• vom 19.07.2013, 18:19 Uhr

Wein

Update: 06.02.2016, 20:55 Uhr

Weinjournal

Schwammerl-Variationen beim Weinwirt




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Der als Vorspeise servierte Blütensalat mit Kräuterseitlingen stellte sich als vorzügliches Sommeressen heraus. Im Test verlieh der GV Classic in seiner komplexen Art dem Gericht hintennach zusätzliche Würze, ebenso klang die Mineralik sehr vergnüglich nach. Der Muskateller steuerte seine g’schmackige Note bei, was nicht jedermanns Sache ist, aber Freunden von Weinen mit lautem Bukett eine Freude machen wird. Der zarte Riesling erwies sich zum Salat als sehr passend, wohingegen der GV Brunthal (der als Solist sehr gut schmeckt) in Kombination mit dem Salat viel zu klobig wirkte. Ebenso ist der mächtige Weißburgunder hier fehl am Platz. Da vom Begrüßungstrunk (2012 Welschriesling, Weingut Hagn, Weinviertel) auch noch ein Schluckerl vorhanden war, unterzogen wir auch dieses Getränk bei der Vorspeise einem Test. Ergebnis: Der frisch-fruchtige Welschriesling belebte das vitale Gericht noch weiter in passender Weise.

Bei den Schwammerl-Fleckerln mit Kräuterseitlingen, Chorizo (das ist eine würzige katalanische Wurstart) und Blattsalat korrespondierten der runde, schmelzige Weißburgunder und der kraftvolle GV Brunthal mit der schmalzigen Art des Gerichts recht gut, wohingegen der Riesling in seiner zarten Art zu kurz kam; auch der Muskateller kam zu schmalbrüstig daher. Der GV Classic wiederum passte vorzüglich, weil er das Gericht hintennach gewissermaßen "pfefferte".

Bei den gebratenen Kräuterseitlingen verhielten sich die Weine im Wesentlichen wie bei der Salatvorspeise: Während GV Classic und Muskateller wunderbar harmonierten, wirkten GV Brunthal und Weißburgunder wiederum zu breit. Aber auch der Riesling wollte sich mit den gebratenen Schwammerln nicht so recht anfreunden. Zu den gebackenen Kalbfleischausternpilzen, die etwas intensiver schmecken als gebackener Parasol, war der GV Brunthal eine treffliche Wahl. Ebenso empfanden wir den Weißburgunder als passend, jedoch steuert dieser einen leichten Bitterton bei (was – je nach Vorliebe – als angenehm oder unangenehm empfunden werden kann). Der Riesling wirkte viel zu hart und passte ganz und gar nicht; der Muskateller wiederum verhielt sich unpassend aufdringlich. Der GV Classic stellte einmal mehr seine Universalität als Essensbegleiter unter Beweis.

Information

Schwammerlmenü im Gasthaus Seidl
mit dem Weingut Schwarzböck

am 26. Juli 2013, 19.30 Uhr; 1030 Wien, Ungarg. 63; Reservierung unter Tel. 01/713 17 81

Bei Spaghetti mit Shiitake-Pilzen, Lachs, Kapern und Chili waren GV Classic und Riesling die beste Begleitung, der Muskateller ist hier für "Extremisten" möglicherweise auch eine gute Wahl (nicht aber für uns). Weißburgunder und GV Brunthal wirkten viel zu breit und passten überhaupt nicht zur Chili-Schärfe.

Dem pfeffrig-pikanten Senfrostbraten mit Kräuterseitlingen, Chili und Kapern schließlich bot der Weißburgunder in seiner breitschultrigen Art bestens paroli. Das Gericht mit seinen vielen Geschmacksnuancen wurde auch vom GV Brunthal gut unterstützt. Der Riesling erwies sich als passabler Gegenpart zur Schärfe des Gerichts. Der g’schmackige Muskateller jedoch wirkte hier abermals zu aufdringlich. Und der GV Classic, der sonst immer gepasst hatte, war in diesem Fall als Essensbegleiter viel zu dünn. Ein zum Fleischgericht ebenfalls servierter 2011er Blaufränkischer aus dem Horitschoner Weingut Iby unterstützte die pfeffrige Pikanz der Speise in vorzüglicher Weise.

Print-Artikel erschienen am 19. Juli 2013
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22
–23

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Dokument erstellt am 2013-07-19 16:22:05
Letzte ─nderung am 2016-02-06 20:55:01



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