• vom 04.08.2012, 15:00 Uhr

Reisen

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Freiwillig zu Fuß


Von Anita Ericson

  • Statt karierter Hemden mit Knickerbockerhosen tragen sie in Erdtönen gehaltene Funktionskleidung. Ansonsten machen Trekker das Gleiche wie ihre wandernden Vorfahren: Sie ziehen zu Fuß los.

 - © Schladming-Dachstein / Tom Lamm

© Schladming-Dachstein / Tom Lamm

Wandern ist als Begriff ein klein wenig aus der Mode geraten, nicht aber als Freizeitbeschäftigung an sich. Kein Wunder: zu Fuß durch Berg und Tal ist die ureigenste Bewegungsform von uns Menschen. Ist man mehr als einen Tag unterwegs, spricht man heutzutage freilich lieber von Trekking als von Wandern. Doch egal wie man es bezeichnet, zu Fuß gehen macht fit. Wandern ist um nichts weniger sportlich als Laufen, bloß deutlich gesünder. Wer beispielsweise in gebirgigem Gelände bei wechselnder Wegequalität und normaler Gepäcksbelastung eine Strecke von 30 Kilometer zurücklegt, betreibt in etwa denselben Energieaufwand wie ein Marathonläufer auf ebener Strecke. Nur dass der Wanderer sich nicht annähernd so verausgabt wie der Läufer. Außerdem produziert der Körper auf langen Touren nachgewiesenermaßen gute Laune. Sparen Sie sich also Wellnesstempel und Fitnessstudio gleichermaßen und schultern Sie den Rucksack - wir präsentieren Ihnen fünf ausgewählte Trekkingrouten in Österreich.

Eine für moderne Verhältnisse perfekte Trekkingtour ist der Dachsteinrundwanderweg: Er führt als Rundtour wieder zum Ausgangspunkt zurück, ist mit acht Etappen kurzurlaubstauglich und zudem als Package mit Gepäcktransport buchbar. Das soll seinen Wert allerdings nicht schmälern, denn die Tour geht ordentlich in die Beine und bietet eine unglaubliche Vielfalt in einer gelungenen Kombination aus hochalpinen Bergwelten, sanften Almen, idyllischen Seen und kulturellen Highlights. Uralte Saum- und Schmuggelpfade sind das Fundament der relativ neu zusammengestellten Dachsteinrunde, die kaum eine Perspektive auslässt.

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Man startet am Gosausee entgegen dem Uhrzeigersinn und wandert zunächst am Fuße des bizarren Gosaukamms und weiter entlang der atemberaubend aufragenden Südwände bis in die Ramsau. Dort geht es dann ans Eingemachte: Nach der Auffahrt mit der Seilbahn (alternativ: Aufstieg über einen versicherten Steig) steht die Gletscherquerung sowie die Durchschreitung der Hochfläche am Stein an, die die gesamte Ostflanke des Bergs einnimmt. Diese Karstlandschaft ist mit ihren unzähligen Buckeln, Mulden, Karen, Latschenfeldern, Zirben- und Lärchenwäldern wie von einer anderen Welt. Von den einst an die hundert Almen hier heroben sind heute nur mehr wenige bewirtschaftet, eine allerdings von einem bekannten Senn: Literat Bodo Hell hütet seit mehreren Jahrzehnten auf der Grafenbergalm im Sommer die Ziegen. Das ist der letzte Rest einer Tradition, die wahrscheinlich schon in der Bronzezeit begann. Nach zwei Tagen Bergeinsamkeit kommt man schließlich im Ausseer Land an, wo die Bergwanderung mit den Stationen Bad Aussee, Hallstatt und Bad Goisern kurzerhand zum Kulturtrek wird. Am letzten Tag geht es dann über die Goiserer Hütte wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Weniger kompakt ist der Tiroler Adlerweg, der Bergerfahrung voraussetzt. Er besteht aus einer Hauptroute und mehreren Zweigen, die Tirols Seitentäler sowie Osttirol erschließen. In Summe sind auf 126 Etappen 1480 Kilometer respektive 87.000 Höhenmeter zurückzulegen, alleine für die Hauptroute sind 23 Tage zu veranschlagen. Sie führt von St. Johann in Tirol nach St. Anton am Arlberg und streift dabei Wilden Kaiser, Brandenberger Alpen, Rofan- und Karwendelgebirge sowie Lechtaler Alpen. Der Weg ist relativ neu konzipiert und daher bestens beschildert und dokumentiert. Rund zwei Drittel der Etappen sind als mittelschwere Bergwanderung ausgewiesen, mit oft kurzen und steilen, aber versicherten Geh- und Kletterpassagen. Das restliche Drittel teilt sich auf in leichte Wanderwege und schwere Routen, für die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vonnöten sind.



