• vom 27.07.2012, 14:00 Uhr

Reisen

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Von alten Seefahrern und künstlerischen Kleinoden


Von Adrian Lobe

  • Dublin ist ein beliebtes Ziel für Städtereisen. Doch die Stadt hat mehr zu bieten als die bekannten Sehenswürdigkeiten wie Trinity College oder St. Patrick’s Cathedral. Ein Streifzug durch die eher unbekannten Plätze in Dublin und Umgebung.

Spaziergang in Dublin. - © Tupungato - Fotolia

Spaziergang in Dublin. © Tupungato - Fotolia

Eine leichte Brise weht über den Hafen, Möwen kreisen über den Klippen, das Meer brandet sanft ans Ufer. Hoath ist ein verträumtes Fischerdorf an der Ostküste von Irland, eine halbe Autostunde von Dublin gelegen. Am späten Vormittag wandeln schlaftrunkene Passanten über die Küstenstraße, ein paar Fischer sitzen auf den Stühlen der Straßenrestaurants und rühren in ihrem Tee. Es ist, als warteten sie auf bessere Zeiten.

Die Wirtschaftskrise macht auch vor Hoath nicht Halt. Zwei Männer fertigen in einer Werkstatt Netze für Fischerboote. Naht für Naht werden die Netze zurechtgestutzt, eine Sisyphosarbeit. "Früher haben wir noch zwei Netze im Jahr verkauft, jetzt ist es gerade einmal eines in 16 Monaten." Für ein kleines Fischernetz bekomme er 2000 bis 3000 Euro, ein großes brächte bis zu 6000 Euro ein. Doch weil die Fischerboote immer weniger in See stechen, brauchen sie auch nicht so oft neues Material. Doch der Mann mit den zupackenden Händen gibt nicht auf. Irgendwie wird es schon aufwärts gehen.

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Hoath verströmt eine Heile-Welt-Romantik. Manche Gebäude haben gar etwas Kulissenhaftes. An den Mauern der alten Seefahrerspelunken prangen Piratenzeichnungen, das "Seafood Bar Restaurant" ist in altem Kolonialstil hergerichtet. Das Dorf umgibt ein Hauch von Nostalgie. Weiß getünchte Häuser schmiegen sich an die Hügel, Schäfchenwolken schieben sich über den Himmel. Auf einem Wanderweg kann man die die steilen Klippen erklimmen. Dort oben, in gut 100 Metern Höhe, scheinen die schlechten Wirtschaftsnachrichten wie weggeblasen. Frische Meeresluft braust über die Anhöhe, es ist kühl. Und die Aussicht ist atemberaubend: Die "Irish Sea" schiebt sich wie ein blauer Teppich über den Horizont, die Felsvorsprünge sind mit Flechten und Moosen bedeckt. "Die Farben sind so intensiv", sagt Natasha, eine australische Jura-Studentin, und blickt ungläubig auf ihren Fotoapparat. "Das bekommt man ja nicht einmal mit Photoshop so hin." Die 23-Jährige, die in Kopenhagen ein Auslandsjahr absolviert, hat schon viel von der Welt gesehen. Geysire in Island, High Lands in England, Strände in Sydney. Aber das? Unbelievable! Die Flora ist einzigartig. Dank des milden Klimas gedeihen an der Ostküste allerlei Pflanzen. Sogar Palmen. Wenn man sie am Wegesrand sieht, meint man, irgendwo am Mittelmeer gelandet zu sein. Erst beim Anblick der pittoresken Klinkerhäuschen wird man gewahr, in Irland zu sein. Die Eingangstür liegt auf dem Bürgersteig, der Briefkastenschlitz auf Augenhöhe, die Namenschilder künden von gälischer Herkunft.

"Failte", sagt ein honoriger Herr in der alten keltischen Sprache, was so viel heißt wie: "Herzlich willkommen". "How do you do?" Die junge Australierin mokiert sich über den irischen Akzent, der für sie ein wenig hinterwäldlerisch daherkommt. Doch er mache die Bewohner sympathisch. Die Iren sind ein erdiger Menschenschlag, verlieren nur schwer die Bodenhaftung. "Wissen Sie", sagt der alte Mann mit der Anglermütze, "unser Dorf lebt schon seit jeher vom Fischfang. Da denkt man gar nicht groß nach. Das ist eine Berufung." Der Fischfang sei zwar zurückgegangen, doch man fische immer noch reichlich Garnelen, Hecht und Lachs. Und der wird dann auch gleich frisch zubereitet und in einem der Sea-Food-Restaurants serviert.

Nach dem Mittagessen geht es mit der Dart-Bahn zurück nach Dublin. Der Zug, der wie eine alte Modelleisenbahn anmutet, zuckelt über die Trasse, passiert Rugbyfelder und putzige Backsteinhäuser. Dublin ist keine mondäne City - es hat sich einen sympathischen Vorstadtcharme bewahrt.

Ein paar ältere Damen führen am Canal ihren Hund spazieren, die Frau am Sussex Restaurant poliert das goldene Türschild, Geschäftsleute nippen gelassen an ihrem Coffee to go. Eilig hat man es nur, wenn man am Termingeschäft der Banken mitwirkt. Aber nach der Finanzkrise ist diese Spezies ohnehin überschaubar geworden. Am Dartmouth Walk am Canal werden Imbissbuden aufgestellt. Ein junger Mann mit Parka und Vollbart lehnt gemütlich über einem Seafood-Schild. Es hat den Anschein, als wäre er nicht böse, wenn heute nichts mehr verkauft würde. Irgendwie nimmt alles schon seinen Gang. Anything goes auf die irische Art.

Sein südafrikanischer Kollege ist da anders eingestellt. Emsig rückt er die Stangen seines Standes zurecht und nestelt an der Zeltplane. Der Mann mit dem Holzfällerhemd und den breiten Schultern bereitet an seinem Stand Schnitzel zu. "Das kommt aus Österreich", weiß der Weltenbummler und preist sogleich die kulinarischen Spezialitäten seiner Nachbarn. "Spanisch, Indisch, Irisch Thai - wir haben hier alles."

Dublin ist international. Das merkt man auch, wenn man durch die Grafton Street läuft, die Flaniermeile im Herzen der Stadt. US-Amerikaner genießen im Bewley’s ihren "Americano", giggelnde Mädchen aus Asien machen Fotos, junge Französinnen unterhalten sich lautstark über die neueste Kleidermode. Spätestens im Starbucks Coffee vernimmt man Sprachen aus aller Herren Länder. Die internationalen Ketten gibt es mittlerweile auch in Dublin - leider muss man fast schon sagen, denn Irland blickt auf eine lange Tradition von Pubs zurück.

Und dann zur Erholung ins Pub: (von oben nach unten): Auld Dubliner Pub; Temple Bar außen; Temple Bar innen.

Und dann zur Erholung ins Pub: (von oben nach unten): Auld Dubliner Pub; Temple Bar außen; Temple Bar innen.© © Peter Zoeller/Design Pics/Corbis Und dann zur Erholung ins Pub: (von oben nach unten): Auld Dubliner Pub; Temple Bar außen; Temple Bar innen.© © Peter Zoeller/Design Pics/Corbis




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-24 14:41:30
Letzte Änderung am 2012-07-26 15:44:17


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