
Klagenfurt. (cb) "...Wenn man im Wald Angst hat, muss man Partisanenlieder singen." Das ist ein Satz aus Maja Haderlaps Siegertext "Im Kessel". Die Leichtigkeit und fast Beiläufigkeit, mit der sie die Historie der Kärntner Slowenen mit ihrer autobiographischen Geschichte verwebt, hat die Jury des Bachmann-Preises schließlich überzeugt. Der Kärntnerin wurde am Sonntag der 35. Bachmannpreis zugesprochen.
Maja Haderlap wurde 1961 in der Südkärntner Gemeinde Bad Eisenkappel/ Zelesna kapla geboren. 15 Jahre lang war Maja Haderlap Chefdramaturgin im Stadttheater Klagenfurt in der gesamten Intendanz von Dietmar Pflegerl. Danach war sie vor allem mit Lyrik-Publikationen, die sie allerdings in ihrer slowenischen Zweitsprache verfasst, aufgefallen. Das merkt man dem nüchtern poetischen Text auch an.
In dem Abschnitt, den sie beim Wettlesen vorgetragen hat, begleitet sie als Kind ihren Vater in den Wald. Immer wieder brechen sich Erinnerungen an die Nazizeit und den Partisanenkampf Bahn. Die Großmutter konnte aus dem KZ gerettet werden, der Vater war schon als Kind bei den Partisanen. Der Tod in allen grausamen Facetten ist ein ständiger Begleiter: "Die Toten hinterlassen ihre Kühle an diesem Fleck."
Nachkriegsliteratur?
Daniela Strigl, die Jurorin, die Maja Haderlap vorgeschlagen hatte, empfand den Text als "Idealfall von Literatur, die sich mit Geschichte beschäftigt". Das deutsche Feuilleton sah das weniger wohlwollend, die "taz" meinte gar, der Text habe etwas Rückwärtsgewandtes und sei nichts anderes als Nachkriegsliteratur.
Hierzulande wird freilich gerade die Tatsache, dass sich Haderlap eines zumindest literarisch vergessenen Kapitels österreichischer Geschichte annimmt, betont. Mit der erst kürzlich erfolgten Einigung über die zweisprachigen Ortstafeln hat der Text auch eine gewisse politische Aktualität. Der Roman, aus dem Haderlap gelesen hat, heißt "Engel des Vergessens" (Wallstein Verlag) und ist bereits seit Montag im Buchhandel erhältlich.
Publikum liebte Porno
Es war übrigens keineswegs eine "gemähte Wiese" für Haderlap. Erst im vierten Wahlgang setzte sie sich gegen den Deutschen Steffen Popp durch. Interessanterweise ging mit ihm auch der zweite Preis in Klagenfurt an einen Autor, der eigentlich von der Lyrik kommt. Er erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Kelag-Preis für die Geschichte einer Spurensuche in einem ostdeutschen Dorf mit allerlei DDR-Reminiszenzen.
Der 3sat-Preis ging an die junge deutsche Autorin Nina Bußmann. Er ist mit 7500 Euro dotiert und wurde für einen Romanauszug vergeben, der das schwierige Verhältnis eines alternden Lehrers und eines aufmüpfigen Schülers beschreibt.
Der Ernst-Willner-Preis ging an Leif Randt. Sein Romanauszug "Schimmernder Dunst über Cobycounty" begleitet einen Literaturagenten in eine von einer mysteriösen Katastrophe bedrohte Glitzerpartywelt.
Der mit 7.000 Euro dotierte und von villi-glas gestiftete Publikumspreis ging an den Deutschen Thomas Klupp. Nicht ganz überraschend, geht es in seinem Text doch um Handfestes: in "9to5 Hardcore" sitzt ein junger Mann an der Universität und betrachtet acht Stunden pro Tag Pornobilder im Internet für ein wissenschaftliches Projekt mit dem Namen "Inszenierungsstrategien des Expliziten in Onlineangeboten westlicher Mainstreampornographie".
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