• vom 05.10.2012, 14:00 Uhr

Wein

Update: 23.02.2013, 00:36 Uhr
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Werfrings Weinjournal

20 Jahre Barrique de Beurse


Von Johann Werfring

  • Eine Gruppe von Wiener Wertpapierhändlern kreiert alljährlich einen eigenen Börsewein aus einem nach besonderen Richtlinien ermittelten Siegerweingut. Der Barrique de Beurse 2012 kommt aus dem Deutschkreutzer Weingut Hans Igler.

Blick in den Schaflerhof. - © Johann Werfring

Blick in den Schaflerhof. © Johann Werfring

Vor mir steht eine Bouteille mit der Flaschen-Nummer 0061, deren Inhalt aus dem mittelburgenländischen Weingut Hans Igler stammt. Sie trägt die Aufschrift "Barrique de Beurse", eine Zusatzinformation weist den Wein als eine 2010er Rotweincuvée (Blaufränkisch, Zweigelt, Merlot und Cabernet Sauvignon) aus. Der Alkoholgehalt beträgt maßvolle 13,5 Prozent.

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Das Bukett ist einladend-vital, nach kurzem Schwenken entströmt dem Glas ein herrliches Heidelbeeraroma, im Rückgeschmack gesellen sich noch etliche helle Beerentöne hinzu, die Saftigkeit und angenehme Adstringenz evoziert mittelburgenländische, ja geradezu typisch iglerische Rebensaftreminiszenzen. Die nachfolgende Röstnote ist dezent und beeinträchtigt weder die Mineralität noch den Trinkfluss. Druckvoll und pelzig strömt der Wein seinem langen Abgang entgegen – das belebende Säurespiel schwingt in jeder Phase passend mit. Kaum zu glauben, dass sich hier ein 2010er im Glas befindet.

Juniorchef Clemens Reisner (l.) mit dem Etiketten-Künstler und Banker Kurt Vogel.

Juniorchef Clemens Reisner (l.) mit dem Etiketten-Künstler und Banker Kurt Vogel.© Martina Lex Juniorchef Clemens Reisner (l.) mit dem Etiketten-Künstler und Banker Kurt Vogel.© Martina Lex

Wie der "Barrique de Beurse" ermittelt wird? Seit 1991 findet sich alljährlich eine Gruppe von vinophilen Wiener Wertpapierhändlern zusammen, die bei einer gedeckten Verkostung (ohne sichtbares Etikett) ein Siegerweingut ermittelt. Sodann begeben sich die Börsianer in den betreffenden Weinkeller, um dort gemeinsam eine Cuvée zu kreieren. Der Wein, der immer aus einem burgenländischen Weingut stammt, verbleibt rund 15 Monate in 225-Liter-Eichenfässern (Barriques). Das Etikett der nummerierten Flaschen zeigt – oft in künstlerischer Interpretation – die Entwicklung des Jahresindex der Wiener Börse im abgelaufenen Jahr. Aktuell ist dieses, zum Zeichen für fallende Kurse, mit einem Bär geschmückt. Anschließend wird der Wein – ganz nach Börsemanier – im Weingut zur Zeichnung aufgelegt.

Bei der kürzlich erfolgten Präsentation des Barrique de Beurse im Schaflerhof des Weinguts Hans Igler in Deutschkreutz erklang, wie üblich, die speziell für diesen Anlass komponierte "Barrique de Beurse"-Fanfare. Heuer waren besonders viele Bankfachleute versammelt, denn auch Wolfgang Reisner-Igler, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Waltraud Igler dem Betrieb vorsteht, ist in leitender Funktion als Bankfachmann tätig. Und auch der Künstler, der im heurigen Jahr das Etikett gestaltet hat, kommt aus der Bankbranche.

Wolfgang Reisner-Igler (l.) mit vinophiler Banker-Runde.

Wolfgang Reisner-Igler (l.) mit vinophiler Banker-Runde.© Martina Lex Wolfgang Reisner-Igler (l.) mit vinophiler Banker-Runde.© Martina Lex

Für die mittelburgenländischen Tröpfchen haben die prämierenden Wiener Wertpapierhändler eine sichtliche Vorliebe, denn von den insgesamt 20 preisgekrönten Cuvées kamen bisher elf aus der Gegend südlich vom Sieggrabener Sattel. Die von den Bankern in ihrer Aussendung vertretene Meinung, wonach der 2010er Jahrgang "ein sehr guter Jahrgang für Rotwein" sei, ist freilich eine Fehleinschätzung, die vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass der im Weingut Igler produzierte Börsewein so ausgesprochen gut gelungen ist.

Nur ganz wenige Rotweinbetriebe haben den 2010er Jahrgang derart souverän gemeistert wie das Weingut Hans Igler. Wie ich mich vor Ort bei einer Verkostung des gesamten Sortiments überzeugt habe, wurde in allen Ausbaustufen schier Unmögliches geleistet. Sogar der 2010er Cabernet Sauvignon konnte im Schaflerhof auf ein überraschendes Qualitätsniveau gebracht werden. Und der Top-Blaufränkische aus der Riede Biiri errang im gestrengen "Vinaria"-Weinguide (als einziger 2010er Rotwein aus dem Mittelburgenland) die höchste Punkte-Anzahl von fünf goldenen Sternen.

Ebenso wie bei den übrigen 2010ern aus dem Weingut Igler, sorgt der moderate Alkoholgehalt auch beim aktuellen Börsewein für zusätzliches Trinkvergnügen. Der Zeichnungspreis für den Barrique de Beurse 2012 wurde in einem Bookbuilding-Verfahren festgelegt und beträgt 18 Euro pro Flasche. Das Emissionsvolumen beträgt 2700 Bouteillen.

INFO
Weingut Hans Igler
7301 Deutschkreutz, Lange Gasse 49
Tel. 02613/803 65, www.weingut-igler.at

Artikel erschienen am 5. Oktober 2012
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3435




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 14:42:34
Letzte Änderung am 2013-02-23 00:36:23


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