• vom 08.06.2012, 00:01 Uhr

Wein

Update: 11.03.2013, 17:36 Uhr
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Werfrings Weinjournal

Lumpen auf dem Steffl-Kirtag


Von Johann Werfring

  • Die "Bieringerin"am nördlichen Heidenturm des Wiener Stephansdomes ist zwar dem Namen nach eine Bierglocke, sie wurde aber auch von Weinzechern als "Gurgelabschneiderin" verspottet.

Für das Weinstandl am Wiener Steffl-Kirtag wird täglich um 21.55 Uhr die Sperrstunde eingeläutet. - © Johann Werfring

Für das Weinstandl am Wiener Steffl-Kirtag wird täglich um 21.55 Uhr die Sperrstunde eingeläutet. © Johann Werfring

In Wien haben neuerdings die Kirtage wieder Hochkunjunktur. Der größte Kirtag Wiens ist der seit drei Jahren am Rathausplatz abgehaltene "Wiener Kirtag". Die Besonderheit: Er dürfte weltweit das einzige Kirchweihfest (wienerisch: Kirtag) ohne Kirche sein. Allerdings gibt es als kirchlichen Anknüpfungspunkt die Segnung des Kirtagsbaumes am Stephansplatz durch den Wiener Dompfarrer, ehe dieser vor dem Rathaus aufgestellt wird.

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Eine ebenfalls noch verhältnismäßig junge Tradition hat der Wiener Steffl-Kirtag. Er wurde erstmals 2002 aus Anlass des 50. Jahrestages der Wiedereröffnung des Stephansdomes nach den Verwüstungen durch den Dombrand im Jahr 1945 abgehalten. Heuer ging der Steffl-Kirtag in der beachtlichen Dauer von elf Tagen vom 24. Mai bis 3. Juni über die Bühne.

Die Bieringerin befindet sich im nördlichen Heidenturm von St. Stephan (hier links im Bild).

Die Bieringerin befindet sich im nördlichen Heidenturm von St. Stephan (hier links im Bild).© Alexander Wurditsch - Fotolia Die Bieringerin befindet sich im nördlichen Heidenturm von St. Stephan (hier links im Bild).© Alexander Wurditsch - Fotolia

Kurz bevor die Kirtagsbuden dicht machen, erschallt beim Steffl-Kirtag allabendlich eine ungewöhnliche Glocke: die Bieringerin, die sich im nördlichen Heidenturm von St. Stephan befindet. Diese wird ansonsten nie als Einzelglocke geläutet. Üblicherweise erklingt sie nur gemeinsam mit den anderen im selben Turm befindlichen Glocken (das sind die Feuerin, die Kantnerin, die Fehringerin und die Churpötsch), und zwar an Samstagen und Sonntagen zur Vesper um 16.45 Uhr.

Die Bieringerin am nördlichen Heidenturm.

Die Bieringerin am nördlichen Heidenturm.© St. Stephan Die Bieringerin am nördlichen Heidenturm.© St. Stephan

Der nördliche Heidenturm ist übrigens als einziger der Türme 1945 nicht ausgebrannt, und so haben sich die darin befindlichen Glocken mit ihren klingenden Namen bis heute erhalten. Am Steffl-Kirtag wird mit dem solistischen Läuten der Bieringerin an eine uralte Tradition angeknüpft. Bereits im Wiener Stadtrecht von 1340 ist eine "pyerglokken" erwähnt. Ihr Läuten verkündete die Nachtruhe. Insbesondere war nun der Ausschank in allen Wirtshäusern und Schenken der Stadt einzustellen, auch durfte nach diesem Signal niemand mehr in den Straßen ohne Licht angetroffen werden, ohne in den Verdacht zu gelangen, Übles im Sinn zu haben.

Für das Jahr 1546 ist der Guss einer neuen Bierglocke durch Michael Doppler bezeugt, sie wurde im nördlichen Heidenturm platziert. Wegen des unliebsamen Zechverbots ab deren Läuten wurde sie im Volksmund alsbald als "Gurgelabschneiderin" verunglimpft.

Im Jahr 1772 wurde die Bierglocke aus dem Jahr 1546 von Franz Joseph Scheichl umgegossen, heute ist auf deren Innenseite die handschriftliche Aufschrift "Bieringerin" zu registrieren. Sie hat ein Gewicht von 530 Kilogramm, der untere Durchmesser sowie die Höhe der Glocke betragen jeweils 98 Zentimeter.

An der Glockeninnenseite befindet sich die Aufschrift "Bieringerin".

An der Glockeninnenseite befindet sich die Aufschrift "Bieringerin".© YouTube An der Glockeninnenseite befindet sich die Aufschrift "Bieringerin".© YouTube




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-07 19:02:18
Letzte Änderung am 2013-03-11 17:36:06


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