Das ist jedem Wanderer schon einmal passiert: Plötzlich ist die Markierung futsch und niemand hat’s gemerkt. Erst wenn man im Dickicht steht oder bergab statt bergauf geht, steht fest: Wir haben uns verlaufen! Wer jetzt die Wanderkarte in der Hoffnung zückt, sich sofort wieder zurechtzufinden, wird oft enttäuscht. Jetzt hilft nur Ruhe bewahren und die exakte Orientierung vor Ort. Wer ein paar Faustregeln befolgt, wird seinen aktuellen Standpunkt in der Wanderkarte rasch wiederfinden:
Bestimmung der Geländeform: Am ehesten von menschlicher Veränderung verschont, lassen sich etwa Gräben, Rücken und Gipfel schnell bestimmen.
Ansprache von Bewuchs: Wo stehe ich gerade? In einer Ortschaft, im Wald, auf einer Wiese oder in felsigem Gelände? Der Bewuchs wird in der Karte in bestimmten Farben dargestellt.
Markante Punkte und Linien erkennen: Zumeist Merkmale aus Menschenhand, wie Gebäude, Wegweiser, Weg- und Straßenverläufe, Seilbahntrassen oder Kirchtürme.
Bestimmung des Wegverlaufs: Wo komme ich her, wo gehe ich hin? Wer sich nicht verirren will, sollte die bisherige Route (absolvierte Kurven, Abzweigungen, Bachquerungen, Wegneigungen etc.) stets im Kopf haben.
Ständiger Zeitvergleich: Bei jeder Standortbestimmung ist zu hinterfragen, welche Strecke und wie viele Höhenmeter seit dem letzten Halt zurückgelegt wurden.
Erst jetzt macht ein Vergleich des Geländes mit dem Kartenbild Sinn. Anhand der genannten Beobachtungen lässt sich in Verbindung mit Kartenzeichen (siehe Legende auf jeder Wanderkarte) die aktuelle Position meist punktgenau bestimmen und die Karte richtig "einnorden". Das funktioniert mit ein wenig Übung auch ohne technische Hilfsmittel wie Kompass, Höhenmesser oder GPS. Übrigens: Wenn nicht anders angegeben, zeigt der obere Rand der Karte immer nach Norden.
Sollte die Standortbestimmung dennoch scheitern, bleibt dem Wanderer nur eine Wahl: Zurück zum letzten bekannten Ausgangspunkt!
Artikel erschienen am 6. Juli 2012 in "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 21
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