• vom 04.08.2012, 10:30 Uhr

Reisen

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Mallorcas kleine, feine Schwester


Von Rainer Mayerhofer

  • Menorca ist vielseitig - Wanderer, Genießer oder Badeurlauber werden alle gleichermaßen gut bedient.

 - © Massimo Ripani/SOPA/Corbis / Massimo Ripani

© Massimo Ripani/SOPA/Corbis / Massimo Ripani

Minor, "Die Kleine", nannten die Römer, die 123 vor Christus die balearischen Inseln von den Karthagern eroberten, die Nachbarinsel Mallorcas, der römischen "insula maior". Im Lauf der Jahrhunderte - nach den Römern kamen die Vandalen, die Mauren, Spanier, Briten und Franzosen, die alle ihre Spuren hinterließen - wurde Menorca daraus. Knapp 700 Quadratkilometer umfasst die nördlichste und östlichste Insel der Balearen, ein knappes Fünftel der größeren Schwester und rund 120 Quadratkilometer mehr als das südwestlich gelegene Ibiza. Menorca verfügt aber über rund 51 Prozent aller Strände der vier balearischen Inseln, mehr als Mallorca, Ibiza und Formentera zusammengenommen. Das hat uns zumindest unser hervorragender Tour-Guide mit dem schönen Namen Ralf Freiheit erzählt. Da die Buchten aber meistens klein und verträumt sind, liegt die Gesamtlänge der menorquinischen Strände gemessen an den balearischen so um die 15 Prozent.

Meist zwischen steil abfallende Felsen eingebettet, bieten die Buchten im Süden der Insel herrliche weiße Sandstrände und sauberstes Wasser. Der längste Sandstrand ist der von Son Bou, etwa in der Mitte der Südküste Menorcas, zwischen der als Strand schönen Cala en Porter, die aber leider durch die Bausünden der Siebzigerjahre in Mitleidenschaft gezogen ist, und der schönen Cala Galdana. In dieser Bucht stehen zwar auch drei größere Hotels - darunter das recht hübsche Hotel Audax, das über einen Spa-Bereich mit Sauna, Whirlpools und einen großen Außenpool verfügt. Von der Cala Galdana erreicht man auf dem Camì de Cavalls, dem die ganze Insel umlaufenden Wanderweg, die völlig naturbelassenen Nachbarbuchten Cala Macarella und Cala Macarelleta, wenn man Richtung Westen geht, und Cala Mitjana und Cala Mitjaneta in Richtung Osten. Zugegeben, ein bisschen wandern muss man schon, man wird aber auf dem Weg mit überirdisch schönen Ausblicken belohnt. Und wer die Insel nicht zu Fuß, per Pferd oder Mountainbike umwandern will, kann das auch im Kanu tun.

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Der Weitwanderweg Camì de Cavalls mit einer Länge von knapp 190 Kilometern ist allerdings schon allein ein Grund für einen Besuch auf Menorca. Ein hervorragend gestalteter auf Menorca erhältlicher Führer von Sergi Lara schlägt 20 Etappen vor, die in zehn Tagen zu bewältigen sind. Die Agentur RutasMenorca.com (E-mail: rutasmenorca@gmail.com) unseres Tour-Guides Ralf stellt Tagestouren für Kleingruppen mit Abholung vom Hotel zu einem Preis von rund 45 Euro pro Person zusammen. Unser Weg führte uns im Norden der Insel von der Platja de Binimel-là durch ein kleines Feuchtgebiet über einen beeindruckenden Felsweg zur Cala Pregonda. Wie bestellt kreuzte eine Gruppe hoch zu Ross unseren Weg. Dunkelrotes, graues und gelbes Gestein, an das sich die vom hier oft wehenden Wind geformte Strauchlandschaft schmiegt, geben dem Norden, der von Seglern und Surfern bevorzugt wird, sein Gepräge. Der dunkelgelbe Sandstrand der Cala Pregonda mit einer vorgelagerten Felsinsel und seinem azurblauen Wasser ist das Postkartenmotiv schlechthin.

Marina und Rathaus von Ciutadella.

Marina und Rathaus von Ciutadella.© Philippe Renault/Hemis/Corbis / Philippe Renault Marina und Rathaus von Ciutadella.© Philippe Renault/Hemis/Corbis / Philippe Renault

Der Camì de Cavalls, der ab dem 14. Jahrhundert als Streifenweg zur Überwachung der gesamten Küste errichtet wurde und im 17. Jahrhundert schriftlich als Strecke um die gesamte Insel erwähnt wurde, diente aber nicht nur militärischen Zwecken. Obwohl der Weg fast immer private Grundstücke durchquerte, hatten alle Inselbewohner immer freies Durchgangsrecht. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen einige Grundbesitzer auf verschiedenen Abschnitten den Weg zu sperren, der nicht mehr benutzt wurde und damit verwahrloste. Erst nach dem Tod Francos in den Achtzigerjahren forderten die Menorquiner das Wegerecht zurück und es wurden erste Gesetze erlassen, den Camì de Cavalls wieder für alle freizugeben. Der neue Raumordnungsplan aus dem Jahr 2003 und das Autonomiestatut für die Balearischen Inseln des Jahres 2007 sind die Grundlagen für die Freigabe des historischen Weges. Ende 2009 schloss das technische Team des Inselrates von Menorca die erste Implementierungsphase ab, um den Camì de Cavalls zum Weitwanderweg zu machen. Seither können Wanderer, Reiter und Mountainbiker den Weg wieder ungehindert benutzen.

Die besten Zeiten für ausgedehnte Wanderungen auf Menorca sind April bis Juni und dann wieder ab Mitte September, wenn die Sommerhitze vorüber ist.

Dass Menorcas Natur weitgehend intakt ist, hat vor allem politische Gründe. Bis zuletzt leistete die Insel den aufständischen Franco-Truppen im Bürgerkrieg Widerstand und die Menorquiner waren dann unter dem Franco-Regime jahrelang benachteiligt. Während in Mallorca und Ibiza die touristischen Großanlagen entstanden, die schwere Eingriffe in die Natur bedeuteten, blieb Menorca lange unberücksichtigt. Erst in den frühen Siebzigerjahren entstanden die ersten Touristendörfer, unter anderem in der Nachbarschaft des heutigen Naturparks S’Albufera des Grau, wo auch der erste - inzwischen stillgelegte - Golfplatz der Insel entstand. Die damals in der Gegend entstandenen Bauten sollen in den nächsten 50 Jahren stufenweise wieder beseitigt werden. Die Vernachlässigung der Insel während der Franco-Diktatur wird so langfristig zum Segen.

Das idyllische Dorf Binibequer Vell an der Küste Menorcas.

Das idyllische Dorf Binibequer Vell an der Küste Menorcas.© Douglas Pearson/Corbis / Douglas Pearson Das idyllische Dorf Binibequer Vell an der Küste Menorcas.© Douglas Pearson/Corbis / Douglas Pearson

Die Cova d’en Xoroi ist das wohl spektakulärste Lokal Menorcas - am späten Nachmittag zum Chillen, am Abend dann Discothek.

Die Cova d’en Xoroi ist das wohl spektakulärste Lokal Menorcas - am späten Nachmittag zum Chillen, am Abend dann Discothek.© Mayerhofer Die Cova d’en Xoroi ist das wohl spektakulärste Lokal Menorcas - am späten Nachmittag zum Chillen, am Abend dann Discothek.© Mayerhofer




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Wiener Journal, Tourismus, Menorca

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-31 13:21:51
Letzte Änderung am 2012-08-02 17:30:26


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