• vom 24.11.2017, 00:00 Uhr

Wein

Update: 24.11.2017, 10:37 Uhr

Weinjournal

Alko-Testgeräte im Test




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Von Johann Werfring

  • Nicht selten sind KFZ-Lenker erheblich verunsichert, ob sie nach dem Konsum einer gewissen Alkoholmenge die gesetzlich erlaubten Promillewerte unterschreiten oder nicht. Der Handel schafft Abhilfe und offeriert eine Reihe von Testgeräten auch für den privaten Gebrauch.



Dank der Messgeräte hat das Zittern um den Verlust des Führerscheins nun ein Ende.

Dank der Messgeräte hat das Zittern um den Verlust des Führerscheins nun ein Ende.© Johann Werfring Dank der Messgeräte hat das Zittern um den Verlust des Führerscheins nun ein Ende.© Johann Werfring

Noch vor etlichen Jahren waren Geräte zur Überprüfung des Alkoholgehalts im Blut noch einigermaßen teuer. In jüngster Zeit haben die Preise nachgegeben. Da ich immer wieder auch unterwegs Wein konsumiere (was als Weinkolumnist gewissermaßen unvermeidlich ist), habe ich mich über Empfehlung eines burgenländischen Winzers zum Kauf des Alkotesters "ACE AF-33" zum Preis von 100 Euro entschlossen. Eine Anzahl von Mundstücken war beim Kauf des Geräts inkludiert.

Die Messgenauigkeit dieses Geräts wird vom Hersteller mit 97,9 Prozent angegeben, wobei auf ein Überprüfungsergebnis der Technischen Universität Wien verwiesen wird. Gemessen wird mit einem elektrochemischen Sensor. Die Bedienung ist einfach: Zum Einschalten des Geräts wird der Startknopf gedrückt. Sogleich scheinen auf dem Display im Takt von 10 Sekunden Zahlen auf. Bei Null ist ein Signalton zu vernehmen. Von nun an muss bis zum Ertönen eines neuerlichen Signaltons geblasen werden. Sodann ermittelt das Gerät binnen weniger Sekunden den Alkohol-Promillegehalt im Blut.

Wenige Sekunden nach dem Blasen herrscht Gewissheit. Bei Überschreiten der Promillegrenze heißt es warten.

Wenige Sekunden nach dem Blasen herrscht Gewissheit. Bei Überschreiten der Promillegrenze heißt es warten.© Johann Werfring Wenige Sekunden nach dem Blasen herrscht Gewissheit. Bei Überschreiten der Promillegrenze heißt es warten.© Johann Werfring

Das Alko-Testgerät ACE AF-33 ist im 100-Euro-Preissegment positioniert.

Das Alko-Testgerät ACE AF-33 ist im 100-Euro-Preissegment positioniert.© Johann Werfring Das Alko-Testgerät ACE AF-33 ist im 100-Euro-Preissegment positioniert.© Johann Werfring

Um zu überprüfen, inwieweit die vom Gerät "ACE AF-33" ermittelten Werte mit jenen der in Österreich eingesetzten Polizeigeräte übereinstimmen, habe ich diese im Vergleich erprobt. Die Landespolizeidirektion Wien hat sich für diese Zwecke freundlicherweise zur Kooperation bereit erklärt. Die österreichische Polizei verwendet im mobilen Einsatz vorrangig das als "Vortester" bezeichnete Gerät "Alco Quant 6020". Wird mit dem Vortester der Wert von 0,44 Promille überschritten, so wird die betreffende Person zum Test mit dem als "Alkomat" bezeichneten geeichten Gerät "Dräger Alcotest 7110" gebeten. "Der geeichte Alkomat ersetzt den Bluttest; das von ihm ausgewiesene Resultat wird von den Gerichten als Beweismittel anerkannt", sagt Oberst Josef Binder von der Landespolizeidirektion Wien.

Beim Test habe ich die in ein mit Füllstandmarkierung versehenem Glas eingeschenkten Achterl Wein jeweils sehr rasch (innerhalb von wenigen Minuten) konsumiert. Vor dem Blasen ist es jeweils erforderlich 15 Minuten verstreichen zu lassen, da ansonsten der Mundrestalkohol das Messergebnis beeinträchtigen würde. Die hier in der Tabelle dokumentierten Messergebnisse waren für Oberst Binder keineswegs überraschend: "Je höher es geht, desto genauer ist die Übereinstimmung von Vortester und Alkomat". Billigere Geräte, wie der hier zum Einsatz gebrachte "ACE AF-33", lägen bei den Messergebnissen erfahrungsgemäß tendenziell etwas höher als die polizeilich verwendeten Tester. Es sei zu vermuten, dass die Hersteller ganz gezielt einen Aufschlagswert einprogrammieren, "um auf der sicheren Seite zu sein", so Binder.

