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Wein

Update: 17.09.2017, 22:51 Uhr

Weinjournal

Von Hunden und Katzen in der Weinlandschaft




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Von Johann Werfring

  • Im prächtigen Ambiente von Stift Dürnstein präsentierte kürzlich die Kremser Germanistin Elisabeth Arnberger ihr Buch über Riednamen aus den bedeutenden Weinbaugebieten Kamptal, Kremstal und Wachau.

Stift Dürnstein und die pittoreske Ruine Dürnstein im Hintergrund. - © Johann Werfring

Stift Dürnstein und die pittoreske Ruine Dürnstein im Hintergrund. © Johann Werfring

Als einen "Glücksfall für die Winzer" bezeichnete der bekannte Winzer Emmerich H. Knoll, Obmann des Vereins "Vinea Wachau", die nun in Buchform vorliegenden Forschungsergebnisse von Elisabeth Arnberger. Bereits im Rahmen ihrer 1970 vorgelegten Dissertation hat sich die gebürtige Kremserin der Erforschung der Riednamen ihrer Heimatgemeinde gewidmet. Nachdem sie sodann beruflich jahrelang als AHS-Professorin für die Fächer Deutsch und Latein tätig gewesen war, hat sie es in den vergangenen Jahren neuerlich auf sich genommen, sich der akribischen Arbeit zur Erforschung von Riednamen der Wachau, des Kremstales und des Kamptales zu widmen.

"Vinea Wachau"-Obmann Emmerich H. Knoll und Autorin Elisabeth Arnberger.

"Vinea Wachau"-Obmann Emmerich H. Knoll und Autorin Elisabeth Arnberger.© Vinea Wachau "Vinea Wachau"-Obmann Emmerich H. Knoll und Autorin Elisabeth Arnberger.© Vinea Wachau

Wachauer, Kremstaler und Kamptaler Winzer haben in den vergangenen Jahrzehnten besonders erfolgreich ihre Weine unter Anführung von Riedbezeichnungen vermarktet. Nicht wenige Kreszenzen mit Etiketten-Aufschriften wie Honivogl, Singerriedel, Schütt, Achleiten, Loibenberg,1000-Eimerberg oder Heiligenstein haben zum internationalen Ansehen des österreichischen Weins erheblich beigetragen. Während bislang in vielen Fällen sogar den Winzern die Bedeutungen respektive Herleitungen diverser Riednamen nicht nachvollziehbar waren, lassen sich diese nun im Buch von Elisabeth Arnberger rasch in Erfahrung bringen.

Information

Elisabeth Arnberger: Flurnamen erzählen. Über Riednamen aus den Weinbaugebieten Wachau, Kremstal und Kamptal, ihre Herkunft und Bedeutung, Verlag Vinea Wachau Nobilis Districtus, Spitz an der Donau 2017, Preis: 24,90 Euro.
In Wien erhältlich in der Buchhandlung Kuppitsch, Schottengasse 4, sowie direkt bei den Vinea Wachau, Tel. 02713/30000-12, www.vinea-wachau.at

Die Autorin hat im Zuge ihrer Forschungen eine Fülle von alten Schriftquellen sowie Pläne aus diversen Zeiträumen ausgewertet. In so manchen Fällen hat es sich zugetragen, dass Riednamen im Lauf der Zeit verfälscht und verballhornt wurden, etwa weil ortsfremde Geometer und Amtsleute die ortsüblichen Namen infolge von Hörfehlern falsch niedergeschrieben haben. Durch Vergleiche von überlieferten Namen mit der Schreibweise in diversen Quellen, aber auch durch gezielte Befragungen von Weinbauern mit eingehender Ortskenntnis, konnte die Forscherin den ursprünglichen Bedeutungen auf die Spur kommen.

