• vom 24.08.2012, 16:00 Uhr

Wein

Update: 11.03.2013, 17:41 Uhr
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Werfrings Weinjournal

Die Roten von der Rhône


Von Johann Werfring

  • Im Vergleich zu den Gewächsen vom Bordeaux und Burgund sind die Rotweine vom Rhône-Gebiet immer noch eine unbekannte Größe. Zweifellos zu Unrecht!

Der Hermitage ist eine der bedeutendsten Weinlagen im Rhônetal. - © Willi Schedlmayer

Der Hermitage ist eine der bedeutendsten Weinlagen im Rhônetal. © Willi Schedlmayer

"Wie kommt es eigentlich, dass die Rotweine von der Rhône als besonderer Geheimtipp gleichsam von jeder Generation aufs Neue entdeckt werden?" So oder so ähnlich stellt sich der Doyen der Weinautoren, Hugh Johnson, die programmatische Frage in der Einleitung im entsprechenden Kapitel seiner Weinfibel. Die Antwort darauf liegt nicht sofort auf der Hand, selbst wenn die Rebflächen entlang der Rhône im Vergleich zum Südwesten Frankreichs oder zu Bordeaux nahezu verschwindend klein erscheinen. Auf der anderen Seite hat nämlich Burgund, das ebenfalls sehr kleinräumig gestaltet ist, schon weit früher sein Prestige erworben und seine Weine ehedem sogar gerne einmal mit den farbkräftigeren und dichteren Kreszenzen von den Ufern der Rhône aufgebessert; für diese fragwürdige Methode gab es sogar einen eigenen Begriff, nämlich das Verb "hermitager", das dem berühmtesten Rhône-Anbaugebiet Hermitage entlehnt wurde.

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Am Anfang der neuzeitlichen Weinhistorie stand wohl ein Imagegewinn der Gemarkung Châteauneuf-du-Pape, der etwa Anfang der Siebzigerjahre eingesetzt und diesen Weinen über Frankreich hinaus einen höheren Bekanntheitsgrad verschafft hat. Nach einer ruhigen Periode in den 1980er Jahren sind nunmehr die Weine von der südlichen Rhône wieder in aller Munde und derzeit wohl unbestritten die preisgünstigsten Premiumweine französischen Ursprungs.

Zu den einstigen Marktführern wie Château La Nerthe, Beaurenard, Pégau und Beaucastel sind zahlreiche weitere Betriebe hinzugekommen, von denen ich speziell Clos des Papes, Pierre Usseglio und die Weine von Négociant Michel Tardieu hervorheben möchte. Gott sei Dank hat man sich von dem Streben nach immer stärkerer Konzentration und demnach immer höheren Alkoholgehalt wieder verabschiedet und setzt heute eher auf kühlere, elegante Tropfen. Nach der Gesetzgebung kann der Châteauneuf aus bis zu 13 verschiedenen Rebsorten gekeltert werden, doch stellt in der Regel die Grenache-Rebe einen dominanten Anteil, ja sie kann auch allein verantwortlich für den Wein sein. Eine weniger bekannte Appellation, die sich in den letzten Jahren aber stark profiliert hat, ist Gigondas, wo beispielsweise die Domaine Santa Duc hervorragende, kirschfruchtige Gewächse voll Saft und Kraft keltert.

Reberziehung auf den Steillagen von St. Joseph. Die Reben wachsen im Bogen zueinander und sollen dadurch widerstandsfähiger werden.

Reberziehung auf den Steillagen von St. Joseph. Die Reben wachsen im Bogen zueinander und sollen dadurch widerstandsfähiger werden.© Willi Schedlmayer Reberziehung auf den Steillagen von St. Joseph. Die Reben wachsen im Bogen zueinander und sollen dadurch widerstandsfähiger werden.© Willi Schedlmayer

Völlig anders geartet sind die Verhältnisse im Norden der Rhône, wo die vergleichsweise winzig kleinen Anbaugebiete Hermitage und Côte-Rôtie seit jeher die höchsten Lorbeeren ernten. Dabei war die Rebsorte Syrah, aus der die Weine dieser Herkünfte zur Gänze bestehen müssen, in den Siebzigerjahren nahezu vom Aussterben bedroht. Erst ihr Siegeszug mit den modernen, kraftvollen Weinen in Australien hat vielen Weinliebhabern die Augen geöffnet und auch zu einer Renaissance dieser Rebe in ihrem ursprünglichen Gebiet – und später dann in ganz Südfrankreich – geführt. Erstklassiger Hermitage, etwa von den Marktführern Jaboulet und Chapoutier, war schon immer ein teures Vergnügen; allerdings sind diese Kreszenzen auch sehr lagerfähig und mit entsprechendem Qualitätsimage behaftet, was auch für alle Weine von Altmeister Guigal gilt, der vor allem die verschiedenen Lagen der Côte-Rôtie, wie La Mouline, La Landonne und schließlich La Turque, zur Meisterschaft und schwindelerregenden Preisanstiegen geführt hat.


© Willi Schedlmayer © Willi Schedlmayer




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Dokument erstellt am 2012-08-24 15:32:06
Letzte Änderung am 2013-03-11 17:41:28


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