Er ist der Shooting Star der Thriller-Szene. Der Brite Simon Beckett garniert die Frage nach dem Täter mit blutrünstigen und grausig detaillierten Beschreibungen von letalen Stichwunden, ausgekochten Knochenresten und Verwesungsstadien.
In seinem neuesten Roman, "The Calling of the Grave" ("Verwesung"), lässt Beckett bereits zum vierten Mal David Hunter ermitteln, einen nicht besonders charakterstarken, aber recht sympathischen forensischen Anthropologen.
Wie Beckett auf die Hunter-Idee gekommen ist, erklärte der Mittvierziger in einem Interview so: Im Jahr 2002 reiste er auf die sogenannte Bodyfarm, ein 8000 Quadratmeter großes Freiluft-Labor in Knoxville (Tennessee). Dort wird der Verwesungsprozess von Leichen wissenschaftlich untersucht und als Grundlage für Mordermittlungen herangezogen.
Den Schauer, den Beckett dort empfand, als er einen Artikel über die Polizeiarbeit verfasste, will er mit der Hunter-Reihe an seine Leser weitergeben. Und das gelingt ihm auch. Wenn er Hunter etwa ins Dartmoor oder auf eine abgelegene schottische Insel schickt, liest sich das wie eine oft beklemmende Mischung aus "CSI" und Rosamunde Pilcher. Und das dürfte durchaus der Intention des vielseitig begabten Autors (nach einem Master in Englisch hat er als Hausmeister gearbeitet und war Schlagzeuger in einer Band) entsprechen. Sein Ziel war es nämlich, US-amerikanische Thriller nach Großbritannien zu bringen, was in seiner Heimat allerdings gar nicht so gut angekommen ist.
Denn während es Beckett im deutschsprachigen und skandinavischen Raum schnell auf die Bestseller-Listen schaffte, ist er im Vereinigten Königreich bis heute nahezu unbekannt geblieben. Immerhin wurden seine Bücher aber mittlerweile in 28 Sprachen übersetzt und bisher sieben Millionen Mal verkauft. (kats)
Simon Beckett liest im Rahmen der Kriminacht am 20. September um 20 Uhr in der Fernwärme Wien, Spittelauer Lände 45, 1090 Wien.
Simon Beckett: Verwesung. Thriller. Aus dem Englischen von Andree Hesse, Wunderlich Verlag 2011, 442 Seiten, 23,60 Euro.
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