Retro und Moderne, Grobes und Feines, Seide und Filz, Dunkel und Hell - Schella-Kann-Designerin Anita Aigner mag Gegensätze. Auch in der aktuellen Herbst-Winterkollektion des heimischen Modelabels spiegelt sich diese Vorliebe deutlich wider.
Im geräumigen Souterrain des Geschäfts in der Wiener Spiegelgasse stehen Puppen mit geschmeidigen Samtröcken und Strickpullover im Sixties-Look, flauschigem Seiden-oberteil und Filzrock. Viel Grau und Dunkelblau, dazwischen gelbe Akzente. "Ich mag Brüche und kombiniere zum Beispiel gerne das Grobe mit Feinem", beschreibt die sympathische Designerin bei der Präsentation der Kollektion. Das und klare Linien zeichnen ihren Stil aus - und das schon seit mehr als 25 Jahren, als sie gemeinsam mit der Marketing- und Produktionschefin Gudrun Windischbauer das Label Schella Kann gegründet hatte.
Somit zählt das Erfolgsduo schon fast zum Urgestein der heimischen Modeszene. "Wir könnten eigentlich schon in Pension gehen", scherzt Aigner. Wären da nicht noch viele Ideen und Träume, die die beiden verwirklichen wollen. Erst vor einem Jahr haben sie den Flagship Store in der Spiegelgasse eröffnet. Der untere Raum wird bis auf Ausstellungen und Veranstaltungen noch nicht genutzt, was Aigner schade findet, bietet er doch viel Potenzial. Und noch ein Wunsch schwirrt in Aigners Kopf herum: Schuhe und Accessoires aus dem Hause Schella Kann. "Das ist aber noch ein Zukunftstraum, weil es sehr aufwendig ist", räumt die Designerin ein.
Seide mit Pelzoptik
Was sich mit der Zeit geändert hat? "Am Anfang habe ich immer bestimmte Themen und Farben im Kopf gehabt, jetzt nicht mehr", sagt Aigner. Nun sind es die Stoffe, die in ihrem Kopf die Ideen zünden. "Zur Stoffmesse in Paris fahre ich immer wie ein Hungriger mit leerem Magen", erzählt sie. Bei der aktuellen Herbst-Winterkollektion merkt man die Experimentierfreude Aigners mit den Stoffen. Besondere Hingucker sind Rock und Oberteil aus flockiger italienischer Seide. "Das ist unser Pelzersatz", kommentiert sie. Das Edelmaterial hat auch seinen Preis: 715 Euro muss man für Rock oder Top hinlegen. Eher leger, aber noch immer stilvoll wirken dazu die Strickpullover mit geometrischen Mustern, die an frühere Skipullis erinnern.

Für Überraschung in der Kollektion sorgte ein Latexrock. "Das Material hat die Farbe geändert, als Luft dazugekommen ist", erzählt Aigner, die von dem außergewöhnlichen Effekt begeistert ist.
Flexible Mode
Die Designerin hat die aktuelle Kollektion als Tageskollektion konzipiert. Der Kombinationsfreude sind hier keine Grenzen gesetzt. "Den Pullover kann man mit einem Samt- oder Seidenrock kombinieren und untertags im Büro anhaben, und am Abend zieht man ihn einfach aus und trägt den Rock mit einem schönen Hemd. Es ist ein 24-Stunden-Outfit", sagt sie.

Auch für Temperaturschwankungen ist vorgesorgt: Die geringelten Armstulpen und Sturmhauben wärmen nicht nur, sondern sind auch als lässige Accessoires einsetzbar. Farblich ist die Kollektion dunkel gehalten mit gelegentlichen Akzenten in Gelb wie etwa die Gürtel. "Ich verwende immer wieder Gelb, obwohl ich es selbst nie anziehe", erläutert Aigner. Bunter fällt hingegen die Zweierlinie von Schella Kann, Schella Kann Two, aus. In der figurbetonten Stretchkollektion sorgen Pink, Blau und Rot in der bevorstehenden Winterzeit für Farbe.
Artikel erschienen am 28. September 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 18-21