• vom 27.07.2011, 21:01 Uhr

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Update: 27.07.2011, 21:34 Uhr
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Der amerikanische Science-Fiction-Kultautor Harlan Ellison ist der Erfinder des "Terminators"

Utopist mit der Schreibmaschine


Von Klaus Stimeder

  • Der streitbare Ellison ist ein Verfechter von Scifi als ernsthaftem Literaturgenre.
  • Für einen SF-Autor ist er überraschend altmodisch.

Schwarzenegger als "Terminator": Ellison zerrte James Cameron erfolgreich vor Gericht.

Schwarzenegger als "Terminator": Ellison zerrte James Cameron erfolgreich vor Gericht.© Aaron Rapoport/Corbis Schwarzenegger als "Terminator": Ellison zerrte James Cameron erfolgreich vor Gericht.© Aaron Rapoport/Corbis

Er hat den Kampf aufgegeben. Nicht aus Altersmilde oder weil er eingesehen hat, dass es keinen Sinn mehr hat, sich zu wehren. Seinen Frieden mit der Welt hat er bis heute nicht gemacht, aber zumindest die Schublade scheint er anzuerkennen. Ein gutes halbes Jahrhundert hatte Harlan Ellison einen Feldzug gegen die Kategorisierung "Science-Fiction-Autor" geführt. Es gibt TV-Interviews aus den 70ern, in denen er Moderatoren wüst beschimpft, wenn sie ihn als solchen vorstellten; Bilder von Vorträgen an US-Universitäten in den 80ern, in denen er vom Podium springt und Zuschauer physisch anzugehen droht, weil sie es gewagt haben, ihn derart abzustempeln.

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Vor kurzem wurde der 77-Jährige in die Science Fiction Hall of Fame in Seattle aufgenommen, damit ist das alles nicht vergessen, aber doch vergeben. Die Aufnahme ins Pantheon des Genres ist eine Ehrung des Lebenswerks eines schreibenden Fantasten, der zu den kommerziell erfolgreichsten zählt, die seine Zunft hervorgebracht hat. Rund 80 Bücher hat Harlan Ellison veröffentlicht, Romane, Kurzgeschichten, kulturkritische Essays, Drehbücher für Film und Fernsehen, manche übersetzt in 40 Sprachen. Er ist der Autor der von den US-Fernsehzuschauern zur besten "Star Trek" ("Raumschiff Enterprise")-Folge aller Zeiten gewählten Episode ("The City on the Edge of Forever", 1967) und gilt als Erfinder der Figur des von Arnold Schwarzenegger dargestellten "Terminator". Die Liste der Auszeichnungen, die Ellison gesammelt hat, ist beispiellos: Achteinhalb Mal hat er den Hugo Award gewonnen (einmal musste er ihn teilen), den weltweit prestigeträchtigsten Preis für Science-Fiction-Literatur, viermal den kaum minder bedeutsamen Nebula Award; fünfmal den für die besten Horrorgeschichten vergebenen Bram Stoker Award. Um nur die wichtigsten Preise zu nennen.

Harlan Ellison.

Harlan Ellison. Harlan Ellison.

Der Neid der Dorothy Parker

Satt gemacht hat das den Mann nicht, dem die New Yorker Dichter- und Trinkerikone Dorothy Parker einst ein Buch mit der Widmung zurückgab, "dass ich wünschte, so schreiben zu können wie Harlan Ellison". Die "Mischung aus Zorro und Pepe (der Grille aus "Pinocchio", Anm.)", wie bis heute seine beliebteste Selbstbeschreibung lautet, hat noch immer nicht genug. "Die wirkliche Anerkennung für ein schreiberisches Werk erfährt man erst posthum", sagt Ellison in dem 2007 erschienenen Dokumentarfilm "Dreams with Sharp Teeth" ("Träume mit scharfen Zähnen"), in dem Schauspieler und Ellison-Fan Robin Williams die Biografie des Autors nacherzählt. Als Sohn einer jüdischen Familie in den Kleinstädten des Bundesstaats Ohio in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, schlug sich Ellison als Teenager als Zahnbürstenverkäufer, Fischer, Erntehelfer und als Fahrer von mit Dynamit beladenen Lkw durch. Seine Erfahrungen als Heranwachsender im Mittleren Westen verarbeitete er im 1980 erschienenen Roman "All the Lies that Are My Life": "Die Atmosphäre war sehr antisemitisch. Ich wurde von den anderen Schulkindern fast jeden Tag geschlagen." Nicht umsonst gab er später den Bösewichtern in seinen Büchern die Namen ehemaliger Klassenkameraden.

