• vom 05.05.2012, 08:00 Uhr

Reisen

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Versteckte Kleinode am Gardasee


Von Silvia Matras

  • Mag sein, dass dem Gardasee der Ruf des Massentourismus anhaftet. Aber es gibt selbst in der Hochsaison Momente und Orte, die den Charme des Sees und der Landschaft, die Goethe einst so bezauberte, ausstrahlen.

In dem nachtblauen Wasser zieht ein Schwan seine Kreise, und die Mondsichel steht über den Wipfeln der Zypressen. Nein, wir haben nicht von Rosamund Pilcher abgeschrieben, sondern spazieren durch einen Garten am Ufer des Sees. Bambusblätter rascheln leise, da und dort zirpt ein Vogel im Schlaf. Eine Unke hüpft über den Weg und sucht das Licht der Lampe. In dem milden Abendwind fliegen Düfte wie aus dem fernen Orient oder dem Amazonasdschungel herbei. Diese mystische Welt des Gartens eröffnet sich neu am frühen Morgen. Da leuchten die Farben der blauen Agapanthusblumen und der Seerosen aus dem Dickicht von Büschen und Bäumen, Rosen säumen die Wege, Palmen, Zedern, ein vierhundert Jahre alter Mammutbaum und Zypressen, die in den Himmel zu wachsen scheinen, spenden Schatten. Dieser Traumgarten gehört dem traditionsreichen "Hotel du Lac et du Parc" in Riva. Ein kluges Management hat verhindert, dass dieses Kleinod zugunsten von Zubauten geopfert wird. Denn sein Alter, seine Größe und die Vielfalt der Pflanzen und Bäume machen ihn zu einem ganz besonderen Juwel. Mitten in diesem gepflegten Urwald liegt das Restaurant "La Capannina", wo Simone Armani die Gäste mit seinen Kochkünsten verführt. Der "Tintenfisch al vapore" ist hauchzart und duftet verführerisch nach Knoblauch - ganz schön mutig der Koch -, die Tortellini mit Riesengarnelen sind üppig, aber leider mehr als gut. Der "Pecorino" ist kein Käse, sondern ein Weißwein aus den Abruzzen, aus dem das Aroma der Berge duftet. Eine "Baba" - Krapfen mit Rum - schickt uns leicht betrunken ins Bett.

Information

Anreise: Bitte das Auto zu Hause lassen! Eine kostengünstige Anreise bietet die ÖBB mit DB: 5x täglich Wien - Rovereto bzw. Wien - Verona ab 29 Euro. Das Angebot gilt ganzjährig.
Hotel-Tipp: Hotel du Lac et du Parc: 38066 Riva del Garda, www.dulacetduparc.com
Wegen seines wunderbaren Gartens, der zwei großen Pools und des äußerst freundlichen Personals ist dieses Hotel bei Familien mit Kindern besonders beliebt.
Sightseeing: Villa Vittoriale degli Italiani, Gardone: Ganzjährig geöffnet, am Montag ist das Wohnhaus geschlossen. www.vittoriale.it
Auskünfte: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT: Mariahilferstr. 1b/Top 16, Vienna@enit.it, www.enit.it,, www.italia.it

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Das süße Nichtstun

Den Zaubergarten zu verlassen, fällt nicht leicht. Aber die Neugierde treibt uns hinaus. Direkt vor der Gartentüre beginnt die Uferpromenade von Riva. Bereits am frühen Morgen lagern auf den Wiesen unter den Weiden die ersten Wasser- und Sonnenhungrigen.

Kinder schaufeln Sand und Kies zu Miniburgen, Jogger und Radfahrer demonstrieren Sportlichkeit, Pensionisten Gemütlichkeit. In Riva finden wir sie wieder - Eis schleckend oder Cappuccino schlürfend. Beide, Sportler und Pensionisten. Natürlich auch andere, wie zum Beispiel Vater mit Kind, Freund mit Freundin, Kapuzenjugendlicher mit Skateboard und manikürte Lady mit Kleinhund.

Die Habsburger haben der Stadt durch elegante Stadtpalais ihren Stempel aufgedrückt. Aber die Italiener haben dagegengehalten und die Fassaden gelb, rosa, blau und sogar lila gestrichen. Lila scheint überhaupt die Lieblingsfarbe in Riva zu sein. Lila Fahrräder, lila Blumen, lila Sessel in der Gelateria. Fehlt nur noch der lila Drink. Den gibt es - noch - nicht, dafür aber Drinks mit den verführerischen Namen "Sex on the Beach" oder "Mojito Fidel". Wenn die Uhr vom "Torre Apponale", dem Wahrzeichen der Stadt, auch noch so laut die Stunden schlägt, die Glücklichen zu ihren Füßen tangiert das nicht. Sie schlürfen Martini, Cola Cappuccino oder Caffè Tedesco bis lang nach Mitternacht.

