• vom 21.09.2012, 14:00 Uhr

Wein

Update: 11.03.2013, 17:42 Uhr
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Werfrings Weinjournal

Ritter des Rebensaftes


Von Johann Werfring

  • In Wien hat seit fünf Jahren ein dem heiligen Urban gewidmetes Weinritterkollegium seinen Ordenssitz. Die Aktivitäten der Weinritter sind vielfältig.

Der Großkanzler (r.) und die St. Urbanus Ritter bei der Aufnahmezeremonie in Hirschstetten. - Foto: Johann Werfring

Der Großkanzler (r.) und die St. Urbanus Ritter bei der Aufnahmezeremonie in Hirschstetten. Foto: Johann Werfring

Im idyllischen Umfeld der Blumengärten Hirschstetten präsentierten sich kürzlich die "St. Urbanus Weinritter" in ihrer weinroten Ordenskleidung. Anlass war das Ordensfest sowie die Aufnahme von neuen Ordensmitgliedern.

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Das "St. Urbanus Weinritter Ordenskollegium" wurde im Jahr 2008 gegründet. Einige Gründungsmitglieder waren zuvor bei der Europäischen Weinritterschaft mit Sitz in Eisenstadt dabei gewesen. Einer der Gründe für die Neugründung war die Nichtzulassung von Frauen in Führungspositionen zur Europäischen Weinritterschaft gewesen, wie aus Insiderkreisen zu erfahren war.

Weinritter mit Weinreben-Zeremonialstab.

Weinritter mit Weinreben-Zeremonialstab.Foto: Johann Werfring Weinritter mit Weinreben-Zeremonialstab.Foto: Johann Werfring

Mittlerweile ist das "St. Urbanus Weinritter Ordenskollegium" auf über 100 Mitglieder angewachsen, die in drei Konventikeln (= Gemeinschaften) organisiert sind. Für Wien gibt es das "Konventikel Eins" sowie das "Konventikel Wiener Weinberge" und im November 2009 kam das "Konventikel Niederösterreich" hinzu.

"Wir sind derzeit noch im Aufbau", sagt Kommerzialrat Wolfgang Seipelt, Ritter und Prior des Konventikels Wiener Weinberge. Wie indes der Auftritt in den Blumengärten Hirschstetten deutlich machte, haben die in Wien beheimateten Neo-Weinritter bereits ein selbstbewusstes und würdiges Auftreten. Als Ordenskreuz, das auch auf dem Banner zu sehen ist, haben sie das achtstrahlige, traditionelle Ritterkreuz gewählt. Es symbolisiert die ritterlichen Tugenden: Tapferkeit, Mut, Wahrhaftigkeit, Güte, Barmherzigkeit, Demut, Liebe und Nächstenliebe. Umgeben ist dieses Kreuz von vier goldenen Weintrauben – die Traube ist ja bekanntlich das Attribut des heiligen Urbanus, den die Ritter als ihren Patron erkoren haben.

Gemeinsamer Trunk aus dem Ordenskelch.

Gemeinsamer Trunk aus dem Ordenskelch.Foto: Johann Werfring Gemeinsamer Trunk aus dem Ordenskelch.Foto: Johann Werfring

Das Kreuz ziert auch das Rittergewand und den Ordenskelch, der als Symbol des Teilens, der Freundschaft und der Gemeinschaft aufgefasst wird. Als Zeremonialschwert fungiert ein Champagnersäbel, der zugleich Lebensfreude und gehobene Geselligkeit versinnbildlichen soll. Als Zeremonialstab dient den Rittern – zum Zeichen der Achtung vor der Natur – ein alter Rebstock.

Weinkultur und Freundschaft

Konstituiert sind die St. Urbanus Ritter als Verein, der sich vorrangig die Weinkultur, aber auch die Förderung des Guten, Schönen und der Freundschaft sowie der Geselligkeit auf die Fahnen geheftet hat. Selbiges kommt in der Ordensdevise "Pro Vino et Sodalitate" (Für den Wein und die freundschaftliche Verbundenheit) zum Ausdruck. Auch die Wissenschaft und Forschung zum Thema Wein soll laut Vereinsstatut gefördert werden.

Auszug der St. Urbanus Ritter nach dem Festakt in den Blumengärten Hirschstetten in Wien-Donaustadt.

Auszug der St. Urbanus Ritter nach dem Festakt in den Blumengärten Hirschstetten in Wien-Donaustadt.Foto: Johann Werfring Auszug der St. Urbanus Ritter nach dem Festakt in den Blumengärten Hirschstetten in Wien-Donaustadt.Foto: Johann Werfring

Freilich geht es bei den Weinrittern nicht immer so bierernst zu, wie es bei den Aufnahmezeremonien den Anschein haben mag. Ritter Wolfgang Seipelt vom Konventikel Wiener Weinberge etwa hat bei allem Enthusiasmus für seinen Orden auch das vinophile Augenzwinkern nicht verlernt. Ebenso wie es im Wienerlied heißt "Beim Wein derfst ned fad sein" hat manch einer der edlen Ritter einen guten Schmäh auf den Lippen, wie in Hirschstetten zu beobachten gewesen ist.

Wie aber kommt man in Wien zu Ritterehren? Zunächst kommen hierfür nur Personen mit einem ehrenvollen Vorleben in Betracht. Zudem muss ein Beitrittswerber einen Ritter als "Bürgen" haben, der ihn auch empfiehlt. Als erste Stufe wird man sodann als "Hospes" aufgenommen, in diesem Rang ist noch keine Mitbestimmung vorgesehen. Eine Zwischenstufe auf dem Weg zur Ritterschaft stellt der "Junker" dar, der bereits beratend mitwirken darf. Hat man sich als Junker bewährt, steht schließlich dem Ritterschlag nichts mehr im Wege. Für Damen gibt es ein äquivalentes Aufnahmeverfahren, wobei nach Bewährung als "Hospita" und "Weindame" in der obersten Stufe die "Ehrendame" im Rang dem Weinritter gleichkommt. Derzeit gibt es unter den St. Urbanus Rittern fast dreißig Damen – auch in Führungspositionen.

Auch etliche Winzer sind Ordensmitglieder, darunter Rainer Christ aus Wien-Jedlersdorf und Michael Edlmoser aus Wien-Mauer. Freilich rekrutiert sich das Gros des Kollegiums ganz einfach aus "Freunden des Weins". Ebenso wie die Tätigkeit der Weinritter frei von jeder parteipolitischer und konfessioneller Bindung ist, kommen Mitglieder aus einem breiten Spektrum der Gesellschaft in Betracht.

Die Aktivitäten der Weinritter im Jahreskreis sind vielfältig. Im November wird heuer im Zuge des Ordenskonvents erstmals eine selbst kreierte Rotweincuvée präsentiert. Demnächst soll auch noch ein Weißwein hinzukommen.

INFO: www.urbani-ritter.at

Artikel erschienen am 21. September 2012
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3637




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-20 15:11:05
Letzte Änderung am 2013-03-11 17:42:37


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