Er wollte etwas Gutes tun, die Welt zum Besseren verändern. Doch anstatt bloß Geld an Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden oder sich ehrenamtlich für ein Sozialprojekt zu engagieren, schlug Philipp Marouschek einen anderen Weg ein: Zusammen mit Wilfried Maierhofer gründete er das österreichische Modelabel Y/O/U, das sich voll und ganz der Nachhaltigkeit verschreibt. Darüber hinaus wollen die beiden die Hälfte ihres Gewinns an wohltätige Projekte abtreten. Seit Mitte Juli gibt es die erste Kollektion mit dem roten "Y" in den zwei Geschäften in Wien und Berlin sowie online zu kaufen.
Vom Juristen zum Modemacher
Schon wieder eine Marketingstrategie, mag man sich denken. Aber Marouschek nimmt man den Gutmenschen ab. "Ich war schon immer schockiert über Armut, Obdachlose und Zwangsräumungen und hatte schon immer das Bedürfnis, etwas zum Besseren zu verändern", schildert der gebürtige St. Pöltner. "Als die Bundesregierung im Zuge des Sparpakets die Entwicklungshilfe gestrichen hat, war für mich der Punkt erreicht, dass ich etwas tun muss." Fragte sich nur, was. Denn bislang war der promovierte Jurist in renommierten Wiener Wirtschaftskanzleien tätig - eine Arbeit, die ihn aber nicht glücklich machte. Dass die Entscheidung auf die Gründung eines Modelabels fiel, hatte damit zu tun, dass Marouschek es immer schwierig fand, Kleidung zu finden, die nicht nur gut aussieht, sondern auch ökologisch ist. "Es ist unglaublich, unter welchen Bedingungen Kleidung teilweise hergestellt wird", kritisiert er. Er wollte zeigen, dass es anders auch geht, ohne sich dabei in der unmodischen Öko-Ecke zu positionieren. Mit Maierhofer, den er von früher kannte, hatte er schnell einen Geschäftspartner gefunden. "Willi hatte ähnliche Beweggründe wie ich", sagt Marouschek über den Eigentümer eines niederösterreichischen Elektrotechnikbetriebs, der sich beim neuen Label vorwiegend um die finanziellen Angelegenheiten kümmert.
Wiener Haus- und Hofdesigner
Durch eine hundertprozentige Eigenfinanzierung wollten sich Marouschek und Maierhofer ihre Unabhängigkeit sichern. Allerdings fehlte dem Unternehmerduo die Branchenexpertise. Mit Mode hatte Marouschek - bis auf seine Mutter, die Schneiderin ist - bisher nichts zu tun gehabt. So klopfte er mit seiner idealistischen Idee eines ökologischen Modelabels bei den heimischen Designern Anna Aichinger und Rainer Milalkovits an, die ihr soziales Engagement schon bei einer Initiative der Volkshilfe Wien für langzeitarbeitslose Frauen unter Beweis gestellt hatten. "Sie waren schnell zu begeistern", erzählt Marouschek erfreut. Während Aichinger ab Herbst als Head of Design für das Kreativkonzept sowie die Damenkollektion verantwortlich zeichnet, wird Milalkovits das Design der Y/O/U-Herrenkollektion übernehmen. Vorgaben hätten die Designer nur zwei: "Es soll eine schicke, aber auch zeitlose Mode sein, die man lange tragen kann." Sonst lässt Marouschek den kreativen Köpfen freie Hand.
Von schlicht bis exklusiv
Die ersten zwei Linien des Labels sind schlicht und gemütlich: eine unisex T-Shirt- und Polo-Linie Baselyne, teilweise mit Aufdrucken wie "Makes You Real", "Youropean" und "I Help You", und die Casual-Linie Y-Series mit Bundfaltenhosen, T-Shirts, Hemden und Kleidern in gedeckten Farben. Bei den Stoffen setzt das Label auf europäische Herkunft: Baumwolle, Tencel und Leinen. Im Herbst erweitert Y/O/U seine Kollektion mit der Linie High-Yred, einem exklusiven, eleganten Segment, das laut Marouschek mit Marken wie Boss und Zegna mithalten soll. Dafür wird das Stoffsortiment mit hochwertiger Seide und Loden aufgestockt.
Strenge Auswahl, volle Transparenz
Sowohl die Stoffe als auch die Unternehmen, die in den Produktionsprozess des neuen heimischen Labels eingebunden sind, werden bei Y/O/U nach ökologischen Grundsätzen ausgewählt. "Ich kenne alle Betriebe persönlich und weiß, wie sie mit ihren Mitarbeitern umgehen und woher die Materialien kommen", versichert Marouschek. Der Flachs stammt aus Frankreich und Belgien, gesponnen und gefärbt wird in Litauen, gewoben in der Leinenweberei Vieböck im Mühlviertel und genäht in Ungarn. Ziel ist es, die lokale Nachfrage mit der lokalen Produktion abzudecken - "so wie bei den Bauernmärkten", konkretisiert der Labelgründer, der sich selbst als "glühenden Europäer" bezeichnet. Mit zwei Dingen ist der 34-Jährige jedoch noch unzufrieden: mit dem Anteil an Baumwolle in der Kleidung und der Färbung der Textilien mit Industriefarbe. "Wir wollen Baumwolle reduzieren, weil sie so viel Wasser verbraucht", erklärt er. Was das Färben angeht, so sei er auf der Suche nach einem innovativen Verfahren, mit dem die Industriefarbe durch Pflanzenfarbe ersetzt werden kann. Auch wenn noch nicht alles wie gewünscht läuft, steht für Marouschek die Transparenz an oberster Stelle. "No Bullshit-Kommunikation" nennt er das. Ein Element dieser Transparenz stellen die Etiketten an den Kleidungsstücken dar, mit denen das Label die Konsumenten über Produktion, Material und Zertifikate informiert.
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