• vom 04.11.2016, 01:10 Uhr

Wein


Weinjournal

Kreationen aus Weinfässern




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Von Johann Werfring

  • Wenn Fässer als Lagerbehältnisse ausgedient haben, entstehen mitunter erstaunliche Dinge daraus.

"The Cooking Spoon" der Firma "BarriqueAffairs GmbH". - © Florentina Klampferer

"The Cooking Spoon" der Firma "BarriqueAffairs GmbH". © Florentina Klampferer

Seine aus dem Keller ausgemusterten Barriquefässer verkauft Kurt Feiler üblicherweise zum Preis von 50 Euro an Weinbegeisterte, die sie dann als "Dekofässer", etwa in ihrem eigenen Kellerstübchen, weiterverwenden. Die Nachfrage, so Feiler, sei enorm. Neuerdings kooperiert der renommierte Winzer aus Rust am Neusiedler See zunehmend mit Firmen, die professionell aus Fassdauben nützliche oder dekorative Dinge herstellen.

Seit kurzem gibt es in Wien-Hietzing die von Michael Mass und Ludwiga Drucker ins Leben gerufene Firma "BarriqueAffairs GmbH", die sich auf die Erzeugung von Luxus-Kochlöffeln aus Weinfässern spezialisiert hat. Die Anregung dazu erhielt Mass durch die Information, wonach man einen Kochlöffel beim Kochen nicht im Topf lassen solle. Er folgerte daraus, dass Kochlöffel, die aus Weinfässern hergestellt würden, so sie im Topf verblieben, durchaus angenehme Aromen abgeben würden, nämlich jene des Weins, mit dem das Holz in Berührung gekommen ist.

Information

The Cooking Spoon
barriqueaffairs.com
Tel. 0664/450 38 00

Markus Wiesinger
Schneidbretter, Möbel und
Accessoirs aus Weinfass-Dauben

Geschäft: 7071 Rust/Neusiedler See, Kircheng. 6
Tel. 0699/1127 8576
"The Cooking Spoon" ist aus Barriques von namhaften österreichischen Winzern hergestellt.

"The Cooking Spoon" ist aus Barriques von namhaften österreichischen Winzern hergestellt.© Florentina Klampferer "The Cooking Spoon" ist aus Barriques von namhaften österreichischen Winzern hergestellt.© Florentina Klampferer

Es sei dies die eigentliche Geburtsstunde der Firma gewesen, wenngleich zunächst noch etwas scherzhaft mit der Idee umgegangen wurde. Als Mass einem Freund davon erzählte, meinte dieser, er wäre durchaus am Erwerb von Weinfass-Kochlöffeln, nämlich als Geschenke für seine Firmenkunden, interessiert. Solcherart motiviert kam es schließlich zur Kooperation mit einem steirischen Tischlereiunternehmen, das die unter dem Label "The Cooking Spoon" firmierenden Produkte erzeugt.

Eine Reihe von namhaften österreichischen Weinbaubetrieben, etwa jene von Fritz Wieninger (Wien), Gager, Gesellmann, Heinrich und Kirnbauer (Mittelburgenland), Pfaffl (Weinviertel), Schloss Gobelsburg (Kamptal) oder Sattlerhof, Tement und Winkler-Hermaden (Steiermark) konnten sich für die Kochlöffelidee begeistern und wurden Kooperationspartner. Neuerdings ist auch Kurt Feiler aus Rust am Neusiedler See mit von der Partie. "Obwohl der aus Weinfassdauben hergestellte Kochlöffel etwas sehr Exklusives ist, gibt es einen Markt dafür", sagt Feiler.

Der Endverbraucherpreis liegt bei 95 Euro. "The Cooking Spoon", der in jedem Fall in Handarbeit hergestellt ist, weist eine Gravur mit Seriennummer auf, wobei auch der jeweilige Wein, der im Fass gelagert war, dessen Jahrgang sowie das Weingut angeführt sind. Dem in einer gediegenen Kassette verpackten Kochlöffel liegt auch ein Zertifikat bei, welches dessen Echtheit bestätigt.

Wiesingers Schneidbretter aus 40 Jahre alten Weinfassdauben.

