• vom 08.04.2016, 08:00 Uhr

Wein

Update: 17.10.2016, 21:45 Uhr

Weinjournal

Natürlich sprudelt der Wein




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  • Erst spät hat sich die österreichische Weinszene mit den in ganz Europa im Trend liegenden sogenannten Natural Wines befasst. Die beiden jungen Wiener Vinotheken Vinonudo und Weinskandal beschäftigen sich hingegen ausschließlich mit diesen "Naturweinen".

Dominik Portune hat sich in seinem "Vinonudo" unter anderem auf italienische Naturweine spezialisiert. - © Johann Werfring

Dominik Portune hat sich in seinem "Vinonudo" unter anderem auf italienische Naturweine spezialisiert. © Johann Werfring

Moritz Herzog bietet im "Weinskandal" neben ausgefallenen österreichischen Weinen auch Raritäten aus Frankreich an.

Moritz Herzog bietet im "Weinskandal" neben ausgefallenen österreichischen Weinen auch Raritäten aus Frankreich an.© Johann Werfring Moritz Herzog bietet im "Weinskandal" neben ausgefallenen österreichischen Weinen auch Raritäten aus Frankreich an.© Johann Werfring

Am Anfang steht hier leider nicht das Wort, sondern die Begriffsverwirrung. Natural Wines, Orange Wines, Amphorenweine, biologisch und biodynamisch erzeugte Produkte werden im Sprachgebrauch nach wie vor bunt durcheinander gemischt. Eine Auftrennung dieses "Bezeichnungs-Knäuels" ist nicht ganz einfach, aber jedenfalls einen Versuch wert.

Viele Begriffe, eine Grundidee

Beginnen wir mit dem einfachsten Aus- druck, nämlich dem des biologisch erzeugten Weines, für den es klare EU-Richtlinien gibt und dem mittlerweile immerhin mehr als zehn Prozent des österreichischen Weinbaus zugeordnet werden können. Endlich gibt es auch eine, wenn auch recht weitherzige EU-Norm, was die Kellerwirtschaft für organisch-biologisch erzeugte Gewächse betrifft. Einen Schritt weiter gehen jene Weingüter, die sich dem biologisch-dynamischen Weinbau nach dem Denkmodell von Rudolf Steiner verschrieben haben und ihre Reben beispielsweise mit Kompost und biodynamischen Präparaten stärken. Demeter und die "Respect"-Vereinigung gehören zu diesen biodynamischen Zertifizierungen.

Information

Vinonudo
1070 Wien, Westbahnstraße 30
Tel. 0650/821 55 52
http://vinonudo.at

Weinskandal

1030 Wien, Ungargasse 28 (im Hof)
Tel. 0664/446 83 85
www.weinskandal.at

Orange Wine, der als neue, vierte Weinfarbe des Öfteren auf den Weinkarten erscheint, ist im Grunde Weißwein, der wie Rotwein länger auf der Maische vergoren wird, wobei die Dauer sehr unter- schiedlich ist. Diese intensive Mazeration bewirkt eine dunkelgelbe bis karamellige Tönung und einen kräftigen Gerbstoffgehalt. Eben diese Merkmale sind auch für geübte Weißweintrinker noch recht ungewohnt. Wenn dann noch eine mehr oder weniger starke Oxidation mit Apfelmosttönen hinzutritt, erscheint das Orange aber eher "verpatzt". Nach einem uralten georgischen Verfahren werden Trauben auch in Amphoren, im Original Kvevri genannt, vergoren, die in der Erde vergraben werden. Zumindest bis zum Frühjahr bleiben die Weine ohne jede Pressung darin; der Winzer kann somit auf die Entwicklung keinerlei Einfluss nehmen.

