• vom 15.09.2011, 19:53 Uhr

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Update: 30.09.2011, 14:57 Uhr
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"Die wirklich Bösen werden nie erwischt"

Eva Rossmann


Von Christine Dobretsberger

  • Die Journalistin und Krimi-Autorin Eva Rossmann über Gemeinsamkeiten zwischen ihr und ihrer Ermittlerin Mira Valensky, die Unterschiede zwischen Recht und Gerechtigkeit - und über den Zusammenhang von Schreiben und Kochen.

"Ich kann schon sehr zornig werden. Und bin eher als meine Figur Mira Valensky in der Lage, im Affekt einen Mord zu begehen!": Eva Rossmann im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger. - Foto: Robert Wimmer

"Ich kann schon sehr zornig werden. Und bin eher als meine Figur Mira Valensky in der Lage, im Affekt einen Mord zu begehen!": Eva Rossmann im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger. Foto: Robert Wimmer

Wiener Zeitung: Frau Rossmann, Ihr neuer Krimi, "Unterm Messer", handelt von Schönheitswahn, Anti-Aging-Forschung und Schönheitschirurgie. Gab es für Sie einen konkreten Anlass für diese Themenwahl?

Information

Zur Person

Eva Rossmann, 1962 geboren, ist Verfassungsjuristin, politische Journalistin und seit 1994 freie Autorin. Sie lebt im Weinviertel. Seit ihrem Krimi "Ausgekocht" (2003) ist sie regelmäßig auch als Köchin in Manfred Buchingers Gasthaus "Zur Alten Schule" im Weinviertel tätig. Rossmann ist auch Drehbuchautorin und Gastgeberin der ORF-TV-Talk-Sendung "Club 2". Sie hat zahlreiche Sachbücher verfasst, und sie wurde 2009 "Österreichischer Buchliebling" in der Kategorie Krimi & Thriller.

Ihre Krimis erscheinen im Hardcover im Folio Verlag, als Taschenbuch bei Lübbe. Bisher sind erschienen: "Wahlkampf" (1999/2006), "Ausgejodelt" (2000), "Freudsche Verbrechen" (2001), "Kaltes Fleisch" (2002), "Ausgekocht" (2003), "Karibik all inclusive" (2004), "Wein & Tod" (2005), "Verschieden" (2006), "MillionenKochen" (2007), "Russen kommen" (2008), "Leben lassen" (2009), "Evelyns Fall" (2010), "Unterm Messer" (September 2011) sowie "Mira kocht" (2007), das Kochbuch zur Krimiserie.

Im Rahmen der "Wiener Kriminacht" liest Eva Rossmann am 20. September um 21.30 Uhr im Café Museum (Operngasse 7, 1010 Wien).

Christine Dobretsberger, 1968 in Wien geboren, ist freie Journalistin und Autorin. Zuletzt sind von ihr die Bücher "Polizisten weinen nicht" und "Geschichten, die die Schule schreibt" (beide im Molden Verlag) erschienen.

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Eva Rossmann: In erster Linie hat es damit zu tun, dass ich immer mehr Frauen kenne, die sich schönheitsoperieren lassen. Und ich habe mir nie vorstellen können, dass das jemand in meinem persönlichen Umfeld tatsächlich machen lässt. Für mich wäre so etwas unvorstellbar. Das hat auch damit zu tun, dass ich unglaublich feig bin. Ich will mir schon keine Spritze geben lassen, geschweige denn, dass ich mir ohne absolute Notwendigkeit mit einem Messer ins Gesicht schneiden ließe. Allein bei diesem Gedanken bekomme ich Gänsehaut.

Eva Rossmann

Eva RossmannFoto: Robert Wimmer Eva RossmannFoto: Robert Wimmer

In Ihrem neuen Buch kommen auch Gen-Doping und andere Experimente, die zu einer Verlangsamung des Alterungsprozesses führen sollen, zur Sprache.

Das hat sich im Rahmen meiner Recherchen ergeben. Davor wusste ich überhaupt nicht, dass Pharmakonzerne derzeit massiv erforschen, wer das erste patentierbare Mittel für ein verlängertes Leben auf den Markt bringt. Und das ist natürlich ein Milliardengeschäft. Klar, wer kauft sich so etwas nicht, wenn es nicht allzu gefährlich ist?

Seit einigen Jahren ist  Eva Rossmann auch als Köchin im Weinviertler Gasthaus "Zur Alten Schule" tätig.

Seit einigen Jahren ist Eva Rossmann auch als Köchin im Weinviertler Gasthaus "Zur Alten Schule" tätig.Foto: Robert Wimmer Seit einigen Jahren ist Eva Rossmann auch als Köchin im Weinviertler Gasthaus "Zur Alten Schule" tätig.Foto: Robert Wimmer

Wie weit sind diese Forschungen fortgeschritten?