Wiesingers Schneidbretter aus 40 Jahre alten Weinfassdauben.© Markus Wiesinger Wiesingers Schneidbretter aus 40 Jahre alten Weinfassdauben.© Markus Wiesinger

Das Besondere an "The Cooking Spoon" ist die Aromaschicht, die durch den Reifungsprozess des Weines im Fass eingelagert wurde. Freilich ist hier anzumerken, dass sich der jeweilige Kochlöffel nicht für alle Arten von Gerichten eignet. Während ein Löffel, der aus einem Fass stammt, in dem kräftige Rotweine gelagert waren, etwa bei der Zubereitung eines Hirschragouts durchaus passabel zum Einsatz kommen kann, werden seine Aromen, die unter Umständen auch noch etwas von der Röstung beibehalten haben, mit den Zutaten eines zarten Dessertgerichts nicht harmonieren. Für solche Fälle hat sich Kurt Feiler schon überlegt, auch ein Fass zur Kochlöffelerzeugung beizustellen, das der Süßweinlagerung gedient hatte.

Wie auch immer, wird in Winzerkreisen mittlerweile schon davon gesprochen, dass so manches Kochlöffel-Artefakt als ausgesprochenes Sammlerstück fungieren werde, zumal die Gebinde, in denen die edlen Tröpfchen heranreiften, limitiert sind. Rund 50 Kochlöffel lassen sich aus einem Barrique herstellen. Wenn man bedenkt, dass ein neues Barrique rund 750 Euro kostet und die daraus gewonnenen 50 Kochlöffel á 95 Euro insgesamt 4750 Euro erbringen, kann (wenngleich das noch nicht den Reingewinn darstellt) durchaus von einer gelungenen Geschäftsidee gesprochen werden. Die ersten Serien von bestimmten Jahrgängen der bekannten Weine "Phantom" (Kirnbauer), "Quattro" (Gager) und "G" (Gesellmann) sind laut Internet-Spoonshop (barriqueaffairs.com) bereits ausverkauft.

Sommerliche Sitzgarnitur von Markus Wiesinger vor dem Schloss Esterházy in Eisenstadt

Sommerliche Sitzgarnitur von Markus Wiesinger vor dem Schloss Esterházy in Eisenstadt© Markus Wiesinger Sommerliche Sitzgarnitur von Markus Wiesinger vor dem Schloss Esterházy in Eisenstadt© Markus Wiesinger

Ein weiterer Altfass-Kooperationspartner von Kurt Feiler ist der im Ort beheimatete Markus Wiesinger. Vor 15 Jahren hatte dieser eine Tischler-Ausbildung gemacht, sodann jobbte er in einem Baumarkt. Nebenbei hat er aber seit Jahren in einer kleinen Werkstatt innovative Produkte aus Holz hergestellt. In letzter Zeit hat ihn immer mehr die Verarbeitung von alten Weinfässern fasziniert. Im Juni heurigen Jahres hat er sich mit diesem Fokus schließlich in Rust am Neusiedler See selbständig gemacht. Obwohl auch er Barriques (Fassungsvermögen: 225 Liter) verarbeitet, bevorzugt Wiesinger große Weinfässer mit einem Fassungsvermögen von 3000 bis 6000 Liter, wobei er neben Dauben aus Eiche gerne auch solche aus Akazie heranzieht, die sowohl bezüglich der Färbung als auch des Härtegrades gut entsprechen.

Eine Reihe von nützlichen und schönen Dingen hat er bereits ausgetüftelt. Im Sommer heurigen Jahres hat er gegenüber vom Schloss Esterházy in Eisenstadt Tische und Sessel aus Fassdauben von großen Lagerfässern ausgestellt. Die Palette reicht mittlerweile von Barhockern, Stockerln, Zigarettenetuis und Geldbörseln bis hin zu Kleiderablagen. Besonders gut, so Wiesinger, floriere das Geschäft mit Schneidbrettern aus Fassdauben. Die Bretter der hier abgebildeten Serie sind so verleimt, dass jeweils die Außen- und Innenseiten derselben Weinfassdauben eine Einheit bilden, wodurch sich ein unterschiedlicher Farbeffekt ergibt. Fassdauben-Schneidbretter mit den Abmessungen 42 x 24 cm sind mit Olivenöl behandelt und um 49 Euro pro Stück direkt beim Erzeuger zu beziehen (Info: Tel. 0699/1127 8576; Geschäft: 7071 Rust, Kirchengasse 6).

TERMINVORSCHAU
MondoVino 2016
Ort: MAK, 1010 Wien, Stubenring 5 (Eingang Weiskirchnerstraße)
Zeit: Fr, 18. November, und Sa, 19. November, jeweils 15–21 Uhr
Umfang: 220 Winzer/1400 Weine
Vorverkauf bei Wein & Co:
Tagesticket 40 Euro, Zweitagesticket: 60 Euro; Studententicket 29 Euro (49 Euro für zwei Tage)

Print-Artikel erschienen am 4. November 2016
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34–35





Schlagwörter

Weinjournal, Wein, Kulinarik

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-11-02 00:51:19
Letzte nderung am 2016-11-04 01:08:01



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