Klagenfurt. Am dritten und letzten Tag des Wettlesens um den 35. Ingeborg-Bachmann-Preis im Klagenfurter ORF-Theater gab es keine wirklichen Höhepunkte. Während Leif Randt und Thomas Klupp die Jury wenigstens teilweise überzeugten, enttäuschten sowohl Anne Richter als auch Michel Bozikovic.
Randts Romanauszug "Schimmernder Dunst über Cobycounty" beschreibt eine Glamour-Welt in Nordamerika, in der alle Ecken und Kanten abgeschliffen und wegoperiert wurden, wie Juror Hubert Winkels erklärte. Daran kann auch die kryptische Ankündigung, dass eine Katastrophe auf die Stadt zukommen werde, nichts ändern. Während Daniela Strigl eine sehr gelungene Satire sah, meinte Burkhard Spinnen, das sei schön und lustig und unterhaltsam, "und das ist das Problem".
Anne Richter schildert in "Geschwister" eine Familiensituation, als Anlass dient das Begräbnis eines Onkels der Protagonistin, zu dem die Familie wieder zusammenkommt. In Rückblenden beschreibt die Autorin die Entwicklung, das Erwachsenwerden der Hauptfigur in der DDR. Der Text sei "etwas brav", befand Alain Claude Sulzer, auch Paul Jandl ging die Sache zu wenig in die Tiefe. Hildegard Keller verteidigte ihre Autorin, aber mit nur mäßigem Erfolg.
Weitgehend abgelehnt wurde die Kriegserzählung "Wespe" von Michel Bozikovic, die als zu kolportageartig und schematisch bezeichnet wurde. Die Geschichte spielt offensichtlich am Balkan, warum der Protagonist dort ist und in den Krieg ziehen will, bleibt verborgen. Strigl mutmaßte, der Autor wolle über den Umweg seiner Figur vielleicht selbst einmal ein toller Kerl sein.
Den Abschluss machte Thomas Klupp, der sich mit dem Thema Pornografie und Universität befasste. In "9to5 Hardcore" - der Titel ist dem einer Pornodokumentation entlehnt - sitzt ein junger Mann an der Universität Potsdam und betrachtet acht Stunden pro Tag Pornobilder im Internet. Rein beruflich, er nimmt an einem universitären Projekt teil. Der Romanheld entwickelt dabei eine besondere Vorliebe für die Vagina, vor allem in Großaufnahme. Einige abfällige Bemerkungen über den Universitätsbetrieb gab es auch, Meike Feßmann ortete denn auch eine Persiflage. Jandl zeigte sich von dem Text gelangweilt, Spinnen ermüdet, Winkels und Strigl äußerten sich zustimmend.
Die Tage der deutschsprachigen Literatur werden am Sonntag (11.30 Uhr) mit der Vergabe der Preise abgeschlossen. Diese werden wie immer von der Jury in offener Abstimmung ermittelt, Ausnahme ist der Publikumspreis, der über das Internet vergeben wird.
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