
Die moderne, unkomplizierte Aufmachung des neuen Lokals an der Ecke Landstraßer Hauptstraße/Steingasse zielt auf ein junges urbanes Publikum ab, wobei sich ältere Semester gut einfügen, wie ich bei etlichen Besuchen des Lokals – das sich mit dem Namen "Landstein filet & wine" weder auf ein Restaurant noch auf eine Weinbar festlegen möchte – observieren konnte. Tatsächlich ist das "Landstein"-Konzept, das Marc Oberngruber (ehemals "Motto" in der Rüdigergasse) in Abstimmung mit "Landstein"-Inhaber Reinhard Zarbach entwickelt und umgesetzt hat, in der österreichischen Bundeshauptstadt einzigartig.
"Landstein"-Gründer Reinhard Zarbach kickte in den 1970er Jahren gemeinsam mit Hans Krankl und weiteren "grünen" Legenden im Wiener Traditionsfußballklub Rapid, wo ihm die Position des linken Außenverteidigers zukam. Auch nach seiner Fußballerkarriere konnte Zarbach beachtliche Erfolge verbuchen: In der Gegend von Melk (Seiterndorf) gründete er im Jahr 2000 ein mittlerweile renommiertes Weinhandelshaus und nachfolgend das "restaurant.zarbach am land". Ganz nebenbei ist er auch noch als Devisenhändler tätig.
"Ich wollte nicht der zwanzigste Wirt um die Ecke sein", vermerkt Zarbach zu seinem Landstraßer Lokal-Konzept. Für die Küche engagierte er zwei begabte Köche aus Bangladesch, die zum einen mit Gerichten wie "Filetspitzen Sweet Spicy mit Cashew und Basmatireis" (16 Euro) oder "Young Coconut Chicken Curry mit Chutney und Kardamomreis" (10 Euro) Exotisches auf den Teller bringen, aber auch mit Fisch und Mangalitza-Schwein gut zurechtkommen. Bezüglich der Schweine und Fische hat Zarbach eine Kooperation mit Waldviertler Züchtern. Die Fische werden lebend angeliefert und im "Landstein" vor der Zubereitung frisch aus dem Bassin gezogen. Besondere Highlights des kulinarischen Angebots sind zweifellos die Steaks, aber auch das probeweise verzehrte Dessert (Orangentiramisu) mundete vortrefflich. Ein kleines feines Angebot an rein vegetarischen Kompositionen rundet das Angebot ab.

Neben einer Vielzahl an Longdrinks und Cocktails ist das exzellente Weinangebot hervorzuheben. Die Weinkarte zählt überhaupt zu den besten Österreichs: Rund 2000 Positionen sind im Lokal disponabel, darunter 500 österreichische Gewächse. Bei entsprechender Voranmeldung können die Gäste zudem aus dem 5000 Positionen umfassenden Angebot des Weinhandelshauses Zarbach, das im Internet auf der Homepage des Lokals abrufbar ist, wählen. Bereits der glasweise Ausschank ist gediegen, wobei aber auch ein paar günstigere Positionen, etwa ein Zweigelt und ein Grüner Veltliner um 2,60 Euro, vorhanden sind. Der innovativste Zug in punkto Wein ist zweifelsohne das Angebot von 0,375-Liter-Kleinflaschen in einer extremen Bandbreite (rund 250 Positionen). Bereits ab einer Abnahme von nur zwei Gläsern werden die Flaschen geöffnet. "Wenn der Wein schmeckt, wird die Flasche meist ohnedies ausgetrunken", sagt Zarbach (Anmerkung: Eine Kleinflasche beinhaltet drei Achterln). Infolge des Kleinflaschenangebotes werden gediegene Weine und edle Champagner auch für einen erweiterten Publikumskreis in leistbare Dimensionen gerückt.
Beeindruckend ist auch die im "Landstein" angebotene Jahrgangstiefe - nicht selten sind bis zu 15 Jahrgänge pro Wein vorhanden. Derartiges war bislang nur in wenigen Nobelrestaurants abrufbar. Ein besonderes Faible hat Zarbach für Weine aus dem Bordeaux und für deutsche Rieslinge. In punkto Süßwein ist er geradezu missionarisch tätig. Mitunter erhalten Gäste zum Kaffee sogar eine Gratis-Süßweinprobe aufgetischt. Alles in allem ist beim Wein im "Landstein" hohe Flexibilität angesagt. Was offen ist, kann auch 1/16-literweise geordert werden.
Artikel erschienen am 7. September 2012
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23