• vom 05.10.2007, 10:56 Uhr

Reisen


Auf in die Nocky Mountains!




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Von Silvia Matras

  • Hüttenluxus, Hängematten, Heidenspaß mit Heidi, hartes Bauernleben und sehr viel Natur, nicht immer pur. Das bieten die Nockberge in Kärnten.

Franz Gruber vor seiner Almhütte.

Franz Gruber vor seiner Almhütte.© S. Matras Franz Gruber vor seiner Almhütte.© S. Matras

Fad wird es nie. Um jede Biegung sieht die Welt anders aus. Breite Täler mit jäh ansteigenden Wiesen, schroffe Zweitausender und rund geschliffene Grasberge formen ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Die Vielfalt der Wanderwege reicht von ganz leicht über mittelanstrengend bis sehr atemberaubend. Dörfer mit gut erhaltener, alter Bausubstanz wie St. Oswald oder St. Lorenzen zählen zu den schönsten in Kärnten.

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Zentrum ist Bad Kleinkirchheim, das man nicht gerade als Romantikdorf bezeichnen kann. Hier boomt der Tourismus das ganze Jahr. Weil die Sache mit dem Schnee nicht so ganz sicher ist, hat man sich vorsorglich auch auf Wander- und Wellnesstourismus eingestellt. In der Therme Bad Kleinkirchheim lässt sich Schlechtwetter gut aussitzen, besser: ausplanschen. Jedes Hotel, und sei es noch so klein, lockt mit Spaß im Spa oder mindestens mit Sauna und Jacuzzi. Und weil halt Events sein müssen, haben pfiffige Touristiker auch Wanderwege mit Spaßcharakter erfunden. Da stehen auf Waldlichtungen Himmelbetten aus Holz, auf die sich der müde Wanderer legt und dem Rauschen des Bächleins oder der Bäume zuhören kann. Auf dem Hochplateau des Kaiserburgberges laden rote Sofas, die stark an die Werbung eines gewissen Möbelhauses erinnern, zum Ausrasten ein. Eine Bildergalerie mit Werken - natürlich nur Kopien - der Maler der "Neukunstgruppe" lenken ein bisschen von der durch Skiabfahrten gequälten Landschaft ab.

Auch Kinder sollen auf ihre Rechnung kommen: Rund um den Falkertsee stehen Heidi, der Großvater und der Ziegenpeter mit Ziegen und Hund - alle aus Gips. Fehlt nur noch, dass sie auf Knopfdruck sprechen oder hüpfen. Das gibt es auch. Auf der Brunnbachhöhe oberhalb von St. Oswald hat man Rehe, Hasen und anderes Getier aus Plastik hingepflanzt, die auf Knopfdruck "reden" konnten - jetzt allerdings nicht mehr. Wahrscheinlich hatten sie es satt, immer dasselbe zu brummen.

Heilendes Heu. Also für Event und Spaß in den Bergen ist gesorgt. Aber auch die Romantiker, die meinen, die Natur habe keinen Aufputz nötig, weil die Natur schon Aufputz genug sei, kommen auf ihre Rechnung.

Für sie könnte der Tag so beginnen: Aufstehen, auf den Balkon raustreten, die Blumen in dem Gärtchen vor der Almhütte beschnuppern, das Panorama bewundern und dann per Telefon in der Rezeption ein Frühstück bestellen. Franziska oder Monika bringen auf einem Riesentablett alles, was man sich nur wünschen kann, und decken liebevoll den Tisch. Hat man sich mit Ei, hausgemachter Brombeermarmelade und Käse von der Alm satt gegessen, wartet Karl Steiner. Er führt die Wanderung von der Prießhütte ins Rosental zum Simmerleck. Auf diesem Meditationsweg, wie er sagt, gehe jeder sein Tempo und lausche in die absolute Stille. Tatsächlich: Nicht einmal der Wind rauscht. Das Hochtal ist berühmt für seine wundervollen Zirben, die sich mit poetischem Schwung gegen Wind und Wetter stemmen und ihre Wurzeln in einem silbergrauen Geflecht über den Boden ausbreiten. Gehen, gehen. Das Denken wird frei von jeder Alltagsbanalität. Hier oben, in zweitausend Metern Höhe, hat der Gruber Franz seine Wiesen, die er mit der Sense mäht, weil er Maschinen auf dem abschüssigen Hang nicht einsetzen kann. "Die Wiesen sind hier so steil, dass sogar Hühner Steigeisen anlegen müssen", meint er lachend. Aufgeben, ins Tal ziehen? - Nie und nimmer. Das Heu hier oben hat Heilqualitäten. Es hilft gegen Gelenksschmerzen und Migräne. Er verkauft es, in netten, kleinen Leinensäcken verpackt, an Hotels und Badebetriebe. "Ideen muss man haben und ein gutes Marketing. Dann kann man auch als Bergbauer gut leben", sagt er selbstbewusst.

Weniger gut geht es Georg Aschbacher, der mitten im Nationalpark Nockberge das "Karlbad" betreibt. Er erhitzt im Feuer Steine aus dem Bach - nur ganz spezielle, wie er sagt, und legt sie in mit Wasser gefüllte Lärchenholzwannen. Das auf 50 Grad erhitzte Wasser gibt die Kraft und Energie der Steine an den Badenden ab. Seit acht Generationen ist dieses Heilbad im Besitz der Familie. Nun droht das Aus. Die EU schreibt Hygienemaßnahmen vor, die der Naturschutz verbietet, weil das Bad unter Denkmalschutz steht. Schildbürger sterben eben nicht aus.

"Dass mir morgen keiner verschläft! Wir brechen um fünf Uhr Früh auf, um auf dem Falkert den Sonnenaufgang zu erleben", erinnert der nimmermüde Wanderer Karl Steiner. Gesagt, gewandert! Die Glieder sind noch steif, man schnauft durch die Morgendunkelheit den Berg hinauf. Immerhin geht´s auf 2300 Meter. Ganz schön kalt hier heroben, der Wind pfeift um das Gipfelkreuz und um die Ohren. Aber dann hält die Sonne, was Karl Steiner versprochen hat: Sie bestrahlt zuerst im zarten Lilarosa den Horizont und ganz langsam schickt sie ihr Licht auf die Spitzen der umliegenden Berge. Bis die Welt ringsum wie neu erschaffen aufleuchtet. Wer braucht da noch Event und Plastikviecher?

info

+++ALLGEMEINE INFORMATIONEN.

Bad Kleinkirchheimer Tourismus Marketing GmbH

Dorfstraße 30, 9546 Bad Kleinkirchheim, T: 04240/8212,

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2007-10-05 10:56:16
Letzte Änderung am 2007-10-04 11:13:00

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