Nachdem er mit Ach und Krach den High-School-Abschluss geschafft hatte und zum Kämpfer geworden war, der sich fortan nichts mehr bieten ließ ("Ich halte es bis heute nicht aus, wenn jemand über mich lacht"), zog er nach einem Intermezzo am Ohio State College nach New York, wo er 1955 seine erste Kurzgeschichte veröffentlichte. Zwei Jahre später wurde Ellison zur Army eingezogen, in der er für jene zahlreichen Kameraden, die unter Analphabetismus litten, den Cyrano spielte ("Ein großartiges Training", wie der fünfmal Verheiratete später bekannte).

Zurück in New York machte sich Ellison schnell einen Namen in einer Welt, die noch streng zwischen kommerziellen und literarischen Schreibern unterschied. Eine Trennung, die Ellison nie anerkennen wollte und aus der sich sein manchmal verzweifelt anmutendes Ringen um die Anerkennung der Feuilletonschreiber der "New York Times" und "Washington Posts" dieser Welt erklärt; er sah sich als Angehöriger einer neuen Generation von Nicht-nur-aber-vor-allem-Science-Fiction-Autoren, die mit der Pulp-Tradition ihrer Vorgänger so wenig zu tun haben wollten wie mit den sich nach Erkenntnissen der Wissenschaft richtenden Autoren des Genres.

Der Buchstabenarbeiter, der in seinem ganzen Leben kein einziges Glas Alkohol getrunken oder andere Drogen genommen hat, verkaufte hunderte Storys an Zeitungen und Magazine. 1958 erschien seine erste Sammlung, "A Touch of Infinity". Richtig Fahrt nahm Ellisons Karriere aber erst nach seiner Übersiedlung an die Westküste Anfang der 60er auf, wo er binnen eines halben Jahrzehnts zum Schriftsteller-Popstar aufstieg. Den Anfang machte der Roman "Spider Kiss" von 1961, in dem er den Aufstieg und Fall des fiktiven Rock’n’Roll-Stars Stag Preston beschreibt, einem bescheidenen Jungen vom Land, der im Zuge seines Aufstiegs zum Liebling der Massen der Megalomanie anheimfällt; Elvis Presley und Jerry Lee Lewis lassen grüßen. Der Erfolg von "Spider Kiss" brachte ihm erste Engagements in Hollywood: Ellison schrieb Drehbücher für die Science-Fiction-Serien "The Outer Limits", "The Twilight Zone" und ab 1966 für "Star Trek". Während er als Fernsehautor bis heute gefragt ist - Ellison wirkte maßgeblich an der Kreation von "Babylon 5" und der Neuauflage der "Outer Limits" mit -, blieb ihm der Erfolg auf der großen Leinwand versagt. "The Oscar", für den er das Drehbuch geschrieben hatte, fiel 1965 bei der Kritik wie beim Publikum gnadenlos durch. Im gleichen Jahr marschierte der zeit seines Lebens politisch Engagierte an der Seite Martin Luther Kings von Selma nach Montgomery, "eine Tatsache, auf die ich stolzer bin als auf alles andere", wie er heute sagt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-07-27 16:09:11
Letzte Änderung am 2011-07-27 21:34:38


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