• vom 14.06.2013, 03:49 Uhr

Wein

Update: 20.05.2016, 23:53 Uhr

Werfrings Weinjournal

Sternstunden in Stammersdorf




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Von Johann Werfring

  • Nach achtjähriger Planungs- und Umbauphase wird das Weingut Wieninger in Wien-Stammersdorf am 23. Juni in Anwesenheit von Wiens Bürgermeister Michael Häupl feierlich eröffnet werden. Grund genug, den wohl bekanntesten Winzer der österreichischen Bundeshauptstadt nach seiner Erfolgsgeschichte zu befragen.

Der neue Präsentationsraum im Weingut Wieninger. - © Wieninger

Der neue Präsentationsraum im Weingut Wieninger. © Wieninger



Johann Werfring: Das neue Weingut wirkt von der Straßenseite unverändert, erst im Hofbereich und nach Durchschreiten der neuen Räumlichkeiten werden die Innovationen sichtbar. Was wurde verändert und wer war für die Planung verantwortlich?

Information

Das Weingut Wieninger befindet sich in 1210 Wien, Stammersdorfer Straße 31. Die Weine werden auch im Heurigen von Fritz Wieningers Bruder Leo in der Stammersdorfer Straße 78 ausgeschenkt.

Fritz Wieninger: Meine Frau ist Innenarchitektin und hat sich dem Projekt "Weingut Wieninger neu" in den vergangenen acht Jahren mit viel Energie und Umsicht gewidmet. Die besondere Herausforderung bestand darin, den alten Wirtschaftshof des Wiener Schottenstiftes, den meine Eltern glücklicherweise vor 30 Jahren erwerben konnten, weitgehend in seiner Substanz zu erhalten und die neuen Akzente passend ins traditionelle Ensemble zu integrieren. Wir freuen uns, dass wir einerseits den Betriebsbereich den Erfordernissen der Zeit anpassen konnten und andererseits einen attraktiven Präsentationsbereich für die Verkostung unserer Weine verfügbar haben. Mit der Implementierung einer Hackschnitzelheizung und einer Solaranlage haben wir als zertifizierter Biobetrieb auch auf  ökologische Nachhaltigkeit Wert gelegt.

Edmund Steinbatz (1915–1968), legendärer Heurigenwirt in Stammersdorf.

Edmund Steinbatz (1915–1968), legendärer Heurigenwirt in Stammersdorf.© Wieninger Edmund Steinbatz (1915–1968), legendärer Heurigenwirt in Stammersdorf.© Wieninger

Wo liegen die Wurzeln des Betriebes?

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Mein Großvater mütterlicherseits, Edmund Steinbatz, hat den Grundstein zum heutigen Unternehmen gelegt. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hat er in bescheidenem Umfang Weinbau betrieben und begonnen in seiner Bauernstube Wein auszuschenken. Nach dem Krieg, als Stammersdorf zunehmend aufgeblüht ist, hat er dann den Heurigen aufgerüstet und auch eine eigene Bühne installiert, wo die "Spitzbuam" und andere Musiker aufgetreten sind und G'stanzeln gesungen haben. Der Großvater ist immer wieder auch selber auf seiner Heurigenbühne aufgetreten und hat dort Schmäh geführt und Witze erzählt. Nach und nach ist er zu einer charismatischen, ja geradezu legendären Persönlichkeit geworden. Noch heute, 45 Jahre nach seinem Tod, sprechen uns Weinkunden auf ihn an. Im Heurigen vom Großvater stand freilich noch weniger die Weinqualität als die Gaudi im Vordergrund. Das war halt noch eine andere Zeit . . .

Wie vollzog sich der Wandel von der rustikalen Heurigengemütlichkeit hin zu qualitätsorientiertem Weinbau?

Meine Mutter war die einzige Tochter von Edmund Steinbatz. Als Barbara Steinbatz den aus dem Weinviertler Ort Deinzendorf stammenden Fritz Wieninger heiratete, ergab sich die Situation, dass die jungen Eheleute zwei Betriebe zu führen hatten: einen in Wien-Stammersdorf und den anderen im Weinviertel (denn mein Vater war in Deinzendorf ebenfalls Betriebsnachfolger). Nachdem es eine Zeit lang beide Betriebe mit eigenem Traktor und Keller nebeneinander gegeben hatte, erwies sich das Heurigengeschäft letztlich in Wien als wesentlich besser. Mein Vater, geboren 1936, der noch zur Kriegsgeneration zählte, musste sich sein weinbauliches Wissen nach und nach autodidaktisch und in Kursen aneignen. Er war ein ständig Fragender und schon früh der Qualität auf der Spur. Meine Mutter war Absolventin der Klosterneuburger Weinbauschule und hatte Anfang der 1960er Jahre in Würzburg in der staatlichen Hofkellerei gearbeitet. Alles in allem waren meine Eltern in weinbaulicher Hinsicht ein kongeniales Duo und haben zusammen mit viel Energie die Qualitätsschiene forciert.

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Dokument erstellt am 2013-06-11 13:52:04
Letzte ńnderung am 2016-05-20 23:53:52



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