen machen, dass sie Erbstücke veräußern. Hinter der Formulierung "aus Adelsbesitz" versteckt sich wohl so manche Geschichte, die aber nicht erzählt werden darf.
Wunder der Natur. Offener darf man sich da im Naturhistorischen Museum (NHM) geben. Vera Hammer, Leiterin der Mineralien- & Edelsteinsammlung des Hauses am Ring, ist Hüterin eines historischen Schatzes. Jedes Stück birgt eine Geschichte, manche glitzern vordergründig, andere bieten tiefgründigere Erkenntnisse. Zum Beispiel über das Wesen des Sammelns in Österreich - immerhin gründet die Anhäufung historischer Stücke auf der Sammlung des Erzherzogs Ferdinand II. von Tirol. Außergewöhnlich dabei: Die Inventarliste dieser Sammlung von Schloß Ambras stammt aus dem Jahr 1596 und gehört damit zu den ältesten derartigen Zeugnissen weltweit. Kriegswirren und Erbschaftsstreitigkeiten zum Trotz blieben die meisten wertvollen Stücken erhalten, einige gelangten an den kaiserlichen Hof und ins Naturhistorische Museum.
Da erzählt ein Golderz aus dem Zillertal von Grenzstreitereien zwischen Salzburg und Tirol. Bodenschätze aus Österreich seien der wahre Grundstein für den Reichtum der Habsburger gewesen, betont Vera Hammer. "Mit den Steuern allein hätten die Habsburger nicht überleben können. Das Tauerngold aus dem Gasteiner Raum hat ihnen den Aufschwung gebracht." Routiniert bewegt sie sich durch die hitzegeschwängerten Ausstellungsräume, engagiert sich besonders für die unscheinbareren Stücke und deren Geschichten.
