• vom 13.01.2017, 00:00 Uhr

Wein

Update: 22.01.2017, 20:01 Uhr

Weinjournal

Welschriesling im Aufwind




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Von Johann Werfring

  • Der Welschriesling fristete in Österreich lange ein Mauerblümchendasein. Im Vergleich mit anderen Weißweinsorten war es um sein Ansehen bislang nicht besonders gut bestellt. Neuerdings bemühen sich innovative austriakische Weinmacher um Premiumqualitäten.

Premium-Welschrieslinge aus österreichischen Rieden.

Premium-Welschrieslinge aus österreichischen Rieden.© Johann Werfring Premium-Welschrieslinge aus österreichischen Rieden.© Johann Werfring

Der Welschriesling ist in Österreich punkto Anbaufläche nach dem Grünen Veltliner die zweitwichtigste Weißweinsorte, was vor allem damit zusammenhängt, dass er in der Regel gute Erträge erbringt und vergleichsweise wenig krankheitsanfällig sowie frostempfindlich ist. Obwohl er auch in anderen Ländern, vor allem in Serbien, Rumänien, Kroatien und Ungarn stark verbreitet ist und seine Herkunft unklar ist, gilt er – in Anbetracht der langen Anbautradition – hierzulande als heimische Sorte. In Niederösterreich, im Burgenland und in der Steiermark ist er gleichermaßen "alteingesessen".

Längst hat der Welschriesling landläufig das Image eines "einfachen", leichten, trockenen, reschen Weins, der rasch getrunken werden soll. Vor allem steirische Winzer, die ihre Welschrieslinge gern besonders säurebetont ausbauen, haben zu dieser Vorstellung von der Sorte in hohem Maße beigetragen.

Dass die Sorte im Prädikatsweinbereich in allen Qualitätsstufen, beginnend bei der Spätlese bis hin zu Trockenbeerenauslese und Essenz, hervorragende, ja geradezu weltmeisterliche Resultate liefert, ist zumindest in Fachkreisen bekannt. Ebenso ist Kennern bewusst, dass Welschriesling einen hervorragenden Grundwein für Schaumweine abgeben kann. Obwohl diese Eigenschaften der Sorte bekannt sind, wäre bis vor kurzem kaum jemand auf die Idee gekommen, dass der Welschriesling in trockener Ausbauweise auch im Premiumbereich einen erstzunehmenden Stellenwert haben könne.

Unbeachtet vom Mainstream schicken sich neuerdings findige Erzeuger an, das Potenzial des Welschrieslings verschiedenartig auszuloten. Pionierhaft hervorgetan hat sich in dieser Hinsicht der südburgenländische Winzer Uwe Schiefer aus Welgersdorf, der dem Potenzial des Welschrieslings schon seit Mitte der 1990er Jahre auf der Spur ist. "Ich habe mich von Anfang an um die angestammten Sorten in Rot und Weiß bemüht", sagt Schiefer. Seit mehr als 20 Jahren widme er sich intensiv auch dem Welschriesling. In allen möglichen Facetten, bis hin zum Premiumbereich, habe er die Sorte in all den Jahren ausgelotet. Auch mit seinen ab 1999 gekelterten maischevergorenen Welschrieslingen sei er dem erst viel später einsetzenden Trend der Orangewines und Naturalwines zuvorgekommen.

Im Burgenland (hier vor allem im südburgenländischen Ort Rechnitz) haben sich in den vergangenen Jahren vor allem junge Weinmacher zunehmend auf den Welschriesling im Premiumbereich eingelassen. Auch in der Steiermark und ansatzweise in Niederösterreich gibt es neuerdings Experimente. In einer von der "Wiener Zeitung" initiierten "gedeckten Verkostung" (ohne sichtbares Etikett) wurde nun das Gros der vorhandenen Premium-Welschrieslinge einem Test unterzogen. Vorkostet haben Daniela Dejnega (wein pur), Uwe Schögl (Vinaria), Viktor Siegl (Verkostungsleiter von Vinaria und Autor der "Wiener Zeitung"-Beilage "WeinZeit") sowie der Autor.

