• vom 23.05.2014, 18:15 Uhr

Wein

Update: 30.03.2016, 02:13 Uhr

Weinjournal

Österreichische Weißweine 2013:
Charakteristisch und kristallklar




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Von Johann Werfring

  • Nach zahlreichen Wetterkapriolen, die manchen Sorten gebietsweise ein ausgesprochen ungünstiges Blütewetter bescherten, war mit sorgfältiger Arbeit in den Weinbergen und optimaler Wahl der Erntezeit für den 2013er Jahrgang ein hohes Weißweinniveau zu erreichen, und zwar durchgehend für alle Weinbauregionen.

Infolge eines kühlen Winters, dessen beachtliche Schneemengen für jene Bodenfeuchtigkeit sorgten, die sich dann im Sommer als äußerst hilfreich herausstellte, kam es 2013 zu einem verzögerten Austrieb und einer späteren Rebblüte als in den beiden Vorjahren. Nach einer ersten Hitzewelle wurde speziell die Befruchtung der niederösterreichischen Leitsorte Grüner Veltliner stark gestört, was zu erheblichen Ernteeinbußen geführt hat, von denen unter anderen der Spitzer Graben sowie teilweise das Kamptal, das Kremstal und der Wagram sowie insbesondere auch das nördliche Weinviertel betroffen waren. Dies hatte eine Erntemenge zur Folge, die mit rund 2,2 Millionen Hektoliter unter dem langjährigem Durchschnitt lag.Noch in schlimmer Erinnerung werden den meisten Weinfreunden die verheerenden Überflutungen im Juni 2013 sein, doch unmittelbar danach setzte der Sommer mit ungeahnter Heftigkeit ein, sodass im Juli und August eine rekordverdächtige Anzahl von Hitzetagen gezählt wurde – statistisch gesehen war der Sommer 2013 sogar einer der fünf heißesten des letzten Jahrhunderts. Als viele Weinbauern schon eine allzu frühe Lese befürchteten, stellten die Reben aufgrund der Hitze und Trockenheit die Vegetation dann mehr oder weniger ein, was sich später als günstig erweisen sollte. Auch die angesprochene Feuchtigkeit des Bodens hat zum Überleben der jungen Rebgärten beigetragen.Einige Regenfälle Anfang und Ende September sorgten dann auch für ein gewisses Nass von oben: Dieser Umstand, gepaart mit weit kühleren Nachttemperaturen als in den Vorjahren, war letztlich dafür verantwortlich, dass die erwartete physiologische Reife problemlos erlangt wurde. Auch war der Krankheitsdruck recht gering, sodass in der Regel vollkommen gesundes Traubengut eingebracht werden konnte. Trotz der ausgedehnten sommerlichen Hitzewelle sind die Weißweine sehr ausdrucksstark und fruchttief ausgefallen, und dies bei relativ hohen Säurewerten, sodass im Allgemeinen ebenso elegante wie harmonische Gewächse zu erzielen waren, die sich seit dem Jungweinstadium auch kontinuierlich in eine sehr charmante und schöne Geschmacksrichtung entwickelt haben.

Bestechende Veltliner, nervige Rieslinge

Durch das erwähnte Verrieseln der Blüteansätze haben sich etwa für den Grünen Veltliner zahlreiche kleine Beeren ohne Kern – sogenannte Jungfernbeeren – ausgebildet, welche zusätzliche Süße erbrachten, sodass insgesamt verblüffend kompakte und fruchtbetonte Grüne Veltliner möglich waren – hier ist sogar der Vergleich mit dem großartigen Jahrgang 1999 angebracht. Im Unterschied zu den beiden Jahrgängen 2011 und 2012 sind auch schon die springlebendigen, leichteren Exemplare bestens gelungen und sehr feingliedrig, aber auch die hochgradigen Premiumweine versprechen Großes für die Zukunft; die Lagerfähigkeit sollte garantiert sein.Die Rieslinge haben zwar relativ spät die erwünschte Zuckergradation erreicht, scheinen sich aber ebenfalls kontinuierlich auszubauen und satte Steinobstfrucht mit überaus rassiger Säurestruktur zu verbinden; dennoch waren gewisse Säurekorrekturen nur bei den leichteren Varianten notwendig (und sinnvoll).Die steirischen Sauvignons sind etwas leichter als zuletzt ausgefallen, besitzen aber schöne Definition und kristallklare Fruchtaromen, wobei die kräftigeren Repräsentanten auch durchaus für die längere Lagerung geeignet sein sollten. In allen österreichischen Anbaugebieten schwierig war die Situation für den Gelben Muskateller, da das Zeitfenster zwischen Unreife und durch Krankheiten bedingten Lesedruck vielerorts einfach zu kurz war. Wiederum gut gelungen ist die aus Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay bestehende Burgunderfamilie, was auch für die Südbahn-Raritäten Zierfandler und Rotgipfler uneingeschränkt zutrifft – hier bieten sich etwa Vergleiche mit dem sehr geschliffenen und klaren Jahrgang 2007 an. Vielleicht so gut wie noch nie in der weinbaulichen Neuzeit ist die Wagramer Seltenheit Roter Veltliner geraten, die diesmal mit Fülle und überbordenden Fruchtnuancen glänzt und zu Recht ihre verdiente Renaissance erfährt.An dieser Stelle sei für die trockenen Weißweine zusammenfassend noch einmal ausdrücklich festgehalten, dass trotz des hitzigen Sommers sehr ausgeglichene, den österreichischen Weißweincharakter bestens wiedergebende Kreszenzen auf den Markt kommen werden, die keinerlei Symptome von Trockenstress oder eines "Hitzejahres" aufweisen. Vergleiche mit solchen Jahrgängen, wie sie sich beispielsweise 2000, 2003 und in gewisser Weise auch 2011 ergeben haben, wären daher von vornherein verfehlt.Noch etwas zu früh käme eine Prognose für den Sektor der Dessertweine, zumal Eisweine nur während einiger weniger Tage im Dezember oder Ende Januar möglich waren und insgesamt die Süßweinmenge aufgrund der spät und zögerlich einsetzenden Botrytis auch recht spärlich ausgefallen ist. Aber aus den Jahrgängen 2010 bis 2012 sollte es ja immerhin noch ausreichende Bestände geben.


Print-Artikel erschienen am 23. Mai 2014
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34-35





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Dokument erstellt am 2014-05-23 18:10:58
Letzte nderung am 2016-03-30 02:13:43



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