In den letzten Jahren haben sich die in einem weiten Bogen quasi am Tor des Weinviertels und unmittelbar nördlich bis nordöstlich der Bundeshauptstadt gelegenen Weingüter nicht nur im Vergleich zu den übrigen Zonen des Weinviertels unverhältnismäßig stark profiliert; ihnen gemeinsam ist die überwiegend vom sogenannten Flysch gekennzeichnete Bodenstruktur. Im Unterschied zu den nördlichen Abschnitten des Weinviertels kennt man hier Reifeprobleme eigentlich nur vom Hörensagen, weshalb die Weißweine im Allgemeinen fruchttief, ausgewogen und von adäquater Säurestruktur begleitet erscheinen. Zuletzt haben die kleinklimatischen Verhältnisse auch die Kelterung beachtlicher Rotweine erlaubt, die nunmehr fast jedes namhafte Weingut in seinem Portefeuille hat.
Dominant bleibt freilich die Paradesorte Grüner Veltliner, die in verschiedensten Ausprägungen vorzufinden ist und die seit der Schaffung des Weinviertel-DAC-Status auch österreichweit die verdiente Wertschätzung erfahren hat. Der Weinviertler Qualitätspionier Roman Pfaffl hat beispielsweise den klassischen, fruchtbetonten Hundsleiten ebenso anzubieten wie einen überaus komplexen und extraktsüßen, bloß vorsichtig im großen Akazienfass gereiften Goldjoch-Veltliner. Etwas weiter östlich, in der Bezirkshauptstadt Wolkersdorf, sind die Lagen-Veltliner namens Pfaffenhölzl von Christian Pleil und Stixenkreuter "Alte Reben" von Newcomer Haindl-Erlacher einen Versuch wert.

Im ebenfalls stark aufstrebenden Winzerbetrieb Zuschmann-Schöfmann in Martinsdorf ist vor allem der Grüne Veltliner von der Ried Ralessen als fein verwoben und vielschichtig zu bezeichnen, weshalb er folgerichtig auch erst nach einiger Flaschenreife auf den Markt kommt. Gleiches gilt für den Grünen Veltliner namens Radikal des Ebenthaler Winzers Herbert Zillinger, während das ganz im Osten, am Rochusberg und nahe der March gelegene Weingut von Roland Minkowitsch eher auf einen jung zu genießenden Veltliner-Typ namens Rochus setzt.
Über die Dominanz des allgegenwärtigen Grünen Veltliners sollten aber die weißen "Komplementärsorten" und die Rotweine nicht vergessen werden, die ja immer größere Bedeutung erlangen. Beginnen wir wieder mit dem größten und einflussreichsten Weinviertler Weingut der Familie Pfaffl, wo unter anderem auf den restsüßen Riesling "Am Berg" und den subtil im kleinen Holzfass ausgebauten, opulenten Chardonnay Rossern ebenso zu verweisen ist, wie im roten Bereich auf den archetypischen St. Laurent vom Altenberg und den mächtigen Bordeaux-Blend "Heidrom". Kellermeister Wolfgang Erlacher hat in den vergangenen Jahren eine in Burgunderflaschen abgefüllte Weinserie namens Premium forciert, von denen zuletzt speziell der Weißburgunder 2010 und der Grauburgunder 2009 durch komplexe Aromenvielfalt und großes Lagerpotenzial hervorstechen. Herbert Zillinger hat sich in geeigneten Jahrgängen mit exzellenten Varianten vom Traminer, Spitzenprodukt ist wohl der "Profund", ebenso profiliert wie Roland Minkowitsch, der überdies zuletzt stärker auf die Rieslinge setzt, von denen der Marillenfruchtige und konzentrierte "de vite" aus der Lage Jähe Lissen die Spitze darstellt.