Das ist am Laufen - und interessanterweise sehr unbemerkt von der Öffentlichkeit. Ich habe mich von einem Genetikprofessor beraten lassen, der meint, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis man zu konkreten Resultaten kommt. Aber bei Tierversuchen ist es so, dass beispielsweise Mäuse bereits doppelt so lange leben, wenn man sie mit entsprechenden Gensubstanzen füttert. Das heißt, man kann tatsächlich etwas dafür tun, dass die Zellen weniger schnell altern, was mit sich bringt, dass man länger jung bleibt und tatsächlich länger lebt.

Was sich auch aufs Äußere auswirken würde.

Genau. Das war für mich auch Anlass zu überlegen, was es in unserer Gesellschaft eigentlich bedeutet, immer jugendlich wirken zu müssen, beziehungsweise ständig fit und leistungsfähig zu sein. Alles dreht sich vermehrt ums Optische. Aber was sind das für Werte? Und wer redet uns diese Werte ein? Ich habe keine restlosen Antworten darauf, aber ich denke mir, es macht Sinn, hinzuschauen. Und Schönheitswahn und Jugendkult sind natürlich Themen, die man sehr gut aufs Äußerste, nämlich auf Leben und Tod zuspitzen kann. Und in all meinen Krimis läuft es natürlich darauf hinaus. Gleichzeitig geht es mir immer um den schönen Schein - und das, was dahinter lauert. Und schöner geht es nicht in diesem Zusammenhang.

Wieviel Vorarbeiten waren notwendig, um dieses Buch zu schreiben? Als Leser wird man ja intensiv in die Welt der Gene und Anti-Aging-Forschung entführt.

Die Recherche hat schon einige Monate gedauert.

Wie darf man sich die Entstehung Ihrer Krimis vorstellen? Haben Sie die Story von Anbeginn von A bis Z im Kopf?

Von A bis Z wäre ein bisschen zu viel gesagt. Ich recherchiere sehr gründlich und aus diesen Recherchen entwickelt sich zuerst einmal ein Grundgefühl für das Thema. Ohne dass ich etwas aufschreibe, überlege ich mir: Wer könnte Opfer, wer könnte Täter sein? Und wenn ich diese Fragen beisammen habe, lasse ich alles ein bisschen setzen. Danach schreibe ich einen Handlungsfaden, skizziere Kapitel für Kapitel, und wenn das fertig ist, schaufle ich mir Zeit frei. Ab diesem Zeitpunkt widme ich mich ausschließlich dem Schreiben, und zwar von früh bis spät. Diese Phase dauert nicht länger als einen Monat, dann ist die Rohfassung fertig. Das nächste halbe Jahr besteht dann im Überarbeiten.

Besprechen Sie vorher mit jemandem den Plot des neuen Buches?

Nein, mit niemandem, auch nicht mit meinem Mann. Ich verrate nur das Thema, um das es geht.

Mira Valensky, die Protagonistin Ihrer Krimis, ähnelt in vielen Bereichen Eva Rossmann.

Ja, wir teilen uns einiges in der Biographie. Sie ist gleich alt wie ich, das finde ich gut, so altern wir gemeinsam. Wir haben Gismo, die Katze, die es tatsächlich gibt. Wir kochen und essen beide gerne, haben beide Jus studiert, sind neugierig . . .

. . . und Mira ist ebenfalls Journalistin, die im Rahmen ihrer Recherchen zusätzlich auch noch Kriminalfälle aufklärt. Spiegelt das ein wenig den Wunsch nach einer bisweilen radikalen Form von Recherche und Journalismus wider, der in der Fiktion besser ausgelebt werden kann, als es in der Praxis möglich ist?

Ja, ganz sicher. Ich persönlich habe ja, solange ich hauptberuflich Journalistin war, etwas anderes gemacht, nämlich politischen Journalismus. Da ist man an anderen Themen dran. Ich hatte nie mit Verbrechen im vordergründigen Sinn zu tun. Aber so wie Mira recherchiert, würde ich auch recherchieren. Nur wäre ich, wenn es wirklich um Kriminalfälle ginge, eindeutig weniger mutig als sie.

Könnten Sie sich dennoch vorstellen, einmal den Ermittlungen eines echten Kriminalfalles beizuwohnen?

Darüber zu reden kann ich mir schon vorstellen, aber in Wirklichkeit aktiv zu werden kann ich mir nicht vorstellen. Da gehört auch noch viel anderes dazu. Ich habe losen Kontakt zu einem deutschen Profiler und kenne ein paar Hintergründe der "Branche": Ja, sie ist spannend, aber es ist nicht meine.




Schlagwörter

Rossmann, Krimi, Extra

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-09-15 20:01:19
Letzte Änderung am 2011-09-30 14:57:21

Französischer Text wurde aus Sprechblase entfernt

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