Literatur

Der alltägliche Wahnsinn

  • Der deutsche Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino brilliert im Spagat zwischen Schmerz, Ironie und Melancholie. Am 22. Jänner feiert der Autor seinen 75. Geburtstag.

Wilhelm Genazino hat die melancholischen, zum Selbstmitleid neigenden Flaneure in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur salonfähig gemacht. Stets etwas neurotisch, dem Wahnsinn nahe, aber höchst empfindsam, so schickt er die zumeist recht biederen Alltags-Protagonisten durch seine leicht elegischen Romane... weiter




Literatur

Optimiertes Buch

  • "Spitzentitel": Antonio Manzinis Satire über den Literaturbetrieb.

Zwei Jahre, sechs Monate und drei Tage hat der italienische Bestsellerautor Giorgio Volpe an dem Roman seiner Familie geschrieben. In seinem Verlag sind alle begeistert, aber statt der Lektorin, die viele Jahre sein Werk betreute, stehen nun zwei Russen, von denen einer nicht einmal Italienisch spricht... weiter





Literatur

Schicksalsort Zürich1

  • Edward Docx’ packende Roadnovel "Am Ende der Reise".

In einem alten VW-Bus sitzen vier Männer, drei Söhne und ihr alter Vater, und gondeln von England über den Kanal und weiter durch Frankreich nach dem Süden. Eine Ferienreise der besonderen Art: Ihr Ziel ist nämlich Zürich, wo der Vater sein Leben mit Hilfe der Sterbehilfeagentur "Dignitas" zu beenden beabsichtigt... weiter




Hochgefühl der Einsamkeit: Paolo Cognetti. - © Roberta Roberto

Literatur

Sehnsucht nach Aufrichtigkeit und Würde1

  • Der italienische Schriftsteller Paolo Cognetti erschließt in "Acht Berge" einen neuen Höhenweg der literarischen Auseinandersetzung mit der alpinen Lebenswelt.

Die Berge gehören nicht nur Reinhold Messner. Auch andere verstehen es, sich ihnen mit Bergschuhen und Schreibstift zu nähern. Der Italiener Paolo Cognetti etwa hat mit dem Roman "Acht Berge" einen neuen Höhenweg der literarischen Auseinandersetzung mit der alpinen Lebenswelt erschlossen. Dafür wurde er 2017 prompt mit der bedeutendsten... weiter




Gottfried Benn (1886-1956) mit Ehefrau Ilse, geb. Kaul. - © Ullsteinbild

Literatur

Sphinxhafte Dichterexistenz2

  • Der deutsche Schriftsteller und Arzt Gottfried Benn im Spiegel seiner Korrespondenz - eine erhellende Lektüre.

Wer Briefe von Gottfried Benn liest, könnte den Eindruck gewinnen, da schreibe ein zurückgezogen lebender Mensch gelegentlich an Freunde, Bekannte und andere Menschen, die etwas von ihm wollen. Im Grunde aber möchte der dichtende Arzt, der ein Leben lang nicht nur Prosa und Gedichte schrieb, sondern auch Haut- und Geschlechtskrankheiten kurierte... weiter




Literatur

Zuschauerin des eigenen Lebens

  • Bernhard Schlinks nicht restlos überzeugender Roman "Olga".

"Sie macht keine Mühe, am liebsten steht sie und schaut." Mit diesem, seine Protagonistin Olga charakterisierenden Satz eröffnet Bernhard Schlink seinen neuen, weit ausholenden Roman. Darin versucht der Bestsellerautor ein historisches Panorama von über hundert Jahren auszubreiten. "Ich war zu alt, als dass die neue Rolle mein Leben entscheidend... weiter




#erzschlag

panik79

und nein nein, nein, nein wie träumen wenn ich nachts nicht schlafen kann wie gelassen sein wenn ich die leader im radio hör wie zuversicht ausstrahlen wenn es mehr atombomben als tiger gibt und in zukunft das wort nein dich ins gefängnis bringt weiter




CC/Die Gartenlaube/Ernst Keil

Sachbuch

Die Schauspielerin, die zigtausende Anleger betrog7

  • Autor Julian Nebel schildert anschaulich, wie Adele Spitzeder ab 1869 ihre eigene Privatbank aufbaute und ihr Pyramidensystem 1872 kollabierte.

33.000 Geschädigte (die Dunkelziffer war wohl noch höher), die um 38 Millionen Gulden (das wären heute an die 400 Millionen Euro) gebracht wurden: Als am 12. November 1872 die 40-jährige Adele Spitzeder verhaftet wird, ist dies der Höhepunkt des "größten Bankenbetrugs aller Zeiten", wie es Julian Nebel in seinem neuen Buch vollmundig nennt... weiter




Haidari Wadschudi gilt als die unüberhörbare dichterische Stimme Afghanistans. - © Eschbacher

Haidari Wadschudi

Vom Himmel geschlagen11

  • Haidari Wadschudi ist der bekannteste zeitgenössische Sufi-Mystiker und Dichter Afghanistans.

