Der modische Mann der kommenden Herbst- und Wintersaison - das ist ein echter Mann. Mit starken, ausgestellten Schultern, einer klaren Silhouette und uniformhaften Anzügen, die seine Maskulinität und Stärke noch betonen. Der Militärlook wird durch die Farbwahl von Kaki über Kamel und Grau bis Oliv- und Tarngrün besonders deutlich herausgestellt.
Eine ganze Reihe Designer ließen sich bei den Herrenmoden-Schauen in Paris für die Herbst-/Wintersaison von der strikten und virilen Garderobe bei Armee und Marine inspirieren: Tarnstil und fließende Lodenmäntel in Offiziersgrün bei Dior Homme, an russische Uniformen mit auffälligen Metallknöpfen erinnernde Anzüge bei Balmain, Seemanns-Elemente bei Mugler und Fliegerhauben bei John Galliano. Auch die Fliegerweste erschien in verschiedenen Variationen bei Lanvin und Christian Lacroix, in edler Seide bei Louis Vuitton und mit Schulterpolstern und verziert mit Lederdetails bei Viktor & Rolf. Durch die militärischen Anspielungen erschien die Kollektion der koreanischen Designerin Wooyoungmi strukturiert und klar, die einen männlichen und zugleich raffinierten Look vorstellte; darunter auch Boots mit weißen Sohlen, teils sogar - ziemlich unmännlich - geblümt.
Die Zeichen in diesem Modeherbst stehen also nicht auf Farb-Experimenten. Doch wie auch bei den Herbst- und Winterkollektionen für Damen kommt dennoch neben den zurückhaltenden und gedeckten Tönen auch ein kräftiges, ja vibrierendes Rot en vogue - gesehen bei Viktor & Rolf, Givenchy oder Lanvin. Die roten Ponchos bei Issey Miyake erinnerten so manchen Modekritiker gar an Rotkäppchen; Christian Lacroix präsentierte blutrote Regenmäntel und die schwedische Marke Acne Hosen und Jacken in knallig rotem Leder -so viel Kontrast zu den ansonsten herbstlichen Grün- und Brauntönen darf durchaus sein. Dior Homme nahm darüber hinaus in seine Farbpalette Violett und Kaki auf und, besonders einprägsam, ein strahlendes elektrisches Blau. Auch Kenzo variierte zwischen klassischem Schwarz und Grau, kombiniert mit wald- und hellgrünen Stücken, dazu vereinzelt Bordeauxrot und Nachtblau. Generell überwogen bei der Pariser Fashion Week weniger ausgefallene Verrücktheiten und Experimente, sondern sehr geradlinige, präzise und schnörkellose Entwürfe, oft an der Grenze zum Minimalismus, gerne mit einem sportiven Touch.
Ein Muss für diesen Herbst sind Capes. Sie waren fast überall zu sehen, etwa in einer sehr klassischen Variante bei Yves Saint Laurent oder auch bei Thierry Mugler in luxuriöser Seide oder Jacquardmusterung. Beim japanischen Modemacher Yohji Yamamoto erschienen die Capes als weite, Decken-ähnliche Umhänge, Miharayasuhiro und Dior Homme konzentrierten sich auf elegante Ponchos, No Editions zeigte Biker-Capes aus schwarzem Leder.
Dazu passend und als Kontrast zum Uniform-Trend verlegten sich zahlreiche Häuser auf betont lässigen Sportswear-Look, der den Mann mehr für die Freizeit, ob einen Stadtspaziergang oder einen Ausflug in die Natur, denn für das Büro ankleidet. So formulierte es auch Lucas Ossendrijver, bei Lanvin zuständig für die Herrenmode-Linien unter der Leitung von Kreativdirektor Alber Elbaz: Er wolle den Anzug für eine neue Generation von Männern überdenken, die er sich mehr auf der Straße als im Büro vorstelle, erklärte er. Heraus kam eine sehr tragbare Mischung aus formellen Kleidungsstücken und entspannter Sportswear, Anzüge aus farbiger Wolle mit runden Schultern, dazu elegante Stadtschuhe oder auch sportliche Sneakers.
Exemplarisch für das Angebot einer coolen, für alle Anlässe geeigneten Garderobe stand auch die Kollektion von Dior Homme: Kreativdirektor Kris Van Assche zeigte etwas weniger minimalistische Schnitte als gewohnt, ließ sich dafür auf eine lässig-sportlichere Linie ein, wenn er die luxuriösen Standards und strikte Perfektion des Couture-Hauses auch weiterhin einhielt. Besonders raffiniert waren die beidseitig tragbaren Stücke, die durch ein System der Knöpfe, Taschen und Reißverschlüsse stets seitenverkehrt wirkten.
Ein weiterer Trend zog sich außerdem durch viele Kollektionen: Während die Hosen stark variierten von weiten Baggy Pants über Sporthosen bis zu Shorts, lag der Hauptfokus auf den Oberteilen, präzise gearbeitet und die absoluten Vorzeigestücke der meisten Schauen - ob schreiender Blickfang mit exzessiven Schulterpolstern und ungewöhnlich hohen Taillen oder schlicht-minimalistische Entwürfe, wie etwa bei Dries Van Noten oder Rick Owens, der auf weiße Oberteile setzte - vermeintlich simpel und klassisch, und doch effektvoll. Präzise Detailarbeit auch bei Yves Saint Laurent mit einer Farbpalette von Schwarz über Grau bis Marineblau. Bei den Textilien setzte er den Akzent auf Leder, ob auf den Jacken-Revers oder bei verspielten Details an Hosen und Pullovern. Bei Louis Vuitton wiederum zogen sich die hoch gesetzten Ledergürtel als Schlüssel-Accessoire durch die gesamte Kollektion.
Neben der Vorliebe für Leder gab es einige auffällige Stücke aus Seide, wie beim Designer Kim Jones, der in seiner zweiten Kollektion für Louis Vuitton luxuriöse Kimono-Hemden und fließende Mäntel im Schalmuster à la Vuitton entworfen hatte und Krokoleder als Ellbogenschützer einsetzte. Naturgemäß zeigte auch Hermès - im Ursprung ein Lederwarenhersteller - schöne und zeitlose Stücke aus Leder, darüber hinaus geschmeidige Hemden in Krokomuster oder Himmelblau und klassische Karo-Pullover aus weicher Seide.

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