Die Fahrt mit dem Schiff von Riva nach Malcesine hat viele Vorteile: Die Schiffe fahren pünktlichst ab im Gegensatz zu den Bussen, die entweder gar nicht oder mit so viel Verspätung kommen, dass man seine Tagesplanung vergessen kann. Man braucht sich auch nicht mit dem Auto durch die Tunnels quälen, wo in der Hochsaison immer Stau angesagt ist. Wir genießen die Fahrt in vollen Zügen: Das Schiff verlässt die von Felsen eingeschlossene Bucht von Riva und gibt langsam den Blick auf den sich öffnenden See frei. Jetzt erst bekommen wir eine Idee von der Tiefe und Größe des Sees. Surfer zischen über die Wellen, als wäre die Schwerkraft aufgehoben. In Limone, der ersten Station nach Riva, ahnt man, was der Tourismus aus einem ehemaligen Fischerdorf machen kann: Schmale, hohe und lang gestreckte Hotelbauten kleben an den Felswänden und bestimmen das Ortsbild.

Der Spion, der aus dem Norden kam

Die Burg der Skaliger in Malcesine.

Die Burg der Skaliger in Malcesine. Die Burg der Skaliger in Malcesine.

Wir setzen die Fahrt fort und nähern uns Malcesine am Ostufer. Über den mittelalterlichen Häusern und dem Hafen ragt die Burg der Skaliger beschützend auf. Dieser das Ortsbild beherrschende Bau begeisterte einst Goethe so sehr, dass er ihn zeichnete, was einen übereifrigen Bewohner misstrauisch machte. Die Folge: Goethe wurde als Spion festgenommen und verhört. Der Irrtum klärte sich bald auf, und Goethe wurde als VIP-Gast ins Hotel S. Marco eingeladen. Das Haus am Hafen ist übrigens heute noch ein beliebtes und sehr gepflegtes Hotel. Diesem etwas skurrilen Abenteuer des "Dichterfürsten" verdankt Malcesine seinen Bekanntheitsgrad. Allerdings interessieren sich nicht all zu viele Touristen für die Burg und das dort befindliche Goethemuseum. Die meisten bleiben lieber unten am Hafen, schlendern ein wenig durch die engen Gassen, um zu shoppen oder Eis zu schlecken. Wer sich allerdings auf den Weg hinauf zur Burg macht, der sollte an einem der hübschesten Plätze von Malcesine nicht vorbeigehen: "Il piccolo museo" heißt die kleine Bar in der Via Castello gleich beim Eingang zur Burg. Dass hier der Espresso gut ist und nur einen Euro kostet, sei nur so nebenbei erwähnt. Den nimmt man in einer sehr hübschen Tasse mit hinauf auf eine Terrasse, die am ganzen Gardasee ihresgleichen nicht hat: Auf einem schmalen Felsplateau sitzt man, umgeben von Palmen, Olivenbäumen, Zypressen, alten Säulenresten vielleicht noch aus der Zeit der Skaliger, Büsten und Kunstwerken und genießt einen intimen Blick in die Gassen von Malcesine. Die zweite Überraschung ist das "piccolo museo", das Roberto Moretti, der Besitzer der Bar, aus seinen eigenen Sammlungsbeständen eingerichtet hat. Gerne und voller Stolz führt er Gäste durch die alten Räume mit den Madonnenfiguren, Ikonen und den alten Möbeln, die zum Teil noch aus dem Mittelalter und der Renaissance stammen. Wir bleiben lange noch auf der Terrasse und genießen die Stille.

Am Fuße des "Torre Apponale", dem Wahrzeichen Rivas, lässt es sich hervorragend Kaffee oder Martini schlürfen.

Am Fuße des "Torre Apponale", dem Wahrzeichen Rivas, lässt es sich hervorragend Kaffee oder Martini schlürfen. Am Fuße des "Torre Apponale", dem Wahrzeichen Rivas, lässt es sich hervorragend Kaffee oder Martini schlürfen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-30 15:05:08
Letzte Änderung am 2012-05-03 16:11:04


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