Sie gehören zu uns wie Schnuller, Schaukeln und Eiscreme, sie sind oft eine der ersten Kindheitserinnerungen und kaum jemand in der westlichen Welt hätte sich nicht schon das Geld von Onkel Dagobert, die Pfiffigkeit von Tick, Trick und Track oder das Glück von Gustav Gans gewünscht. Kaum einer hat noch nie über den dümmlichen Goofy oder den naiven Gummihund Pluto gelächelt. Mit Micky erlebte man seine ersten Abenteuer, mit Donald entdeckte man Goldhelme, Schatztruhen und geheimnisvolle Inseln, mit Daisy lernte man die Koketterie kennen und mit Daniel Düsentrieb die Neugier des Erfinders.
Und so gibt es, trotz vieler Anfangsschwierigkeiten und schlechter Presse, auch Disneyland Paris noch immer. Mit all dem Plüsch, Kitsch und den unvermeidlichen Mickymaus-Ohren auf allem und jedem, auch auf Erwachsenen, Teen-agern und wehrlosen Babys. Seit 20 Jahren, die natürlich gefeiert werden wollen. Irgendwie hat man es geschafft, sich gesund zu dehnen, das Areal auszubauen, neue Attraktionen hinzustellen, Business-Parks, Shopping-Outlets und Business-Hotels anzulocken und damit die ziemlich düster aussehenden Besucherzahlen der ersten Jahre zu verbessern.

Wer nach Disneyland kommt, das in der Nebensaison und noch vor der groß angekündigten 20-Jahr-Feier, von Baustellen und noch geschlossenen Attraktionen eingeschränkt war, der möchte sich nicht vorstellen, welches Gedränge hier in den Ferien herrschen muss. Selbst in den "Fast Lanes", wo man sich um gutes Geld (60 Euro pro Tag und Besucher extra!) legal vorschwindeln kann - es gibt eben offenbar genug Familien mit viel, viel Geld.
Aber wie oft schwelgt man schon in dieser Kindheitsnostalgie, die offenbar viele Eltern an ihre Kinder weitergeben wollen. Noch dazu, wo doch Hotels der Umgebung durchaus gefällige Preise verlangen und sich total auf Kinder eingestellt haben - sogar mit Tür-Gucklöchern in Kinderhöhe in den Zimmertüren.

Abenteuer mit Mausohren
Dann nichts wie hinein ins Abenteuer. Aber dazu muss man sich erst einmal orientieren, wohin, und das ist gar nicht so einfach. Erstens gibt es zwei Parks, Disneyland mit dem berühmten Märchenschloss und daneben den Walt Disney Studios Park mit dem Wahrzeichen Wasserturm (mit Micky-Ohren). Dort trifft man eher die Figuren und Abenteuer der neueren Comic-Filme, wie Buzz Lightyear oder Monster AG, Nemo oder Lightning McQueen. Im Disneyland hingegen mit verschiedenen Arealen wie Frontierland, Adventureland, Fantasyland und Discoveryland, leben die traditionsreicheren Micky-Figuren, Feen und Prinzessinnen, Peter Pan und Alice im Wunderland. Aber auch da geht es nicht nur lieblich zu: Wer sich in das Space Mountain Mission 2 gewagt hat, stemmt sich selbst mit einiger Rollercoaster-Erfahrung etwas wacklig wieder aus dem Sitz. Dazu ein Tipp: Die verschiedenen Attraktionen sind auf dem Gratis-Lageplan nach "Fun Factor" gekennzeichnet ("Adrenalin pur", "ideales Familienabenteuer", "Spaß für die Kleinsten"). Das sollte man wirklich beachten. Vor Angst brüllende Kinder im Gruselaufzug des Tower of Terror oder verzweifelt schluchzende Kleinprinzessinnen beim Flammenspektakel im Inneren des Raumschiffes Armageddon merken wohl nicht viel vom "Fun Factor".
Seit dem 1. April gibt es jedenfalls noch mehr von allem in Disneyland Paris. Die 20-Jahr-Feier steht unter dem Titel "Magic", und zu diesem Thema gibt es noch mehr Umzüge durch Disneyland ("Disney Magic on Parade") mit allen Figuren zum Anfassen. Noch mehr Farben, Licht, Shows, Lokale und Shops. Noch mehr Zeit im Park: verlängerte Öffnungszeiten. Es gibt neue Wasserspiele vor dem Schloss und eine neue Lichtshow nach Anbruch der Dunkelheit. Micky, der Star, macht diesmal den Oberzauberer und lässt sich sogar "Backstage" beobachten, in seinem "Proberaum", wie er Tricks für seine imaginäre Bühnenshow vorbereitet.
Zwei Jahre hat man für die Planung gebraucht, das ganze Jahr über sollen neue Überraschungen und Spektakel beginnen, die dann auch nach dem Jubiläumsjahr noch mehr Besucher anziehen sollen: Immerhin hat man schon im November des Vorjahres den 250-millionsten Gast feiern und das Jahr 2011 mit einem Besucherrekord von 15,6 Millionen Besuchern abschließen können. Die übrigens von 15.000 Mitarbeitern vor und hinter den Kulissen betreut werden, welche unter anderem die 5000 neuen Kostüme, die jährlich gebraucht werden, schneidern, die 35.000 Bäume und 5400 Quadratmeter Blumenbeete pflegen und die pro Jahr verputzten drei Millionen Mahlzeiten oder Snacks vorbereiten und servieren. Dazu ein Tipp: Das neue "Earl of Sandwich", eine Sandwich-Bar in Disney Village, direkt am Lake Disney, gleich neben dem großen Fesselballon, hat wirklich ausgezeichnete Snacks und ist kaum teurer als McDonalds.
Die Zukunft von Disneyland Paris scheint jedenfalls gesichert. Ein wichtiger Grund ist sicher auch die gute Erreichbarkeit - hier wurde der drittgrößte Bahnhof Frankreichs gebaut, man braucht bloß eine gute halbe Stunde vom Pariser Zentrum hierher. Mit dem Auto (Shuttle) ist man vom Flughafen Charles de Gaulles ebenso schnell hier. Und man kann hier günstig wohnen, in neu erbauten Dörfern und in den sieben Resort-Hotels, durch Busse mit dem Disneyland verbunden, die Familien ein gutes "Hauptquartier" für Abenteuer bieten. Die sich übrigens nicht nur in Disneyland abspielen müssen: Es gibt Golfplätze, das riesige (gefährlich verführerische) Shopping Outlet La Vallée Village und, wie erwähnt, Paris vor der Türe. Vielleicht mit einem Abend im Lido auf den Champs-Elysees, mit nettem Abendessen, Champagner und um Mitternacht einem Blick auf den Eiffelturm, der dann mystisch zu glitzern beginnt.
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