Das Kloster Iperagias Theotókou Atróu blickt einsam aus 600 Meter Höhe auf den kleinen Hafen Poros. Die Wanderung lohnt wegen der Aussicht und dem gastfreundlichen Mönch Dionisios, so steht es im Reiseführer, und er würde schon morgens Ouzo zu den Süßigkeiten kredenzen. Nomen est Omen. Am 8. September aber ist er wohl vollkommen in seinem Element, denn er richtet ein Festmahl aus für zahlreiche Besucher, die mit ihm Mariä Geburt feiern. Zu Tzaziki und Lamm-Eintopf fließt Wein in Strömen. Es sind meist einfache Menschen, die es sich da so richtig gut gehen lassen. Und als einziger Tourist werde ich ganz unkompliziert zu diesem Schmaus geladen.
Weite Teile im Osten der Insel sind unberührte Natur und in manch kleine Bucht verirrt sich kaum ein Mensch. Selbst die hübschen Strände und Tavernen von Poros sind nicht gerade überlaufen. Einzig eine gut ausgebaute Straße nach Sami quert die Bergwildnis nach Norden. Dichte Wälder der endemischen Kefalonia Tanne und malerische Zypressen stehen an den Hängen des 1600 Meter hohen Enos. Vor erst zwanzig Jahren wurde zu seinen Füßen ein bedeutendes mykenisches Kuppelgrab entdeckt. Noch lassen Größe, Alter und Grabbeigaben eine Identifikation nicht zu, doch der hier zur Ruhe Gebettete war zweifellos ein König, vielleicht Odysseus selbst. Denn seit der Fund von Troja die Genauigkeit geo-grafischer Angaben von Homer bestätigte, ist das heutige Ithaka als Heimat des Helden nicht mehr wahrscheinlich. Wie lange muss Geschehen zurückliegen, um Geschichte zu werden?
Auf Kefalonia stehen zig Statuen uns unbekannter Männer aus dem 19. Jahrhundert, Anwälte, Geschäftsleute oder Verleger, die als Freiheitshelden gegen die Osmanische, dann gegen die Britische Besatzung und für die Zugehörigkeit der Ionischen Inseln zum Königreich Griechenland votierten. Viele bezahlten mit ihrem Leben. Andreas Laskaratos erntete Gefängnis und Kirchenbann für seine satyrische Zeitschrift "Die Leuchte". Es mag Zufall sein, dass Karl Kraus später sein Medium "Die Fackel" nannte, gekannt hat er Laskaratos jedenfalls. Im 2. Weltkrieg erschossen am 21. September 1943 deutsche Truppen auf Kefalonia 5200 Menschen, die sich bereits ergeben hatten. Zehn Jahre später zerstörte ein Erdbeben die Insel fast vollständig und hunderttausend Menschen, vier Fünftel der Einwohner, wanderten aus. Auf der Suche nach Ruinen treffe ich Giorgios, einen rüstigen alten Bauern samt Esel, der das Beben noch erlebt hat. Ich darf ihn fotografieren, doch er meint, ich solle doch lieber die jungen Olivenbäume, die er gepflanzt hat, fotografieren.
Einige der ältesten stehen bei der Akropolis über der Bucht von Sami. Sie sehen aus, als stünden sie dort seit dem Anfang der Zeit. Genauer will es kein Glücklicher wissen. Dann tauchen Reste einer zyklopischen Mauer auf. Das Tor führt auf das Plateau der verschwundenen antiken Festung. Vor den Füßen liegt die Meeresstraße von Ithaka und die berühmte Insel. Nichts ist sonst zu sehen als attisches Blau, in Dunst gehüllt, nichts zu hören als das Bimmeln vereinzelter Ziegenglöckchen und der monotone Gesang von Zikaden. Bei völliger Windstille streicht der sonnenwarme Duft von Zypressen, Thymian und trockenem Gras vom Hang herauf.
Im Rücken des dicht bewaldeten Hügels liegt die Antisamos Bucht und das Lob der blauen Flagge wird dem kilometerlangen Strand und kristallklarem Wasser nur unzureichend gerecht. Während Sami ansonsten in keiner Richtung auffällt, säumen weiße, flach abfallende Sandstrände auch die gleichnamige Bucht, gerade groß genug für eine Familie mit Kindern. Von Aghia Efimia sind sie mit dem Fahrrad leicht zu erreichen, ebenso wie der sagenhafte Mýrtos Beach. Villen und blühende Gärten umgeben den Ort, der Yachthafen blinzelt schon von weitem als malerischer Farbklecks an der hier kargen Küste und die blitzweiß gekalkte Mole ist mit Tavernen gespickt. Mit der Vielzahl solch romantischer Inselhäfen kann wohl kein anderes Land der Welt mithalten.
Griechische Tavernen sind neben dem Meer das zweite Standbein des Tourismus - ob nun mit Fischerbooten und Mond direkt am Wasser oder in den Bergen unter einer mit Wein überwachsenen Pergola. Die Legenden vom leergefischten Meer und vom faulen Pleitegriechen widerlegen sie allemal. Der Kiosk am Petani Strand führt eigentlich nur Getränke. Doch von der Terrasse hat man den schönsten Blick und einen griechischen Salat richtet Mariola gerne an. Das Brot bäckt sie selbst, wenn Zeit ist, und das Öl von den eigenen Oliven wird, auf frisches Brot geträufelt, zur reinsten Hauptspeise. In der Taverne Alexandros, an der Abzweigung zum Mýrtos Beach, tafeln einheimische Großfamilien, auch hier steht eigenes Olivenöl am Tisch. Es lohnt, in solchen Tavernen öfter einzukehren, manchmal, wenn die Ernte gut war, wird ausnahmsweise eine Flasche verkauft.
Die Straße im Nordwesten verläuft oberhalb von Kreideklippen. Sensationelle Ausblicke tun sich entlang der Küste auf. Ein besonderes Phänomen entsteht durch feinsten Kreidegrus, der im Meer türkisblaue Strömungsbilder zeichnet. Der Mýrtos Beach zählt zu den Aushängeschildern der Insel und wäre für sich die Reise wert. Sobald tief unten der erste leuchtend weiße Zipfel in Sicht kommt, klopft das Herz etwas schneller. Der Strand ist weit genug, um sowohl Shooting Location für Models als auch Versteck für Verliebte zu sein. Im Süden öffnet sich eine schattige Grotte in der Felswand, durch die man auch ins Meer gelangt. Zwei weitere Postkarten-Idylle liegen im Norden, das romantische Ássos auf einer Halbinsel mit venezianischer Festung und der praktisch von englischen Skippern okkupierte Yachthafen Fiskardo. Der Ort steht auf Granituntergrund und so haben einige Gebäude in dem wunderbaren, inseltypischen Baustil des 19. Jahrhunderts das Erdbeben überlebt.

Das süße kleine Mädchen an der Hand seiner Mutter bekommt es nach dem Drehkreuz bereits mit der Angst zu tun. Im neu eröffneten Budapester "Labyrinth"...weiter
Wir schreiben das Jahr 1213, es ist die Zeit der Kreuzzüge. Die Trosse der (mehr oder weniger) heiligen Heere schieben sich auch durch das Hinterland...weiter
Wolfgang von Metten findet den Werbespruch "Der Weg ist das Ziel" für Wallfahrten unpassend. "Das Ziel einer Wallfahrt...weiter