Die Hinwendung zu "Natural Wines" zeugt hingegen von einer bestimmten Denkweise, der freilich (zumindest) die organisch-biologische Bewirtschaftung der Weingärten vorausgeht. Danach versuchen die Winzer in der Weinbereitung sozusagen "laissez faire", also mit möglichst wenigen Eingriffen auszukommen. Bei dieser schonenden Vinifikation sind Aufzuckern und Entsäuern des Mostes sowie die Zugabe von Reinzuchthefen, Enzymen, Gummiarabicum und weitere Hilfsmittel verpönt. Die Geister scheidet hingegen die Verwendung des Schwefels, denn während die einen nicht ohne kleine Schwefelgabe auskommen möchten, betonen die anderen das Fehlen dieses Stabilisierungsmittels.

Nackte Weine: Vinonudo

In der Wiener Westbahnstraße hat Dominik Portune vor Kurzem seine Vinothek eröffnet, die sich ausschließlich mit "Natural Wines" befasst. Darunter sind klarerweise typische Orange Wines, wie die Erzeugnisse von Aleks Klinec aus dem slowenischen Görzer Hügelland, der diese Ausdrucksform kompromisslos anwendet. Relativ konventionell wirken dazu im Vergleich die fruchtbetonten Weine der Südtiroler Güter Garlider und Pranzegg. Von den österreichischen Naturweinpionieren sind beispielsweise der Steirer Sepp Muster und der Golser Claus Preisinger im Angebot, weitere interessante Rotweine gibt es von friulanischen und venetischen Weingütern.

In der Natur der Rotweinbereitung liegt es, dass sich die aus blauen Trauben erzeugten "Naturweine" oft kaum von jenen aus konventionellem Wein- bau unterscheiden. Dies gilt für die sehr empfehlenswerten piemontesischen Gewächse von Eugenio Bocchino und für Le Boncie aus dem Chianti-Gebiet ebenso wie den andalusischen Geheimtipp Barranco Oscuro. Sie vermissen bekannte Namen? Hier sind zwei, nämlich die Trentiner Qualitätspionierin Elisabetta Foradori und Altmeister Emidio Pepe mit seinen roten Kraftpaketen aus den Abruzzen.

Kein Skandal bei Weinskandal

In einem Hinterhof der Ungargasse ist der "Weinskandal" getaufte Weinhandel von Moritz Herzog gelegen, der sich schon längere Zeit konsequent mit diesem Weintyp beschäftigt und bereits auf ein breites Sortiment verweisen kann. Dieses listet unter anderem Weingüter aus den bei uns selten an- zutreffenden Appellationen Loire und Jura auf, aber auch burgundische Güter. Die Ursprünge von Moritz Herzog liegen aber im südfranzösischen Roussillon, wo er mit den Ideen und Weinen von Gérard Gauby und Tom Lübbe in Kontakt kam. Gemeinsam mit drei Weggefährten hat er dann das Weingut Riberach gegründet, dessen Erzeugnisse mittlerweile in der Naturweinszene bestens verankert sind. Das Ziel von Riberach sind möglichst präzise, kühle Weine, die klare Frucht widerspiegeln. Dazu wird auf Spontanvergärung und Ganztraubenpressung gesetzt, wobei der Ausbau nur im gebrauchten, groß- en Holzfass erfolgt. Schiefer- und Granitböden geben den zum Teil 100 Jahre alten Rebstöcken viel Spannung und Ausdruck mit, was für die feingliedrigen Weißen ebenso gilt wie für die eleganten Roten.

Weitere Stars im Angebot sind das befreundete südfranzösische Weingut Matassa und die unter Comando G firmierenden jungen Spanier. Sizilien vertritt Arianna Occhipinti, das Beaujolais die Domaine Descombes. Aus österreichischen Gefilden sind einige Pioniere des "Naturweins" präsent, etwa Franz Strohmeier, aber auch Newcomer wie Matthias Warnung; beachtlich ist auch die Selektion der Golser Pannobile-Gruppe.

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Print-Artikel erschienen am 8. April 2016
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34–35




Schlagwörter

Weinjournal, Wein, Biowein

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2016-04-09 01:33:04
Letzte nderung am 2016-10-17 21:45:57



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