Von den insgesamt 18 verkosteten Premium-Welschrieslingen konnten immerhin 14 Weine – zumindest bei einem der Verkoster – zwischen 16 und 17,5 Punkte (von 20 möglichen Punkten) erreichen, und damit der Premiumstufe gerecht werden. Während in manchen Fällen durchaus unterschiedliche Standpunkte vertreten wurden, herrschte im Spitzenfeld Übereinstimmung: Judith Beck (Gols) erhielt für "Welschriesling Bambule 2014" im Schnitt mehr als 17 Punkte. Auch der aus dem Jahr 2015 stammende "Naturalwine" von Becks Bambule-Linie punktete hoch. An dritter Stelle platzierte sich Uwe Schiefer mit "Weißer Schiefer 2015" aus 95 Prozent Welschriesling und 5 Prozent Grüner Veltliner (Schiefer rundet seine Welschrieslinge meist mit geringeren Zugaben von anderen Sorten ab).

Im Spitzenfeld platzieren konnte sich mit einem halbtrockenen 2008er Welschriesling auch die Ruster Weinbäuerin Heidi Schröck. Sie hatte diesen Wein aus der Ruster Lage Greiner seinerzeit gemeinsam mit Alois Kracher (1959–2007) unter dem Label "Schröck und Kracher" initiiert. Dass Welschrieslinge als maischevergorene "Naturalwines" im Premiumbereich gut funktionieren, konnte außer Judith Beck auch Feiler-Artinger (Rust) mit seinem schwefelfrei erzeugten 2015er "O.S. Olé Bio" eindrucksvoll unter Beweis stellen. Zu den Winzern, die bei der Kost mit ihren Welschrieslingen, wie erwähnt, die 16-Punkte-Hürde meistern konnten, zählen weiters: Herist (Rechnitz) mit zwei Welschrieslingen, Weninger (Horitschon), Tement (Berghausen), Lackner-Tinnacher (Gamlitz), Uwe Schiefer mit zwei weiteren Welschriesling-Cuvées, Wohlmuth (Fresing) und rennersistas (Gols).

Alles in allem zeigte die Kost, dass die Bemühungen, den Welschriesling auf Premium-Niveau zu keltern, berechtigt sind. Wenn auch die Sorte im trockenen Ausbau nicht die Finesse etwa von hoch stehenden Rheinrieslingen, und damit das absolute Spitzenniveau, erreichen wird, so darf ihr sowohl reinsortig als auch im Verschnitt mit anderen Sorten doch einiges zugetraut werden. Unter anderem dürfte sich eine weitere Befassung mit dem Welschriesling auch deshalb lohnen, weil er als Cuvéepartner und "Aufmischer" respektive Säurebringer in "laschen Jahrgängen" gute Dienste zu leisten imstande ist. Eine Vitalisierung etwa von Grünem Vetliner vermittels Welschriesling-Zugabe in warmen Jahrgängen ist mit Sicherheit wesentlich vorteilhafter als die Anwendung der Methode des artifiziellen Aufsäuerns, welches das Weingefüge – mitunter sogar beträchtlich – ins Ungleichgewicht bringt.

Hinsichtlich des in so manchen Bereichen noch wenig ausgeloteten Potenzials des Welschrieslings sei schließlich noch die Meinung des Topwinzers Günter Triebaumer aus Rust am Neusiedler See zitiert: "Mit dem Welschriesling auch im kräftigen, lagendefinierten Bereich haben wir ein Eisen im Feuer. Auf der gehobenen Prädikatsweinseite ist diese Sorte bereits unsere Damaszenerklinge."

Print-Artikel erschienen am 13. Jänner 2017
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37

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Dokument erstellt am 2017-01-22 01:49:42
Letzte ─nderung am 2017-01-22 20:01:12



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