In Österreich erreicht die Weinkultur einen immer höheren Standard. Auf Winzerseite gilt es sich darauf einzustellen, dass die Ansprüche gerade im Premium-Segment ernorm gestiegen sind. Während noch vor zehn Jahren für alle möglichen Weine hohe Preise bezahlt wurden, sind Konsumenten heute nur noch dann bereit tiefer in die Tasche zu greifen, wenn der Rebensaft auch wirklich außergewöhnlich gut ist.
Ein bemerkenswerter Premium-Wein ist ein Tröpfchen aus dem Weingut Landauer-Gisperg in Tattendorf, das unter der Bezeichnung "Amphore" vermarktet wird. Während andere heimische Weingüter in den letzten Jahren Weißweine in Amphoren ausgebaut hatten, versuchte es Franz Landauer-Gisperg mit einem Rotwein des Jahrgangs 2009. Prompt wurde dieser Wein zum nieder-österreichischer Landessieger 2011 in der Kategorie Cuvée rot gekürt.

Die gustatorische Initialzündung für sein Amphorenwein-Faible sei eine Verkostung der Rebensäfte des friulanischen Winzers Josko Gravner im Jahr 2005 gewesen, sagt Landauer-Gisperg. Gravner gilt mit seinen "Anfora"-Weinen seit über einem Jahrzehnt als Vorreiter einer Amphorenweinkultur auf Top-Niveau.
Franz Landauer-Gisperg, der das Tattendorfer Weingut gemeinsam mit seiner Frau Johanna betreibt, hatte bereits zuvor begonnen, sich für biologische Maßnahmen im Weinbau zu interessieren. Mittlerweile ist der Betrieb biologisch-organisch zertifiziert, und die Bereitschaft sich mit Amphorenausbau auseinander zu setzen, wurzelt nicht unwesentlich in der Biogesinnung der Winzersleut.
Nun aber zu meiner Verkostungserfahrung mit der Tattendorfer "Amphore 2009" aus Cabernet Sauvignon, Zweigelt und St. Laurent: Einladendes vitales Bukett, vielschichtig, Brombeeren, Heidelbeeren und Johannesbeeren, noble Fruchtausprägung, extraktreich, tanninbetont, gute Struktur, angenehme Bitternoten, viel Saft und Kraft, salzig-würzig, druckvoll im Abgang.
Der Amphorenwein ist im Weingut Landauer-Gisperg keineswegs ein Nebenprogramm. Gleich sieben Amphoren zu je 650 bis 800 Liter wurden mit dem 2009er Jahrgang befüllt. Nach einer siebenmonatigen Maischestandzeit, in welcher sich der Wein beträchtlich mit Extrakt anreicherte, wurde er abgezogen und kam anschließend noch weitere fünf Monate in die Amphoren. Dass die Amphoren vergraben sind, erklärt Franz Landauer-Gisperg mit einer vorteilhaften Klimatisierung des Rebensaftes und mit speziellen Einflüssen, die er aus dem Boden bezieht. Der Preis für die "Amphore 2009" beträgt 38 Euro. Der Alkoholgehalt von 14,5 Prozent ist stimmig und passt gut zu diesem hervorragenden Wein.