Im Buch ist dem Verzeichnis der einzelnen Flurnamen eine gut nachvollziehbare Systematik vorangestellt, wobei übergeordnet zwischen "Naturnamen" und "Kulturnamen" unterschieden wird. Zu den Naturnamen zählen etwa jene Namen, die sich auf Geländeformen beziehen oder über die Beschaffenheit des Bodens informieren. Die Kulturnamen beziehen sich auf die Menschen, ihre Arbeit und ihre Kultur im weitesten Sinne.



Beim Nachschlagen wird Lesern respektive Weinfreunden zu allerlei Aha-Erlebnissen verholfen. Beim Bankett nach der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages im Jahr 1955 wurde ein Wein namens "Dürnsteiner Katzensprung" kredenzt. Im Buch können beide Namensbestandteile nachgeschlagen werden. Beim Eintrag "Dürnstein" ist zu erfahren, dass bereits der mundartliche Ausdruck "dian-šdoa" Hinweise auf die Bedeutung vermittelt. "Dian" bedeutet "Mädchen", "šdoa" bezeichnet einen Stein. Aus dem Jahr 1158 stammt die Bezeichnung "de Diernsteine", um 1200 wurde dann "Tyrenstein" daraus. Auf die Idee, dass es sich ursprünglich um einen Burgnamen mit der Bedeutung "Burg eines Mädchens am Felsen" handelte, käme ohne Nachschlagewerk wohl niemand. Beim Eintrag "Katzensprung" ist nachzulesen, dass es sich in der Gemeinde Dürnstein um einen Weingarten handelt, der so heißt, weil er nur eine geringe Entfernung (eben einen Katzensprung) vom westlichen Stadttor entfernt ist. Rieden mit dem Namen Katzensprung gibt es auch in anderen Gegenden. Der Name kann auch auf die geringe Ausdehnung des Weingartens hinweisen.

Eine einst ebenfalls beliebte Weinmarke war das "Loibner Räuschl". Im Buch ist zu erfahren, dass es sich beim Räuschl um eine der höchstgelegenen Weinbergslagen des Loibenbergs handelt. Die dort vorherrschenden Verwitterungsböden wurden bei starkem Regen oft hörbar (mithin rauschend) abgeschwemmt. Letztlich wurde aber im Sinne von "Rausch" respektive "Trunkenheit" umgedeutet. Zu jener Zeit, als diese Weinmarke kreiert wurde, waren rustikale Weinbezeichnungen österreichweit durchwegs in Mode. Bekannte Betriebe wie Stagård (Stein an der Donau) und Nikolaihof (Mautern) offerieren Weine mit der Lagenbezeichnung "Steiner Hund". Wie Elisabeth Arnberger ausführt, handelt es sich bei Weinbergslagen mit der Bezeichnung "Hund" um äußerst schwer zu bearbeitende Geländeabschnitte (abgesehen davon weiß man in Stein und Krems auch ein Histörchen von einem Hund zu erzählen, den ein Familienvater während einer Hungersnot gegen den gegenständlichen Weingarten eingetauscht haben soll). Ebenso schwer zu bearbeiten war übrigens eine Riede namens "Hauertöter" (mundartlich "haua-deta") in der Marktgemeinde Spitz; heute befindet sich an deren Stelle ein Wald.

Der klangvolle Name von so mancher Spitzenlage der Wachau, in den man viel hineingeheimnissen möchte, lässt sich durchaus simpel erklären. Beispielsweise ist "Singerriedel" mit dem einstmaligen Besitzernamen Singer zu erklären, und Riedel ist die Bezeichnung für eine rückenförmige Erhöhung im Terrain.

Alles in allem hat Elisabeth Arnberger ein Standardwerk geschaffen, das innerhalb der österreichischen Weinliteratur einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Es handelt sich nicht nur um ein nützliches Nachschlagewerk, vielmehr wird das Buch über weite Strecken auch unterhaltsame Lektüre bieten. Viele der für die berücksichtigten Gebiete relevanten Riednamen kommen auch in anderen österreichischen Weinregionen vor.

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Print-Artikel erschienen am 8. September 2017
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-11 22:09:54
Letzte ─nderung am 2017-09-17 22:51:45



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