Es ist früher Nachmittag in Kabul. Durch ein halb geöffnetes Fenster dringt abwechselnd sanftes Vogelgezwitscher aus dem Rosengarten und schrilles Hupen vom dahinterliegenden, staugeplagten Malik-Asghar-Platz in das Büro von Haidari Wadschudi. Hier, im Zentrum der afghanischen Hauptstadt, sitzt der Sufi-Mystiker und Dichter gedankenverloren hinter... weiter




Literatur

Die Gespinste der Erinnerung1

  • Der aus dem ehemals französischen Kongo stammende Autor Alain Mabanckou erzählt schmerz- und liebevoll, aber mit intellektueller Distanz von der Rückkehr in seine alte Heimat.

Bei der Frankfurter Buchmesse 2017 hatte die weite französischsprachige Welt ihren literarischen Reichtum, ihre Vielschichtigkeit und Vitalität präsentiert. Eine der herausragendsten Stimmen ist dabei Alain Mabanckou aus dem "kleinen", dem ehemals französischen Kongo. Mabanckou hat ein Dutzend furioser Romane, vielbeachtete Erzählungen... weiter




Literatur

Schreiben als Protest gegen die Welt4

  • Michael Opitz würdigt in einer beeindruckenden Biografie das Lebenswerk von Wolfgang Hilbig.

Wolfgang Hilbig ist der unbekannteste unter den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Sein Tod kam allzu früh; er verstarb am 2. Juni 2007 an seinem Krebsleiden. Dieses war eine Folge seines Lebenswandels: Hilbig war schwerer Alkoholiker, und dies war nicht die einzige Bürde... weiter




Literatur

Ein Mr. Hyde für die Generation Y1

  • Tristan Garcias gestelzter Roman "Faber".

Basile und Madeleine, beide Anfang dreißig, beide unauffällige Existenzen in einer französischen Kleinstadt, beschließen, sich an ihrem ehemaligen Mitschüler Faber zu rächen. Dass solche Unterfangen schiefgehen, ist klar, doch kann man sich auch fragen, wie ein erwachsener Mensch überhaupt auf eine derartige Idee kommt... weiter




Mit dem Prix Goncourt für diesen Roman ausgezeichnet: Leila Slimani. - © Catherine Hélie/Éd. Gallimard

Literatur

Mütter unter Druck

  • Leïla Slimani untersucht in ihrem Roman "Dann schlaf auch du" die komplexe Beziehung zwischen einer Pariser Familie und deren Kindermädchen.

Das Baby war tot, seine ältere Schwester Mila noch am Leben, als Myriam ihre Kinder fand. Sanitäter und Notärztin kümmerten sich um die junge Mutter, aber "die andere, die musste man auch retten". Das Kindermädchen Louise "hatte es nicht fertiggebracht zu sterben. Den Tod konnte sie nur bringen", schreibt Leila Slimani zu Beginn ihres zweiten... weiter




Literarischer Höhenflug: Arno Geiger, Jahrgang 1968. - © Mirco Toniolo/AGF/picturedesk.com

Literatur

Liebe in Zeiten des Krieges3

  • Arno Geigers "Unter der Drachenwand" ist ein beeindruckender Roman von der Möglichkeit, dem Schrecken die Schönheit entgegenzusetzen.

Jetzt hat sich Arno Geiger in die Literatur dieses Jahrhunderts eingeschrieben. Sein neuer Roman, "Unter der Drachenwand", veranstaltet eine grandiose Feier des Lebens vor dem Hintergrund allgegenwärtigen Sterbens, ein Märchen von Liebe in liebloser Zeit, dessen schönster Moment auf den letzten Seiten des Buchs stattfindet... weiter




Literatur

Problemfeld Armut5

  • Über die Text-Anthologie "Haben und Sein".

Charles Dickens, Bertolt Brecht und Sándor Márai haben darüber geschrieben, die Armut ist also nicht nur ewiges Problemfeld der Politik, sie ist auch ein unerschöpfliches Thema der Literatur. Auch heute noch, und auch in der wohlhabenden Mitte Europas suchen Menschen "in Mülleimern nach Pfandflaschen... weiter




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Eine Figur, so stark, dass man Angst hat: Fast hätten sich die Zeichner nicht zugetraut, Anne Frank gerecht zu werden. - © S. Fischer Verlag "Natürlich nicht!" David Polonskys Ablehnung war deutlich und instinktiv, als Ari Folman ihm vor vier Jahren von der Anfrage des Anne-Frank-Fonds aus... weiter





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