• vom 11.12.2015, 07:00 Uhr

Wein

Update: 20.12.2015, 23:58 Uhr

Weinjournal

Die großen Lagen von Loiben bis Weißenkirchen




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Von Johann Werfring

  • Wachau Teil 1:
  • Die vielleicht schönste Kulturlandschaft Österreichs, das Flusstal der Wachau, wird in ihrem Herzstück seit Jahrhunderten vom Weinbau geprägt. Schon früh erkannt wurde die Bedeutung der einzelnen Lagen als wohl wichtigstem Bestandteil des Wachauer Terroir.

Der Loibenberg, wo – je nach Höhenlage und Bodenart – der Charakter der Weine erheblich differiert. - © Monika Loeff

Der Loibenberg, wo – je nach Höhenlage und Bodenart – der Charakter der Weine erheblich differiert. © Monika Loeff



Die Ried Achleiten, die zum Teil vom schwarzen Vulkangestein des Amphibolit geprägt wird, aber keineswegs homogen ist. Die hier gedeihenden Weine weisen eine unverwechselbare Mineralik auf.

Die Ried Achleiten, die zum Teil vom schwarzen Vulkangestein des Amphibolit geprägt wird, aber keineswegs homogen ist. Die hier gedeihenden Weine weisen eine unverwechselbare Mineralik auf.© ÖWM / W. Gamerith Die Ried Achleiten, die zum Teil vom schwarzen Vulkangestein des Amphibolit geprägt wird, aber keineswegs homogen ist. Die hier gedeihenden Weine weisen eine unverwechselbare Mineralik auf.© ÖWM / W. Gamerith

Als in den ausgehenden 1970er Jahren in Österreich so etwas wie ein Lagenbewusstsein erwachte, waren die Wachauer Winzer die Ersten, die bestimmte Riednamen auf dem Flaschenetikett vermerkten. Dies gilt speziell auch für den Osten dieses Talabschnittes, gleich östlich von Krems, wo eine sanfte Biegung der Donau die sogenannte Loibner Scheibe geformt hat, auf der sich die Weinbauorte Unterloiben, Oberloiben und Dürnstein befinden. Gegen Süden und Osten ist dieser Halbkreis offen, sodass die warmen Luftmassen ungehindert einströmen können und der pannonische Klimaeinfluss regelmäßig für recht druckvolle, ja zuweilen wuchtige Weißweine voll Saft und Kraft sorgt.

Aber auch hier gibt es Ausnahmen und Exklaven. Als eine solche kann man die beeindruckende Riede Steinertal ansehen, eine terrassierte reine Südlage, die vom verwitterten Gneis geprägt wird. Relativ hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sorgen im Verein mit der Bodenstruktur für höchst individuelle Weine mit zarter Pfirsich- und Zitrusfrucht und einer rassigen Säurestruktur, die sie deutlich von anderen Loibner und Dürnsteiner Weinen unterscheidet. Die charakteristischste Lage bildet zweifellos das beeindruckende Amphitheater des Loibenbergs, der die größte zusammenhängende Wachauer Lage bildet und sich von 220 Meter bis auf eine Höhe von 420 Meter erstreckt. Klarerweise ist eine derart große Lage heterogen beschaffen. Zwar finden sich zum Teil die bekannten Gneis-Verwitterungsböden, doch sind gewisse Abschnitte auch von einer relativ hohen Lössauflage geprägt. Sehr schön ist dies im Herbst erkennbar, wenn sich die Blätter der Terrassen mit magerem Boden schon gelb gefärbt haben, während die Löss-dominierten Teile in sattem Grün prangen. Je nach Höhenlage und Bodenart differiert der Charakter der Loibenberg-Weine erheblich.


Im Westen schließt dann das Dreieck des Höhereck an, eine felsig-steinige Riede mit schmalen Terrassen auf kargem Grund. Die Weine vom Höhereck gehen eher in eine filigrane Richtung, zumal durch den angrenzenden Mentalgraben auch kühle Luft talwärts strömt. Diese beeinflusst auch die am Fuße des Höhereck liegende berühmte Lage Schütt, die zu einem Synonym der Weine des Produzenten Emmerich Knoll geworden ist. Wie der Name sagt, resultiert die Schütt aus einem Schüttkegel des Mentalbaches, weshalb dort auf sandigem Grund ungewöhnlich grobe Gesteinsbrocken zu finden sind. Diese bewirken eine ungewöhnliche Würzenote, die zuweilen sogar an Sauvignon Blanc erinnert, und überaus rassige und haltbare Kreszenzen.  Abgeschlossen wird das östliche Wachaugebiet schließlich durch den Dürnsteiner Kellerberg, der sich oberhalb des wunderbar restaurierten barocken Kellerschlössels erhebt und von Südwesten nach Südosten windet. Auch hier gibt es hin und wieder Lösseinsprengsel, doch dominiert der Gföhler Gneis, der ganz fein sedimentiert ist und wunderbar elegante wie fruchttiefe Weine mit zarten Steinobstaromen ergibt, die auch viele Jahre halten können. Wer immer in der Wachau Rang und Namen hat, versucht hier Weingärten zu erlangen; als Altmeister am Kellerberg kann sicherlich Franz Xaver  Pichler gelten.

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Weinjournal, Wein, Wachau

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Dokument erstellt am 2015-12-14 13:52:46
Letzte nderung am 2015-12-20 23:58:02



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