• vom 02.09.2016, 00:00 Uhr

Wein

Update: 30.10.2016, 14:00 Uhr

Weinjournal

Elegante austriakische Rarität




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Von Johann Werfring

  • Der Sankt Laurent gilt, wie Blaufränkisch und Zweigelt, als autochthone österreichische Rebsorte. Obwohl er im Vergleich mit den anderen angestammten Gewächsen wenig angebaut wird, hat er ein nicht zu unterschätzendes Potenzial.

Birgit Braunstein, empfindsame Sankt-Laurent-Erzeugerin aus Purbach am Neusiedler See. - © Wolfgang Kiechl

Birgit Braunstein, empfindsame Sankt-Laurent-Erzeugerin aus Purbach am Neusiedler See. © Wolfgang Kiechl

Propst Bernhard Backovsky (Stift Klosterneuburg), Förderer des Sankt Laurent.

Propst Bernhard Backovsky (Stift Klosterneuburg), Förderer des Sankt Laurent.© Jürgen Skarwan Propst Bernhard Backovsky (Stift Klosterneuburg), Förderer des Sankt Laurent.© Jürgen Skarwan

Rund 780 Hektar Sankt Laurent sind derzeit in austriakischen Gefilden zu finden. Das entspricht 1,7 Prozent der gesamten Weinanbaufläche des Landes, wohingegen die Paraderotweinsorten Zweigelt mit 14,11 Prozent und Blaufränkisch mit 7,03 Prozent ungleich stärker vertreten sind. Immerhin konnte sich der Sankt Laurent behaupten, denn in den 1950er Jahren beinahe ausgestorben, hat die Sorte zuletzt eine gewisse Renaissance erlebt, wozu die guten Bewertungen bestimmter Formate bei diversen Prämierungen nicht unwesentlich beigetragen haben dürften.

Dass die Sorte trotz ihres guten Potenzials nicht übermäßig verbreitet ist, hängt damit zusammen, dass sie weingärtnerisch als nicht ganz unkompliziert gilt, ist sie doch einigermaßen frostempfindlich und neigt in erheblichem Maße zum Verrieseln (was mit Mengenverlust verbunden ist). In der Tattendorfer Riede Stiftsbreite, wo sich mit 40 Hektar Anbaufläche der weltweit größte zusammenhängende Sankt-Laurent-Weingarten befindet, sieht es heuer recht trist aus, denn das Weingut Stift Klosterneuburg als deren Besitzer musste dort infolge der Spätfröste im April einen Totalausfall hinnehmen.

Das Stift Klosterneuburg ist mit der Geschichte des Sankt Laurent untrennbar verbunden. Zwar ist die Urheimat des Sankt Laurent heute nicht mehr zu eruieren (es gibt einige unbewiesene Spekulationen darüber), gesichert ist jedoch, dass die Klosterneuburger Mönche für dessen Verbreitung gesorgt haben. Nachvollziehbar ins Licht der Geschichte tritt die Sorte im Jahr 1863, als der legendäre Direktor der Klosterneuburger Landesversuchsanstalt für Weinbau, August Wilhelm Freiherr von Babo, diese als "St. Laurenz-Traube" auswies.

Auch die Entwicklung einer eigenständigen Sorte Sankt Laurent ist nicht völlig nachvollziehbar. Nach heutigem Wissensstand handelt es sich um die Auskreuzung einer Burgunderrebe mit einer bis dato unbekannten, möglicherweise nicht mehr existenten Rebe. Was nun den Namen betrifft, so gilt der Tag des heiligen Laurentius als maßgebliches Datum, zumal die beginnende Reife der Sankt-Laurent-Trauben in durchschnittlichen Jahren am Festtag des heiligen Laurentius, mithin am 10. August, einsetzt. Beweisen lässt sich diese Namensherleitung freilich auch nicht. Gänzlich im Reich der Fantasie ist indes das zuweilen vorgebrachte Histörchen zu verorten, wonach der Name damit zu tun habe, dass die frühreifenden Sankt-Laurent-Trauben in den heißen Augusttagen von der Sonnenglut gebraten werden, ebenso wie der heilige Laurentius im 3. Jahrhundert auf dem Bratenrost der Römer sein Martyrium erdulden musste.

