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Update: 05.11.2017, 21:35 Uhr

Weinjournal

Weinreise durch Südtirol




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  • Südtirol – Teil 2
  • Im zweiten Teil der Rundreise durch Südtirols Weingefilde wird eine repräsentative Auswahl jener Weingüter vorgestellt, die für die beeindruckende Renaissance der Weinkultur verantwortlich sind.

Die Region Überetsch rund um den Kalterer See. - © Florian Andergassen

Die Region Überetsch rund um den Kalterer See. © Florian Andergassen

Weinlandschaft rund um Meran mit dem Schloss Lebenberg.

Weinlandschaft rund um Meran mit dem Schloss Lebenberg.© Florian Andergassen Weinlandschaft rund um Meran mit dem Schloss Lebenberg.© Florian Andergassen

Beginnen wir unsere Südtiroler Weinreise mit den fruchtbaren Südhängen des Eisacktales. Wer von Brixen südwärts fährt, wird seine Blicke zwangsläufig nach rechts richten, wo zum Teil winzige Rebflächen rund um die altehrwürdigen Bauernhöfe nahezu in die Tiefe zu stürzen scheinen. Die Vorzüge der eher schlank strukturierten, im besten Fall eleganten und rassigen Weißweine wurden in den letzten Jahren auch überregional anerkannt. Für genau diesen Weintyp stehen Erzeuger wie das Kloster Neustift der Augustiner-Chorherren, das etwa einen seltenen Riesling unter der Bezeichnung Praepositus erzeugt und das von Christian Kerschbaumer biologisch betriebene Weingut Garlider, dessen Sylvaner, Veltliner und Müller-Thurgau übrigens auch in Österreich präsent sind.

Im Etschtal, zwischen Bozen und Meran, befinden sich die die traditionsreichen Weinorte Terlan, Nals und Andrian. Der unangefochtene Leitbetrieb ist dort die Kellerei Terlan, die bereits im Jahr 1893 gegründet wurde und ihren Fokus naturgemäß auf die weißen Rebsorten gerichtet hat. Die mageren Verwitterungsböden erstrecken sich bis auf 900 Meter Höhe und sorgen Jahr für Jahr für bestechende Weißweinqualitäten, vermutlich gegenwärtig sogar die besten von ganz Südtirol, was speziell für die Lagenweine, wie den Weißburgunder Vorberg, den Sauvignon Winkl und die berühmte (und nicht ganz billige) Weißweincuvée Nova Domus gilt. Seit einigen Jahren wird auch ein Weißwein als Rarität erst nach zehnjähriger Lagerung freigegeben.

Zurück im Weichbild  der Landeshauptstadt Bozen wollen wir uns mit der  – abgesehen vom Vernatsch – einzigen einheimischen roten Rebsorte, dem Lagrein, beschäftigen. Er findet nämlich im Talkessel von Gries mit seinem Moränenschotter beste Anbaubedingungen vor. Dies beweisen Jahr für Jahr die Abtei Muri-Reserven der Klosterkellerei Muri-Gries, die aufgrund ihrer Spannkraft und des samtigen Tannins als Modellfall für Südtiroler Lagrein gelten. Neu sind Bestrebungen, auch "Mikrovinifikationen" aus ganz kleinen Subrieden hervorzubringen, die wir schon gespannt erwarten. Marktführer in der Weinszene rund um Bozen ist sicherlich die Kellerei Bozen, die erst 2001 aus einer Fusion entstanden und einer der wichtigsten Genossenschaftsbetriebe von Südtirol geworden ist. Sie bewirtschaftet Weingärten in St. Magdalena, St. Justina, Leitach und Gries, woraus sich ein großes Weinspektrum ergibt. Sehr geschätzt sind etwa die Lagrein Taber Riserva und der St. Magdalener Huck am Bach sowie der kraftvolle Cabernet Mumelter.

Im Überetsch, wie die rechts des Flusslaufs gelegenen Weinorte zusammengefasst werden, fällt eine Auswahl besonders schwer, da sich dort in den letzten Jahren eine Vielzahl verlässlicher Qualitätsbetriebe etabliert haben. Eine führende Rolle hat von Anfang an die Kellereigenossenschaft Schreckbichl nicht zuletzt aufgrund ihres legendären Obmannes Luis Raifer gespielt. Heute wird der Betrieb von seinem Sohn mit dem gleichen Engagement geleitet. Exzellent sind beispielsweise der Cabernet Lafòa und der Sauvignon aus der gleichen Lage, aber auch die Weine des mittleren und unteren Preissegments bürgen für gesicherte Qualität. Ein relativ neuer Mitspieler im Konzert der Besten ist das von Michael Graf Goëss-Enzenberg biodynamisch geführte Weingut Manincor, dessen burgähnliches Anwesen aufgrund der stilvollen Symbiose von Alt und Neu schon allein einen Besuch wert ist. Im Keller überzeugen dann der Sauvignon vom Tannenberg und der Chardonnay Sophie ebenso wie der Pinot Bianco Eichhorn und  der Pinot Nero Mason di Mason. Ebenfalls eine Vorreiterrolle für den qualitativen Neubeginn hat die große Kellerei St. Michael-Eppan gespielt. Wer einen charakteristischen Südtiroler Weißen sucht, kann wohl am Schulthauser Weißburgunder nicht vorbeigehen. Die Spitzenprodukte des Hauses laufen unter der St.Valentin-Linie, deren Sauvignon Blanc, Pinot Bianco und neuerdings auch Pinot Nero stets einen Verkostungsschluck wert sind.

Viele qualitätsorientierte Erzeuger haben ihren Sitz auch im sogenannten Unterland links der Etsch. So beispielsweise Franziskus Haas, der zurecht als Großmeister des Pinot Noir gilt, der  immerhin 60 Prozent seiner Produktion ausmacht. Bester Beweis seiner Blauburgunder-Kompetenz ist die ungemein puristische Lagenselektion Schweizer. Ebenfalls beachtlich ist die Weißweincuvée Manna; als zweites Steckenpferd von Franziskus Haas ist allerdings der eindringlich nach Rosenöl und Erdbeeren duftende Dessertwein aus Rosenmuskateller anzuführen. Ein weiterer Südtiroler Weinpionier ist Alois Lageder, der gleichzeitig mit dem Erwerb des Ansitzes Hirschprunn die Umstellung auf biologisch-dynamische Bewirtschaftung eingeleitet hat. Heute gibt es eine Dreigliederung des Sortiments in "Klassische Sorten", "Die Terroirs" und "Die Weinhöfe". Die ungebrochene Erfolgsstory dieses Betriebes haben der Cabernet Sauvignon Cor Römigberg, der Chardonnay Löwengang und der Lagrein Lindenburg begründet. Seit 1675 befindet sich die vom sympathischen Christof Tiefenbrunner geführte Schlosskellerei Turmhof im Familienbesitz. Die allerbesten Produkte bilden die Linticlarus-Serie, zu der Chardonnay, ein Pinot Noir und der rundum überzeugende Bordeauxblend Cuvée Linticlarus gehören. Die große Spezialität, die vor allem von den italienischen Weinfreunden heiß geliebt wird, ist der "Feldmarschall von Fenner":  ein reinsortiger Müller Thurgau, der auf 1000 Meter Seehöhe am Fennberg gedeiht.

Print-Artikel erschienen am 3. November 2017
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37





Schlagwörter

Weinjournal, Wein, Südtirol

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-03 20:48:27
Letzte nderung am 2017-11-05 21:35:16



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