• vom 20.10.2012, 09:00 Uhr

Mode

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Nie ohne Rosen


Von Silvia Matras

  • Wer so sehr die Rosen liebt, sie in Kleider und Taschen webt und stickt, der kümmert sich einen Deut um aktuelle Modetrends. Susanne Bisovsky arbeitet und denkt in größeren Dimensionen. Ihre Modelle sind Proteste gegen die Schnelllebigkeit ihrer Branche.

"Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose", schrieb einst die amerikanische Schriftstellerin Gertrud Stein und wurde damit berühmt. Im Salon von Susanne Bisovsky könnte dieser Ausspruch über der Tür stehen. Rosen auf dem Teppich, Rosen auf dem Sofa, Rosen auf den Kleidern. Rosen in Vasen, die allerdings sind gehäkelt, aus Seide oder anderem Material. Auf jeden Fall ohne Duft. Wie schrieb Christian Morgenstern einst: "Oh, wer um alle Rosen wüsste, müsste wie im Rausch durchs Leben gehen." Für Susanne Bisovsky ist Arbeit Rausch. Und Frauen, die ihre Kleider tragen, fühlen sich rauschhaft in eine andere Zeit versetzt und spielen mit der Verwandlung, die ihnen das ungewohnte Gewand beschert.

Susanne Bisovskys Mode beschwört eine Zeit der Romantik herauf. Wer will, kann in ihren Kleidern aus unserer romantiklosen, romantikfeindlichen Zeit aussteigen und sich in eine Dame aus dem 19. Jahrhundert, in Madame Bovary oder in ein Wiener Mädel verwandeln.

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Susanne Bisovksy selbst ist eine äußerst nüchterne, praktisch denkende Person. Ihr am meisten verwendetes Vokabel ist "Arbeit". Darin findet sie die Genugtuung, die andere im Business, in der Karriere oder im Gesellschaftsspiel "Who is Who and Where?" suchen.

Der Wiener Chic

Immer wieder beklagt Susanne Bisovsky den Verlust des einst so berühmten "Wiener Chic". "Es sind Frauenbilder wie das ‚Wiener Mädel‘ oder die ‚Wiener Dame‘, die ich erschaffen will. Sie fehlen sehr im Straßenbild." Nun, vielleicht wären ihre Leitmodelle in den Straßen von Wien ein wenig deplaziert. Sie passen eher in einen Salon, ins Theater, ins Sacher oder in ein Separée. Auch wenn ihre Schöpferin meint, sie selbst würde so gekleidet auch zu Billa oder zum Würstelstand gehen. In Wahrheit bevorzugt sie eher schlichte Kleidung für sich selbst. Zum Arbeiten darf nichts einengen. "Und die Haare müssen mit einem Tuch gebändigt sein, damit sie nicht stören." Wie stellt sich nun das Wiener Mädel in der Vorstellung von Susanne Bisovsky zum Rendezvous ein? Zum Beispiel züchtig. In hohen Schnürschuhen und schwarzen, halterlosen Strümpfen, natürlich mit Rosenmuster. Ein braves Kleidchen mit Rosenbordüre um den halsnahen Ausschnitt, ein Rosenkopftuch und eine Rosentasche machen aus dem Wiener Mädel ein scheues Reh aus der Vorstadt. Anders dann die "Wiener Dame": Vorausgesetzt, sie hat eine schmale Taille, dann wählt sie einen der weiten kurzen Rosenröcke und ein rosenbesticktes Oberteil. Dazu vielleicht einen frechen Hut mit geschwungener, langer Feder. Schirm und Täschchen im Rosenmuster dazu passend komplettieren die Garderobe der Wiener Dame. Geht sie abends aus, dann wählt sie vielleicht einen langen, schwarzen Rock mit reichen Volants aus Tüll. Scheu oder unsicher darf die Trägerin eines solchen Outfits allerdings nicht sein. Denn die Blicke aller Männer (und Frauen!) sind ihr sicher.

Susanne Bisovskys Modelle erzählen Geschichten. Dazu gehören eben romantische Motive, meist mitten auf die Brust geheftet: Da blühen Rosen, flattern Vögel. Da rauschen Rüschen. Da knistern gestärkte Spitzenkragen. Ihre Schöpferin spielt mit der Romantik, jedoch ohne Sentimentalität. Indem sie sich wie selbstverständlich zu ihrer überbordenden Rosenorgie bekennt, nimmt sie ihren Kritikern, die das Wort Kitsch anführen wollen, den Wind aus den Segeln: "Was soll’s? Eine gehäkelte Rose allein ist Kitsch, viele auf einmal sind ein Bekenntnis gegen die vorherrschende Meinung."

Gegen die Gewandberge

"Ich bin keine Trachtenqueen", wiederholt Susanne Bisovsky gebetsmühlenartig in jedem Interview. "Ich kann das Wort ‚Dirndl‘ nicht mehr hören". Zwar schrieb sie ihre Diplomarbeit an der Angewandten unter dem Aspekt der Tracht und gesteht, dass die historische Tracht Basis und Ausgangspunkt vieler ihrer Modelle ist. Aber sie will sich weder in das zweideutige Eck der Heimatschnulze stellen lassen, noch ist sie bereit, die modischen Ausuferungen des Dirndls - kurz und tief ausgeschnitten und in allen möglichen Ethnovarianten - mitzumachen. Ihr Bezug zur Tracht ist ein ehrlicher: Sie, die Tracht, war und ist das Gewand einer ländlichen Bevölkerung für den Alltag und das Fest. Im Alltag wurde das Gewand geflickt, geändert, weiter gemacht, den Gegebenheiten angepasst. Man warf es nicht weg. "Ich bin gegen die Gewandberge, die die heutige Modebranche produziert. Die Frühjahrsmodelle sind bereits Schnee von gestern, wenn sie gezeigt werden." Sie bringt deshalb nicht immer neue Modelle auf den Laufsteg, sondern erweitert, ergänzt, verändert die bestehenden. Programmatisch nennt sie ihre Haute-Couture-Modelle deshalb "Everlasting Collection". Diesen Herbst um ein ganz besonderes Prunkstück erweitert, die "Flinserljacke à la Bisovsky". Weil sie von der Faschingsmontur der Ausseeer, dem sogenannten Flinserlkostüm, so begeistert war, hat sie einen Sommer lang aber hundert Perlen und Pailletten auf ihre Jacke genäht. Zu bewundern war diese neben anderen Kostbarkeiten der "Everlasting Collection" und der Modellreihe "Innocentia" in Salzburg am Mozartplatz und im Museumsquartier im Rahmen der "Wiener Fashion Show".

Susanne Bisovsky Salon

Susanne Bisovsky Salon Susanne Bisovsky Salon




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-16 14:47:27
Letzte Änderung am 2012-10-19 15:52:02


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