Ausgehend von der Hauptroute sind darüber hinaus Regionalrouten angelegt, die in Tirols schönste Seitentäler führen. Das komplette Wegenetz ergibt "von oben gesehen in etwa die Form einer stilisierten Silhouette eines Adlers, der mit weit ausgebreiteten Schwingen in den Lüften schwebt". Das erklärt den Namen Adlerweg, viel schöner ist allerdings die Interpretation, dass man unterwegs in den Bergen Tirols durchaus auf Adlersichtungen hoffen darf.

Das Salzburger Land ist das almenreichste Bundesland, rund 550 Hütten sind hier für den wandernden Gast geöffnet. So hat man den Salzburger Weitwanderweg auch als Almenweg angelegt, der als Rundkurs auf 350 Kilometer durch die Pongauer Bergwelt zu über 120 Almen führt. Das macht im Schnitt alle drei Kilometer eine Alm, oder 3,8 Almen am Tag, wenn man sich an die vorgeschlagene Einteilung von 31 Etappen hält. Auf den Hütten wird man zwischen Mitte Juni und Mitte September mit herzhaften Almspezialitäten verwöhnt - Milch, Käse, Butter, Topfen, Joghurt, hausgemachtes Brot, Speck oder ein Schnapserl aus Wildfrüchten - in rund 40 davon findet man außerdem Quartier. Bunte Wiesen und dichte Wälder, romantische Bergseen und Wasserfälle sind die unmittelbaren Begleiter bei dieser Alm-Trekkingtour, die in weitem Bogen um St. Johann im Pongau führt.

Der Einstieg in den Weg ist von jedem der 25 Orte des Pongau aus möglich, einige der Hütten sind auch mit dem Wandertaxi erreichbar - dadurch können Touren in nahezu beliebiger Länge zusammengestellt werden. Die meisten Etappen sind moderat konzipiert, nur selten gibt es mehr als 1000 Höhenmeter zu überwinden; wer höher hinaus will, legt einen Seitensprung auf einen Gipfel ein, etwa ab dem Arthurhaus hinauf zum Hochkönig. Der Almenweg selbst bleibt zu 90 Prozent auf Seehöhen zwischen 1000 und 2000 Meter, was der Gesundheit besonders zuträglich ist: Der Körper bildet junge, rote Blutkörperchen, was den Sauerstofftransport an die Zellen verbessert. Dieser Effekt ergibt sich rein durch die Höhe, wenn man sich dazu noch wohldosiert bewegt, ist eine deutliche Leistungssteigerung zu bemerken, die wieder retour im Tal noch über Wochen anhält.

Auf dem Alpe Adria Trail: Blick auf den Millstätter See, Kärnten

Auf dem Alpe Adria Trail: Blick auf den Millstätter See, Kärnten© Daniel Zupanc / Kaernten Werbung / Daniel Zupanc Auf dem Alpe Adria Trail: Blick auf den Millstätter See, Kärnten© Daniel Zupanc / Kaernten Werbung / Daniel Zupanc




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-31 16:14:09
Letzte Änderung am 2012-08-02 17:22:36


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