
Catherine Millet ist eine der schillerndsten Figuren der französischen Intellektuellenszene. Die Gründerin und Herausgeberin des renommierten Kunstmagazins "art press" ist mit ihrem autobiografischen Buch "Das sexuelle Leben der Catherine M." (2001) weit über die Grenzen Frankreichs bekannt geworden. Im Französischen Kulturinstitut in Wien stellt sie am Freitag, 19 Uhr, ihr Buch "Eifersucht" vor. Im Interview mit der "Wiener Zeitung" spricht sie über die Affäre Strauss-Kahn, den Status quo der Emanzipation der Frau und über die "Sexiness" der heutigen Zeit.
"Wiener Zeitung": Frau Millet, eines der beherrschenden Themen - im Zwischenspiel von Macht und Sexualität - der letzten Monate in Frankreich und international war die Affäre rund um Dominique Strauss-Kahn. Nach all den Spekulationen, Beschuldigungen und der Medienhysterie: Was sagen Sie zum Ausgang dieses Verfahrens?
Catherine Millet: Als ich von der Festnahme von DSK in New York erfahren habe, war ich nicht überrascht. Er war bekannt als "amateur des femmes", als ein Liebhaber der Frauen. Aber es war auch bekannt, dass er ziemlich dreist vorging. Aber ich denke nicht, dass er ein Vergewaltiger ist. Daher hat mich die Einstellung des Verfahrens nicht überrascht.
In dieser Affäre spielte die Frau von DSK, Anne Sinclair, eine entscheidende Rolle. Eine selbstbewusste, intelligente Ehefrau, die trotz aller Affären und teilweise öffentlicher Demütigungen unverrückbar zu ihrem Mann steht. Nachdem die Präsidentschafts-Ambitionen von DSK nach dem Skandal beendet sind, wäre nicht Anne Sinclair eine ideale Kandidatin?
Anne Sinclair hat da eine bewundernswerte Haltung eingenommen. Eine Haltung, die ich als richtig und sehr schön empfinde. Sie ist es gewesen, die die ganze Situation für ihren Mann gemanagt hat. Es gab eine Umfrage in der französischen Zeitschrift "Elle", dass 70 Prozent der Französinnen diese Haltung positiv bewerten. Aber auch mit dieser öffentlichen Unterstützung glaube ich nicht, dass dieses Gedankenmodell realistisch ist. Sie wäre mit Sicherheit eine ausgezeichnete Frau des Präsidenten geworden, aber sie ist keine politische Frau.
Also keine Clintons à la française?
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