Da braut sich etwas zusammen, in Bad Windsheim. Und die Rede ist nicht von dem selbstgebrauten Bier, auf dessen Reinheit man hier so stolz ist. Gemeint sind vielmehr die Franken, die Einwohner Nordbayerns. Denn geht ihnen etwas gegen den Strich - sei es Unpünktlichkeit oder falsch geparkte Fahrräder - wird nicht lange gefackelt, sondern das lautstark kundgetan. Und wenn sie explodieren, erinnert dies an ein heftiges, sich entladendes Gewitter. Der Vorteil: Genauso schnell, wie es aufkommt, ist es auch wieder vorbei. "Die Franken haben die Freundlichkeit nicht für sich gepachtet", ist alles was Carola Kabelitz, selbst rüstige Fränkin, zu diesem fränkischen Wesenszug zu sagen hat.
Doch im nächsten Moment ist ihr Grant wieder verflogen, und sie scherzt: "Die Bayern haben die Berge, die Franken den Horizont." Bis 1803 war Bad Windsheim eine freie Reichsstadt, und noch heute sehen sich viele von ihnen nicht als Bayern, sondern als Franken. So auch in dem 12.000-Seelen-Stadt Bad Windsheim. Sie liegt 60 Kilometer westlich von Nürnberg und versprüht idyllischen Kleinstadt-Charme: Unbekannte grüßen einander auf der Straße, und spaziert eine größere Gruppe durch die Kopfsteinpflaster-Gässchen, zieht diese mitunter neugierige Blicke auf sich.
Ein Storch gleitet in sein Nest auf einem für die Region typischen Fachwerkshäusern, Schwalben zirpen, der Wind streicht durch die umliegenden Felder: Hier ist die Welt noch in Ordnung, denkt der Besucher insbesondere, wenn er weiter Richtung südliches Ende der Altstadt spaziert. Hier befindet sich auf 50 Hektar das größte Freilandmu-seum Süddeutschlands. Rund 100 Häuser - Mühlen, Schäfereien und Handwerkshäuser - zeigen, wie die ländliche Bevölkerung in Franken vom Mittelalter bis in die 1950er Jahre gelebt hat. Man wandert von Dorf zu Dorf die Felder entlang, und begibt sich dabei von einer Epoche in die nächste. Dazwischen stolzierenden Pfaue suhlen sich Säue in Erdlöchern. Besonders Eifrige brauen in der alten Brauerei ihren eigenen Gerstensaft, andere kosten das leichte Pils im Gasthaus nebenan.
Sommer für Sommer verwandelt sich der kleine Weinberg am Rande des Museums in ein Freilandtheater. Es erweckt den Eindruck, als schlüpfe ganz Bad Windsheim in die verschiedensten Rollen: Die ältere Dame, die vorhin noch durch das Museum geführt hat, ist als Bäuerin zu entdecken, und auch eine Mitarbeiterin der Therme Bad Windsheim hat eine kleine Nebenrolle. Doch nur teilweise sind es Laiendarsteller, zu einem beachtlichen Teil stehen professionelle Schauspieler auf der Bühne. Während hinter den Weinreben die Sonne untergeht, wird kurzweiliges, unterhaltsames Sommertheater mit Live-Musik geboten und der Zuseher immer wieder überrascht, etwa treibt beim aktuellen Stück "Heldenzeit" ein Schäfer seine Herde über die Naturbühne.

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