Wegen seiner frühen Reife (und frühen Lese) bildet der Sankt Laurent nicht übermäßig viel Zucker aus, weshalb der natürliche Alkoholgrad selten über 13 Volumsprozent liegt. Was wiederum eine Voraussetzung für die Kelter von eleganten Weinen ist. Die Tanninstruktur ist gut, weshalb Sankt-Laurent-Weine ein entsprechendes Lagerpotenzial haben. Vom Bukett her ist prägnante Dunkelfrucht, oft nach Brombeeren, zuweilen auch nach Heidelbeeren und ausgereiften Weichseln zu konstatieren, das Säuregerüst ist vital.

Am stärksten verbreitet ist die Sorte im Nordburgenland und in der Thermenregion südlich von Wien. Am intensivsten bemühen sich, neben dem bereits angesprochenen Weingut Stift Klosterneuburg, die Winzer der Thermenregion um das Image der Sorte. Wie erwähnt, gedeiht dort in der Tattendorfer Riede Stiftsbreite auch der Sankt Laurent des Klosterneuburger Stiftsweingutes. Dessen "Sankt Laurent Ausstich" (ab Hof 10 Euro) wird idealerweise im großen Holzfass ausgebaut und bringt solcherart die Sortentypizität trefflich auf den Punkt. Wesentlich druckvoller präsentiert sich die stiftliche Sankt Laurent Reserve, die nur in großen Rotweinjahrgängen gekeltert wird und beträchtlich lange in Barriques heranreift (ab Hof 20 Euro).

Herausragend unter den Qualitäten der Thermenregion ist nach Meinung vieler Experten der Sankt Laurent Holzspur vom Tattendorfer Johanneshof Reinisch, aber auch die Premiumformate von Leopold Auer (Tattendorf ) und vom Freigut Thallern bei Gumpoldskirchen gelten als exzeptionell. In Tattendorf haben sich die Winzer neuerdings den heiligen Laurentius als Schutzpatron für ihren Sankt Laurent erkoren und diesem einen Weinwanderweg gewidmet.

Rund um den Neusiedler See findet der Sankt Laurent ebenso einige Beachtung. In Gols haben sich Gerhard Pittnauer und Axel Stiegelmar (Weingut Juris) mit ihren gediegenen Sortenvertretern einen Namen gemacht. Einen hohen Stellenwert hat der Sankt Laurent auch im Purbacher Bio-Weingut von Birgit Braunstein, die ihren Sankt Laurent in der vorzüglichen Lage Goldberg anbaut und in 500-Liter-Gebinden keltert. Die schonende Ausbauweise sorgt für gediegene, elegante und zugleich fruchttiefe sowie würzige Gewächse, wie ich mich anhand von Kostschlucken der Jahrgänge 2009 und 2011 kürzlich überzeugen konnte. Ein Insidertipp unter den Sankt-Laurent-Erzeugern des Nordburgenlandes ist der Individualist Rolf Pretterebner aus Zagersdorf, der durchaus als Weinphilosoph angesprochen werden darf. Außergewöhnlich feine Qualitäten produziert Hannes Schuster in Sankt Margarethen. Dass der Sankt Laurent auch im Mittelburgenland, wo die Sorte ganz wenig angebaut wird, funktioniert, hat jüngst Anton Hundsdorfer aus Neckenmarkt mit einem preiswerten Bilderbuchklassiker des Jahrgangs 2013 unter Beweis gestellt.

Last but not least sei noch das Weinbaugebiet Carnuntum ins Treffen geführt, wo etwa Philipp Grassl und Walter Glatzer mit ihren reinsortigen Sankt- Laurent-Formaten auf sich aufmerksam gemacht haben. Bemerkenswerterweise wird die Sorte in diesem Gebiet oft in trinkvergnüglicher Weise als Klassiker ausgebaut.

Zum Teil erfüllt der Sankt Laurent in österreichischen Betrieben auch in Cuvées eine harmonisierende und stützende Rolle. Am stärksten konnte er bislang jedoch in reinsortiger Ausbauweise in Szene gesetzt werden. Erwähnt sei schließlich noch, dass der Sankt Laurent – gemeinsam mit dem Blaufränkischen – im Jahr 1922 bei der Züchtung der hierzulande mittlerweile am meisten angebaute Rotweinsorte, namentlich dem Zweigelt, als Kreuzungspartner fungierte.

Print-Artikel erschienen am 2. September 2016
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 20–21

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-09-11 23:07:53
Letzte nderung am 2016-10-30 14:00:17



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