• vom 02.12.2016, 00:00 Uhr

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Önophile Hommage an die Donau




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Von Johann Werfring

  • Mit dem für den biologischen Weinbau besonders geeigneten Donauriesling ist dem Lehr- und Forschungszentrum für Wein- und Obstbau Klosterneuburg (LFZ Klosterneuburg) ein verheißungsvoller Züchtungserfolg gelungen. Die Bezeichnung für die neue Reb- und Weinsorte könnte stimmiger nicht sein.

Seinen Donauriesling hat Josef Bauer erstmals aus dem Jahrgang 2015 auf den Markt gebracht. - © Johann Werfring

Seinen Donauriesling hat Josef Bauer erstmals aus dem Jahrgang 2015 auf den Markt gebracht. © Johann Werfring

Information

Donauriesling 2015
(Weingut Josef Bauer, Großriedenthal am Wagram):

Feines blumiges Duftspiel, Akzente von Ringlotten, Orangenschalen, Zitrusfrüchten und Wildkräutern, frisch, konturiert, fest, mittleres Volumen, muskatiger Einschlag, nussige Würze, saftig, gewisse Strenge, nerviger Säurefonds.

Die Donau ist hierzulande in etlichen Weinbaugebieten für das Mikroklima, welches die Ausprägung der Weineigenschaften beeinflusst, mitverantwortlich. Folgerichtig war schon zu Kaisers Zeiten im Zusammenhang mit Rebensäften, die entlang des mächtigsten austriakischen Flusses – etwa in der Wachau, rund um Krems und weiter flussabwärts – angebaut worden waren, von "Donauweinen" die Rede gewesen. An den Gestaden der Donau, konkret in Rieden der niederösterreichischen Gemeinde Langenzersdorf, wo das Lehr- und Forschungszentrum für Wein- und Obstbau Klosterneuburg Versuchsanlagen betreibt, wurde auch die Rebsorte Donauriesling gezüchtet.

Wie schon der Name erkennen lässt, war an der Züchtung als Muttersorte der Rheinriesling (Kurzform: Riesling) beteiligt. Bei der Vatersorte handelt es sich um keine Rebsorte, sondern um eine Zuchtelite mit der Bezeichnung Fr 589-54, die aus dem Zuchtinstitut Freiburg im Breisgau stammt.

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Die intensive Kreuzungsarbeit durch die Klosterneuburger Fachkräfte war bereits im Jahr 1978 abgeschlossen. Jedoch hatte man der Neuzüchtung zunächst keine besondere Beachtung geschenkt – mit der Zeit war sie geradezu in Vergessenheit geraten. Anfang der 1990er Jahre wurde die gegenständliche Rebanlage sogar gerodet. Ferdinand Regner, heute Leiter der Abteilung Rebenzüchtung am LFZ Klosterneuburg, rettete eine letzte Selektion, brachte sie in einem neuen Selektionsquartier unter und schenkte ihr fortan erhöhte Aufmerksamkeit.

Dr. Ferdinand Regner in einem Gewächshaus für Rebsämlinge am Versuchsgut Götzhof des LFZ Klosterneuburg in Langenzersdorf.

Dr. Ferdinand Regner in einem Gewächshaus für Rebsämlinge am Versuchsgut Götzhof des LFZ Klosterneuburg in Langenzersdorf.© Johann Werfring Dr. Ferdinand Regner in einem Gewächshaus für Rebsämlinge am Versuchsgut Götzhof des LFZ Klosterneuburg in Langenzersdorf.© Johann Werfring

In weiterer Folge hatte sich die Sorte auch an weiteren österreichischen Standorten bewährt. Mittlerweile gibt es eine Anzahl von heimischen Betrieben, welche die Sorte anbauen und seit kurzem auch vermarkten. Allerdings darf der Wein zunächst nur als Rebsortenwein angeboten werden, denn die Zulassung als Qualitätsweinsorte erfordert neben intensiven Beobachtungen auch eine akkordierte politische Vorgangsweise.

Bezüglich Anbau hat der Donauriesling gegenüber dem Rheinriesling eine Reihe von Vorteilen, zumal es sich um eine "Piwi-Sorte" (mit weitgehender Pilzwiderstandsfähigkeit) handelt. Weil er gegenüber den beiden Mehltauarten sowie gegenüber Botryis wesentlich unempfindlicher ist als der Rheinriesling, sind bedeutend weniger Pflanzenschutzmaßnahmen (Spritzungen) erforderlich. Das macht ihn in erhöhtem Maße für den Bioweinbau interessant.

Ein Vorreiter punkto Donauriesling ist der Biowinzer Josef Bauer aus Großriedenthal am Wagram. Seinen ersten in Verkehr gebrachten Donauriesling aus dem Jahrgang 2015 habe ich probiert und als absolut gelungen empfunden. Freilich werden sich über die letztendlich erzielbare Qualität erst in 15 bis 20 Jahren – wenn die Reben im Boden entsprechend verwurzelt sein werden – konkrete Feststellungen machen lassen. Auch eine Aussage, ob der Donauriesling vom Potenzial her mit der Finesse von hochwertigen Rheinrieslingen mithalten kann, wird insofern erst in geraumer Zeit möglich sein. Immerhin aber hält der Wein einem Vergleich mit Rebensäften anderer (probater) Sorten, die ebenfalls aus Junganlagen stammen, durchaus stand. Eine große Stärke des Donaurieslings ist vor allem die ausgesprochene Kleinbeerigkeit, welche punkto Extrakt erhebliche Vorteile bringt.

Die Namensgebung ist übrigens aus einem Schülerprojekt des LFZ Klosterneuburg hervorgegangen. Man darf den angehenden Önologen zu dieser einfühlsamen Namensfindung recht herzlich gratulieren!

Print-Artikel erschienen am 2. Dezember 2016
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-11-26 04:56:42
Letzte nderung am 2016-11-26 05:40:08



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