• vom 23.05.2015, 17:27 Uhr

Wein

Update: 24.05.2015, 18:03 Uhr

WeinZeit

"Der Weinbau hat mich bescheiden gemacht"




  • Artikel
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Nach verhältnismäßig kurzer Aufbauphase zählen die beiden Weingüter "Rotes Haus" und "Mayer am Pfarrplatz" heute zu den renommiertesten Weinbaubetrieben der österreichischen Bundeshauptstadt.

Hans Schmid am Wiener Nußberg im Weingarten.

Hans Schmid am Wiener Nußberg im Weingarten.© privat Hans Schmid am Wiener Nußberg im Weingarten.© privat

Als der Wiener Unternehmer mit Kärntner Wurzeln, Hans Schmid, zu Beginn des neuen Milleniums rund 60jährig in die Weinbranche einstieg, hatte er den Zuverdienst ganz sicher nicht nötig. Längst hatte er es, wie man hierzulande so schön sagt, zu etwas gebracht. Unter anderem als Inhaber der international tätigen Werbeagentur GGK und Gründer von diversen Medien, darunter ein Gourmetperiodikum, hatte er sich schon zuvor einen bedeutenden Stellenwert in der jüngeren Wiener Unternehmensgeschichte gesichert.

Wir sitzen gemütlich über den Dächern Wiens bei einem Gläschen Riesling in seinem Sky Restaurant in der Wiener Kärntner Straße, als Hans Schmid mir schildert, wie er zum Weinbau gekommen ist: nämlich "durch Zufall", wie er sagt. Als ihm im Jahr 2001 das "Rote Haus", ein kleines Gebäude mit hinreißendem Ausblick am Wiener Nußberg, zum Kauf angeboten wurde, konnte er ganz einfach nicht widerstehen. Drei Hektar Weingärten rundherum kamen damals ebenso in seinen Besitz. Alsbald konnte er den Wiener Topwinzer Fritz Wieninger dafür gewinnen, die von seiner Scholle stammenden Weintrauben zu edlem Rebensaft zu verarbeiten.

Im Heurigengebäude von Mayer am Pfarrplatz befand sich eine der zahlreichen Wiener Wohnungen Ludwig van Beethovens.

Im Heurigengebäude von Mayer am Pfarrplatz befand sich eine der zahlreichen Wiener Wohnungen Ludwig van Beethovens.© Johann Werfring Im Heurigengebäude von Mayer am Pfarrplatz befand sich eine der zahlreichen Wiener Wohnungen Ludwig van Beethovens.© Johann Werfring

Etliche Jahre nach Gründung des Weinguts Rotes Haus, so Schmid, kam "wiederum durch Zufall" ein weiteres Weingut in seinen Besitz: Franz Mayer, Inhaber des Weinguts Mayer am Pfarrplatz sowie des gleichnamigen berühmten Heurigen am Pfarrplatz in Wien-Döbling suchte einen Betriebsnachfolger. Freilich war es aus Mayers Sicht keineswegs Zufall, dass er seine Besitzungen Hans Schmid antrug, denn er trachtete danach, sein Lebenswerk in kompetente Hände zu übergeben. Mit dem Verkauf von Weingut und Heurigen an Hans Schmid konnte sich Mayer sicher sein, dass seine Aufbauarbeit erfolgreich fortgesetzt würde. Durch die Übernahme des Weinguts "Mayer am Pfarrplatz" war Schmid mit einem Schlag zum Inhaber eines der wirtschaftsmächtigsten Weinbaubetriebe der Bundeshauptstadt aufgerückt.

Werbung

Die Weingärten der Schmid'schen Weingüter befinden sich in hervorragenden Lagen am Nußberg, am Schenkenberg und in Alsegg. Ein Händchen bewies Schmid bei der Auswahl seines Teams. Nachdem ihn, wie erwähnt, in den Anfangsjahren Fritz Wieninger unterstützt hatte, verpflichtete er nach Übernahme von Mayer am Pfarrplatz im Jahr 2007 für einige Zeit den Weinexperten Willi Balanjuk als Manager, der ihn davon überzeugte, dass der junge, aus Niederösterreich stammende Winzer Gerhard J. Lobner für die betriebliche Leitung der geeignete Mann sei. Als Kellermeisterin fungiert nach wie vor Barbara Wimmer, die schon unter der Betriebsführung von Franz Mayer gute Dienste geleistet hatte. Ein wichtiger Schritt zur Qualität war auch das Engagement des Önologen Dr. Dragos Pavelescu.

Mittlerweile ist Schmid mit seinen beiden Weingütern Mitglied der renommierten WienWein-Gruppe. Die Rebensäfte, nicht wenige in herrlich mineralischer Ausprägung, erzielten bei den führenden Weinguides hohe Punktewertungen und haben auch schon so manche Bewerbe gewonnen. Vor allem hat sich Schmid mit seinen Rieslingen und Gemischen Sätzen einen Namen gemacht, aber auch Grüner Veltliner und Chardonnay genießen hohes Ansehen. In den letzten Jahren konnte sich der "Riesling Weißer Marmor" vom Weingut Mayer am Pfarrplatz den Stellenwert als einer der allerfeinsten Sortenvertreter des Landes sichern. Mitunter gibt es vom Riesling auch feine Prädikatsweine und auch die schon von Franz Mayer forcierte Traminer-Tradition wird hochgehalten.

Seine Leidenschaft für den Wein, so Schmid, habe sich in seiner Studentenzeit herausgebildet, als er gemeinsam mit Studienkollegen die Wiener Heurigenszene frequentierte. Als er später auf Unternehmersfüßen wandelte, vertiefte sich diese Passion, denn nun netzte er seinen Gaumen immer wieder auch mit pipifeinen Tröpfchen als aller Herren Länder. Zu seinen gustatorischen Vorlieben zählen vor allem die Sorten Riesling und Grüner Veltliner, aber auch das edle Fruchtspiel des Traminers weiß er besonders zu schätzen.

Nach 14jähriger Erfahrung als Weingutsbesitzer habe er auch allerlei Einsichten für sein Leben gewonnen: "Der Weinbau hat mich bescheiden gemacht", sagt Schmid, er habe zusehends die Einsicht gewonnen, "dass man die Natur nicht zwingen kann, sondern verantwortungsvoll mit ihr umgehen muss". Und noch ein Gedanke sei ihm bei beschaulichen Grüblereien am Wiener Nußberg gekommen: "Der liebe Gott hat mich nicht auf die Welt geschickt, um Gewinne zu maximieren".

Artikel erschienen am 23. Mai 2015
in der "Wiener Zeitung"-Verlagsbeilage "WeinZeit", S. 16–17




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-05-24 17:31:43
Letzte ńnderung am 2015-05-24 18:03:33



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die vielfältigen Geschmäcker von Verjus

Werbung



Werbung



Werbung