Freilich können die bei bestimmten Alkoholmengen festgestellten Werte von Person zu Person erheblich variieren. Ich selbst bin 1,80 Meter groß und habe Normalfigur. Personen mit anderem Körpergewicht werden beim gleichen Konsum in derselben Zeitspanne, je nachdem, weniger oder mehr Blutalkoholwert aufweisen. Überdies, so Binder, würde sich eine Reihe von weiteren Faktoren auf den Test auswirken. Tagesverfassung und Gemütszustand könnten ebenso von Relevanz sein wie die zuvor zugeführte Art und Menge der Nahrung.

Wie sind nun in Österreich die erlaubten Grenzwerte definiert? Diese liegen für KFZ-Lenker bei 0,5 Promille. Bei Überschreiten dieses Werts gibt es eine Sanktion ohne Führerscheinentzug, ab einem Wert von 0,8 Promille wird zudem der Führerschein entzogen. "Ab 0,8 Promille ist meist schon optisch eine Beeinträchtigung erkennbar", so Binder. Radfahrer sind generell bis 0,8 Promille Blutalkoholgehalt straffrei. Sind Radfahrer Inhaber einer Lenkberechtigung für KFZ, so kann es ab einem Blutalkoholwert von 0,8 Promille zu einer "Verkehrszuverlässigkeitsprüfung" durch die Führerscheinbehörde kommen und in Einzelfällen – vor allem bei wiederholt festgestelltem Alkoholkonsum – zu einem Führerscheinentzug.

Die Frage, wie mit einem privaten Messergebnis umzugehen ist, das die erlaubten Grenzwerte überschreitet, ist rasch beantwortet: Wird ab der Messung kein weiterer Alkohol konsumiert, so beginnt der Organismus den Alkoholgehalt nach und nach abzubauen. "Bei einem gesunden Menschen mit durchschnittlicher Statur beträgt der Abbau rund 0,1 Promille pro Stunde", sagt Oberst Binder. Weitere Messungen mit dem Testgerät im Halb-Stunden-Takt werden Gewissheit verschaffen.

Nachdem das Messergebnis vorliegt und die Alkoholaufnahme eingestellt wurde, kann eine weitere Aufnahme von Nahrung durchaus zum beschleunigten Abbau des Blutalkoholgehalts beitragen. Auch der reichliche Konsum von Wasser kann diesbezüglich hilfreich sein. Im übrigen sollte schon beim Trinken des Weins zusätzlich Wasser genossen werden, damit der Blutalkoholgehalt von vornherein nicht allzu hoch ansteigt (idealerweise soll doppelt so viel Wasser getrunken werden wie Wein). Weiters ist es ratsam, kein perlendes Mineralwasser zum Wein zu trinken, weil die Kohlensäure den Transfer des Alkohols ins Blut unterstützt. Genau aus diesem Grund ist auch im Falle des Genusses von Sekt sowie sonstigen sprudelnden Alkoholika Vorsicht geboten, weil diese sehr rasch ins Blut gehen.

Die Anzahl der Anzeigen wegen KFZ-Inbetriebnahme unter Alkoholeinfluss ist in Wien in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Wurden im Jahr 2012 in der österreichischen Bundeshauptstadt noch 4.164 Lenkberechtigungen entzogen, so waren es im Jahr 2014 nur noch 3.828 und im Jahr 2016 bloß 2.944. Überhaupt hat durch den polizeilichen Einsatz des Vortesters und des Alkomaten schon seit geraumer Zeit ein Umdenken in der Gesellschaft eingesetzt. "Dass der Anteil der Unfälle wegen Alkoholeinfluss auf unter vier Prozent gesunken ist, ist ein Erfolg dieser Geräte", so Binder.

Möglicherweise werden die nun erschwinglicher gewordenen Geräte unterschiedlicher Hersteller zur weiteren Verbesserung der Situation beitragen. In der Qualitätsstufe des hier getesteten "ACE AF-33" sind in Online-Shops auch Geräte weiterer Hersteller im Preissegment ab 100 Euro erhältlich. Wer hinsichtlich der Messung ganz auf Nummer sicher gehen möchte, kann dasselbe Gerät beziehen, das die österreichische Polizei als Vortester verwendet: Allerdings ist für den "Alco Quant 6020"  beträchtlich mehr zu berappen. Er wird derzeit auf alkomat.net online um 549,95 Euro offeriert. Zum Preis von 999,95 ist über alkomat.net übrigens auch ein stationärer Alkotester für Gastronomiebetriebe zu haben, der durch Münzeinwurf gestartet wird. Auch hier ist eine hygienisch unbedenkliche Messung gewährleistet – geblasen wird mit handelsüblichen Strohhalmen.

Hinweis:
Je nach Häufigkeit der Verwendung müssen Geräte mit elektrochemischen Sensoren von Zeit zu Zeit zum Kalibrieren an den Hersteller geschickt werden. Aus hygienischen Gründen sollte das eigene Mundstück nicht von anderen Personen benützt werden. Um auch Freunden die Benützung des Geräts zu ermöglichen, empfiehlt es sich, immer eine Anzahl von Mundstücken vorrätig zu haben.

Print-Artikel erschienen am 24. November 2017
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34–37





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-24 07:22:21
Letzte nderung am 2017-11-24 10:37:03



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