• vom 17.06.2013, 05:52 Uhr

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Ein Besuch in Neapel




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Von Christina und Martin Höfferer

  • Kunst gegen die Camorra
  • Mit Neapel verbindet man in erster Linie Schwierigkeiten mit der Müllbeseitigung und der Mafia. Beides ist nicht von der Hand zu weisen. Doch Neapel hat für seine Probleme überraschende Lösungen gefunden.

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-© Amiel/photocuisine/Corbis -© Amiel/photocuisine/Corbis

Für Österreicher ist es eine Überraschung. Aus allen Winkeln der neapolitanischen Altstadt deuten die klassischen erdfarbenen italienischen Kultur-Wegweiser hin zu einem Museum, das für Hermann Nitsch eingerichtet wurde.

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Die Stadt am Fuße des Vulkans empfängt das ehemalige Enfant Terrible des Wiener Aktionismus heute als gern gesehenen Gast, anders als im Jahr 1972, als ihm seine erste Aktion in Neapel Aufenthaltsverbot für ganz Italien eintrug. "Wir wurden des Landes verwiesen", erzählt Hermann Nitsch, "bis in die ‚New York Times‘ ging das, und der Morra war stolz! Ein Jahr später gab es eine Verhandlung, die der Morra gewonnen hat!"

Der Galerist Peppe Morra ist Hermann Nitschs Neapel-Connection. Der Höhepunkt der Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Galerist und Künstler erfolgte im Jahr 2008 mit der Eröffnung des Hermann Nitsch Museum in Neapel, in dem auch eine Wohnung für den Künstler eingerichtet ist. Es sind hohe, vom strahlenden Sonnenlicht durchflutete Räume mit Ausblick auf das Häusermeer der Stadt und auf das Tiefblau des Thyrrenischen Meeres.

"Mir gefällt Neapel einfach", sagt Hermann Nitsch, "ich liebe das herrliche Essen und den guten Wein." Für Peppe Morra wurde Hermann Nitsch zum Lehrmeister. "In den Jahren 1967 und \'68 interessierte ich mich sehr intensiv für die Rolle der Politik in der Gesellschaft. Da verstand ich, dass das politische Engagement keine besonderen Resultate bringt. Es geht darum, über die Politik hinauszugehen und deshalb wurde ich Galerist", sinniert Peppe Morra. Kunst vermag zu transformieren, davon ist Morra überzeugt. Ausgehend vom Nitsch-Museum plant er ein ganzes neues Stadtviertel für die Kunst in den jahrhundertealten, ineinander verschachtelten Bauwerken des Viertels Avvocata. Triumphierend berichtet der Galerist, dass er dafür bereits eine Absichtserklärung der Stadt Neapel erwirken konnte. 10.000 Quadratmeter eines Konvents aus dem 17. Jahrhundert sollen Künstlern zur Verfügung gestellt werden. "Nitsch macht glücklich", verkündet Peppe Morra lachend sein Credo.


Die Katakomben von Sanità

Das Nitsch-Museum befindet sich ganz in der Nähe der Piazza Dante, einem der Hauptplätze des Centro Storico. Die Gassen sind schmal, trotzdem rumpeln zerbeulte Kleinwagen temporeich durch die Schlaglöcher. Die Türen der typischen neapolitanischen Erdgeschoßwohnungen sind zur Straße hin offen, die Wäsche flattert vor den Fenstern. Über gewundene Straßen geht es hinauf auf einen der vielen Hügel Neapels zur Basilika und zu den Katakomben des Heiligen Gennaro. Das umliegende Stadtviertel heißt Sanità und gilt als eine Hochburg der Camorra.

3000 Quadratmeter Kunst gegen die Mafia: Das Casoria Art Museum (CAM).

3000 Quadratmeter Kunst gegen die Mafia: Das Casoria Art Museum (CAM).© Alessandra Benedetti/Corbis 3000 Quadratmeter Kunst gegen die Mafia: Das Casoria Art Museum (CAM).© Alessandra Benedetti/Corbis

Hermann Nitsch in seinem Museum in Neapel mit Direktor Giuseppe Morra.

Hermann Nitsch in seinem Museum in Neapel mit Direktor Giuseppe Morra.© APA Hermann Nitsch in seinem Museum in Neapel mit Direktor Giuseppe Morra.© APA

Einkaufspassage Galleria Umberto in der Altstadt von Neapel.

Einkaufspassage Galleria Umberto in der Altstadt von Neapel.© Stockxchng Einkaufspassage Galleria Umberto in der Altstadt von Neapel.© Stockxchng

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Dokument erstellt am 2013-06-11 10:56:59
Letzte Änderung am 2013-06-14 11:20:40



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