• vom 23.09.2012, 10:00 Uhr

Mode

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Wer schön sein will, muss nicht frieren


Von Birgit Holzer

  • Die Pariser Prêt-à-Porter-Schauen gaben es vor: In diesem Herbst und Winter kleiden sich Frauen schlicht, aber elegant, feminin und gerne auch mehrlagig. Viele Kollektionen zeigten schöne, tragbare Entwürfe - aber auch interessante Experimente blieben nicht aus.

Louis Vuitton - © EPA

Louis Vuitton © EPA

Frauen, die sich in der kalten Jahreszeit nicht einfach nur in die immergleichen grauen und dunkelfarbigen Mäntel hüllen wollen, brauchen die Winter-Saison nicht zu fürchten: Der Stil mag klassisch-zurückhaltend sein, auch Schwarz bleibt im Trend wie eh und je, doch die Farbpalette wird vielseitig und kraftvoll.

Diesen Ton gaben die großen Modehäuser vor bei der Präsentation ihrer Herbst- und Winterkollektionen der Fashion Week in Paris - und zeigten sich dabei sogar ungewöhnlich einig: Strahlendes Karmin- oder Bordeauxrot, kräftiges Flaschen- oder Moosgrün und klassisches Schwarz sind die bestimmenden Farben der kommenden Saison. Auch Marine-, Nacht- oder Kobaltblau, Pink und Altrosa, sowie warme Töne wie Rotbraun, Karamell oder Gold werden oft in den Boutiquen zu sehen sein. Warme Stoffe und mehrere Lagen sind im Kommen, die auch kühlen Temperaturen standhalten: Wer schön sein will, braucht nicht zu frieren. Prada, Louis Vuitton oder Chanel bieten drei Schichten an mit einem Mantel über einem Kleid, darunter eine Hose - ein Mehrlagen-Stil, der dank feiner Stoffe und präziser Schnitte dennoch nicht überladen wirkt.

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Schrill wird dieser Modewinter nicht. Es überwiegen eine zurückgenommene Schlichtheit und feminine Eleganz. Frau kann raffiniert kombinieren - und wenn sie ein figurbetontes Oberteil zu einem knielangen, ausgestellten Rock trägt oder schmale Hosen mit hohen Absätzen, macht sie sicherlich nichts falsch. Giambattista Valli, neuerdings in der Riege der wenigen Häuser, die neben Prêt-à-Porter auch Haute-Couture-Kollektionen erstellen, erwies sich als Trendsetter, indem er schwingende Volant-Röcke unter schmalen Oberteilen, raffinierte Schwarz-Weiß-Kontraste und das für diese Saison unvermeidliche Rot zeigte.

Etliche Häuser, von Dior bis Lanvin, arbeiteten in ihren Kollektionen eine zarte und doch nicht zu mädchenhafte Silhouette heraus. Andere wie Balenciaga oder Vanessa Bruno experimentierten mit futuristischen Looks und Glitzerpailletten. Einmal mehr gab Karl Lagerfeld für Chanel dabei den Trend vor: Seine Models ließ er durch eine funkelnde Kristall-Landschaft mit silbernem Sand wandeln, glamouröse, mit Kristallsplittern und glitzernden Pailletten besetzte Entwürfe mit schimmernden Stoffen tragend und selbst die Augenbrauen mit Glitzer geschmückt. Lässige Mäntel in weißem, schwarzem oder dunkelgrauem Tweed kombinierte Lagerfeld mit Samtleggins mit farbigem Umschlag oder schmalen Hosen. Neuer Trend ist ein präzise geschnittener Pony und streng aus dem Gesicht frisiertes Haar, häufig zum Pferdeschwanz gebunden, der das Gesicht zur Geltung bringt.

Grazile Strenge und präzise Schnitte präsentierte das Haus Valentino, dessen Chefdesigner Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli ihren bisherigen, oft sehr mädchenhaften Blümchenstil verließen und eine reifere, selbstbewusstere Frau ankleideten. Besonders stachen ihre schlicht-eleganten marineblauen und nachtschwarzen Roben hervor, sowie Cardigans mit Raubtiermustern oder folkloristischen Drucken und Stickereien.

Dior, bei den Prêt-à-Porter-Schauen im März noch mit dem Übergangs-Designer Bill Gaytten, der auf den Skandal-Schöpfer John Galliano folgte und den inzwischen der Belgier Raf Simons abgelöst hat, ging ganz auf Nummer sicher mit einer Kollektion entsprechend der ureigenen Linie des Traditionshauses, wenn auch weit weniger couragiert als zu Gallianos Zeiten: locker-leichte Entwürfe aus glänzender Seide, Chiffon und Satin, schmale, kragenlose Oberteile, ärmellose Kleidchen und weite wadenlange Röcke, die teils vom Ballett inspiriert wirkten. Die starke Betonung der Taille und die schwingenden Röcke schufen eine zarte, tänzerische Silhouette. Auch bei der Farbwahl experimentierte Gaytten wenig, griff passend zu den anmutigen Entwürfen zu Pastelltönen von Pfirsich über Altrosa bis Beige, aber auch kräftigerem Pink oder Lila. Ins Publikum mischte sich auch die amerikanische Schauspielerin Mila Kunis als neue Dior-Werbeikone - auch sie in einem puderrosa Kleid.

Helle Töne von Abricot über Mint bis Zitrone zeigte auch die britische Designerin Claire Waight Keller für Chloé in einer insgesamt eine sportlich-urbanen Kollektion: weite Baumwollhosen mit Bündchensaum, elegante Jogginghosen, gesteppte Röcke oder warme und sehr tragbare Strickpullover.

Ein Gegenkontrast zu diesen leichten, tragbaren und gut kombinierbaren Linien waren schwere, ja barocke Kollektionen wie bei Dolce & Gabbana. Das italienische Modehaus zeigte glamouröse Kleider mit aufwendigen Stickereien und schweren Wandteppich-Motiven, besetzt mit Strass oder goldbraunem Brokat. Bei Balmain gab es Kastenjacken in Übergröße zu sehen, ebenfalls üppig bestickt oder mit Goldfäden durchzogen: Chef-Designer Olivier Rousteing setzte in seiner zweiten Saison für das französische Modehaus auf opulente perlenbesetzte Kleider, schimmernde Samt-Entwürfe und knöchellange Röcke mit gewagtem Beinschlitz. Und trotz der teils maskulinen Schnitte und der majestätischen Üppigkeit strahlte die Kollektion einen Sex-Appeal aus wie wenige andere.

Haider Ackermann, Giambattista Valli, Guillaume Henry, Dior

Haider Ackermann, Giambattista Valli, Guillaume Henry, Dior© Corbis, Epa, Reuters Haider Ackermann, Giambattista Valli, Guillaume Henry, Dior© Corbis, Epa, Reuters




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-20 15:57:15
Letzte Änderung am 2012-09-20 17:08:21


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