• vom 15.07.2012, 14:00 Uhr

Reisen

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Reise am blauen Band


Von Barbara Sorge

  • Die Donau entlang von Budapest nach Belgrad zu radeln ist ein ungewöhnlicher Weg, unbekannte Gegenden Europas kennenzulernen.

Die Donau in Serbien. - © Serbia Tourism / Bosnic

Die Donau in Serbien. © Serbia Tourism / Bosnic

Zugegeben: Blau ist sie selten, die Donau. Auch auf der Strecke zwischen Budapest und Belgrad schimmert der zweitlängste Strom Europas in verschiedenen Grün-, Braun- und Grau-Tönen. Auch ist er unterschiedlich schnell, zeigt sich einmal - in einem Seitenarm - von der gemächlichen Seite, dann wieder hat er es eiliger. Vor allem in den Städten, wie es scheint.

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Mit dem Rad kann man da nicht mithalten. Muss man auch nicht, gibt es doch an den Ufern idyllische Plätze und geschichtsträchtige Orte zu erkunden. So ist das Faszinierende auf dieser Reise weniger der Strom selbst als vielmehr die Orte, durch die einen die Route führt, die Grenzen, die man passiert, sowie die jüngere und auch die schon länger vergangene Geschichte dieses Teils Europas. Immerhin kommt der Radler auf dem Weg von Budapest nach Belgrad durch drei Länder. Zwei Mal - zwischen Ungarn und Kroatien sowie zwischen Kroatien und Serbien - müssen Grenzkontrollen überwunden werden. Ungewohnt im oft schon grenzenlos scheinenden Europa.

Auf dem Donauradweg: Nicht immer ist die Donau vom Rad aus zu sehen.

Auf dem Donauradweg: Nicht immer ist die Donau vom Rad aus zu sehen.© PR Plus Auf dem Donauradweg: Nicht immer ist die Donau vom Rad aus zu sehen.© PR Plus

Und so ist es doch wieder die Donau, die fasziniert: Zehn Anrainerstaaten durchfließt der 2845 Kilometer lange Strom (Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Rumänien auf beiden Ufern; Kroatien, Bulgarien, Moldawien und Ukraine auf einem Ufer) - 1071 Kilometer (37 Prozent) sind Staatsgrenzen. Auch zwischen Kroatien und Serbien bildet die Donau streckenweise eine natürliche Grenze.

Der Radweg von Budapest nach Belgrad ist in diesem Abschnitt dank EU-Förderungen zu 40 Prozent ausgebaut. Im Gegensatz zu den beliebten und viel befahrenen Strecken zwischen Passau und Wien und immer mehr auch zwischen Wien und Budapest ist dieser Teil aber noch ein Geheimtipp - besser gesagt: Abenteuer. Fährt man doch oft auf Straßen, die auch von (mal mehr, mal weniger) Autos frequentiert werden, deren Lenker über Radfahrer auf der Strecke (noch?) einigermaßen überrascht sind.

DEM PAPRIKA ENTGEGEN

Südlich von Budapest beginnt die etwa 50 Kilometer lange Csepel-Insel, die durch zwei Donau-Arme gebildet wird. Der linke Flusslauf, die Kleine Donau, ist von der Großen Donau durch Schleusen abgetrennt. So wird die Kleine Donau zu einem stehenden Gewässer. Ein interessanter Ort auf dieser Insel ist Ráckeve, rund 45 Kilometer südlich von Budapest. Hier befindet sich ein Barockschloss, das Prinz Eugen von Savoyen zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Lukas von Hildebrandt bauen ließ. Heute ist das Schloss ein Hotel und Kongresszentrum. Nach Ráckeve führt die Strecke weiter entlang der Kleinen Donau. Die Straße ist zwar etwas un-

eben, die Idylle, die sich rechts des Weges erstreckt, entschädigt aber für den löchrigen und holprigen Belag.

Am Ende der Donauinsel bei der Gemeinde Tass geht der Weg auf einem Damm weiter. Hier macht sich bereits die Ebene bemerkbar - Felder und Wiesen, soweit das Auge reicht. Immer wieder lockern aber interessante Orte den Weg auf, unterbrechen das "Kilometerfressen", das so eine Radltour auch mit sich bringt.

Da ist zum Beispiel Kalocsa, eine der beiden Paprika-Hochburgen in der südlichen Tiefebene Ungarns. Anfang des 20. Jahrhunderts löste die Stadt Szeged als Zentrum der ungarischen Paprika-Industrie ab, seit den 1920er Jahren hat der edelsüße Paprika von hier aus die Welt erobert. Kalocsa ist außerdem eine der ältesten Städte Ungarns. Besonders stolz ist man hier darauf, seit 1002 - also bereits knapp nach der Gründung des ungarischen Königreichs 1001 - ein Bistum zu sein. Zum ersten Bischof wurde damals Astrik ernannt, der zuvor die königlichen Insignien für den ersten König Ungarns, Stephan I., von Papst Sylvester II. aus Rom gebracht hatte. Daher sollte man auf jeden Fall dem Dreifaltigkeitsplatz im historischen Zentrum der Stadt einen Besuch abstatten. Er stellte den höchsten Punkt der Stadt dar, der somit vor Überflutungen sicher war und um den herum wichtige Gebäude wie die Kathedrale und das erzbischöfliche Palais angesiedelt wurden. Heute befindet sich dort auch das informative, wenn auch kommerzielle, Paprika-Museum. Die Kathedrale, die derzeit wegen dringend notweniger Renovierungsarbeiten geschlossen ist, ist bereits die vierte Kirche an diesem Platz. Auf der Orgel in ihrem Inneren spielte Franz Liszt des Öfteren. Das erzbischöfliche Palais neben der Kirche beherbergt eine beeindruckende Bibliothek: Die 160.000 Bücher wurden zwischen 1776 und 1778 von den Wiener Buchbindern Wenzel-Werner mit einheitlichen Einbänden versehen. Zu sehen gibt es hier auch eine Handschrift Martin Luthers.

Kalocsa ist aber nicht nur wegen der historischen Bedeutung oder seiner Größe als Paprika-Metropole bekannt, sondern auch wegen der Stickereien, die in Form von Blumen- und Paprikamotiven Blusen, Röcke und Kleider zieren.

DURCH DIE SÜDLICHE TIEFEBENE NACH KROATIEN

Weiter führt der Weg mit dem Rad durch die Fußgängerzone und einen Teil des modernen Kalocsa, bis man wieder auf den Damm gelangt. Dieser ist nun für eine sehr lange Zeit die Grundlage für das Vorankommen. Das kann schon etwas langweilig werden, ist doch rechts die Donau teilweise nur zu vermuten, denn zwischen ihr und dem unbefestigten Radweg breitet sich der Nemzeti-Nationalpark aus. Linker Hand erstreckt sich die Ebene, so weit das Auge reicht. Nicht umsonst heißt "Puszta" sinngemäß schließlich nicht nur "Weideland", sondern auch "Ödnis".



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Dokument erstellt am 2012-07-12 15:44:11


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