Wien. "Ökonomen haben die Ideen des Fortschritts verzerrt", erklärte der peruanische Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa bei einer Veranstaltung des liberalen Hayek-Insituts. Vargas Llosa ist wegen der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch" derzeit auf Wien-Besuch. Wenn man glaube, dass allein die Wirtschaft Probleme lösen kann, müsse man schon einen sehr eingeschränkten Blick haben, fuhr Vargas Llosa fort. "Das haben schon die Marxisten gedacht, dass man mit der Wirtschaft alle Probleme lösen kann. Aber auch einige Liberale hängen demselben Fehler anheim: Man brauche nur einen offenen Markt und alles werde dadurch gerichtet." Vargas Llosa bezeichnete sich als großer Bewunderer von Karl Popper, insbesondere von dem Werk "Die Offenen Gesellschaft und ihre Feinde", in dem der österreichstämmige Popper schon 1945 geschlossene Denksysteme von Platon und Marx anprangert. "Wir Liberale kämpfen für die Freiheit, damit die Türen des Fortschritts offenbleiben", sagte Vargas Llosa.
Der wöchentliche Kommentator für Zeitpolitisches in der spanische Zeitung "El Pais" will sich keinem anderen Lager als jenes des Fortschritts zuordnen lassen. Die globale Krise sei nicht durch eine allzu liberale Wirtschaftspolitik entstanden, sondern weil die Freiheit missbraucht worden sei. Dementsprechend müssen die individuell Verantwortlichen bestraft werden, nicht das System.
Mario Vargas Llosa hat bei dem peruanischen Präsidentschaftswahlkampf im Sommer - zum Erstaunen vieler - den linken Kandidaten Ollanta Humala unterstützt, der wiederum früher die Nähe zum venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez gesucht hatte. 2011 distanzierte sich Humala allerdings von Chavez, trotzdem ging in Peru sowie in benachbarten Ländern Lateinamerikas die Angst um, es werde, ebenso wie in Venezuela zu Verstaatlichungen kommen. Die konservative Kandidatin, Keiko Fujimori, Tochter eines im Gefängnis sitzenden Ex-Präsidenten, hatte dagegen mit ihrem Versprechen zur Erhaltung des liberalen Kurses die Unterstützung der peruanischen Wirtschaftstreibenden hinter sich. Doch Vargas Llosa entschied sich damals öffentlich, "ohne Freude und mit vielen Ängsten behaftet", Humala zu wählen.
Rückblickend war es jedenfalls die richtige Entscheidung, sagte Llosa der "Wiener Zeitung". "Humala versprach damals, eine Mitte-Links-Regierung zu führen, und dieses Versprechen hat er gehalten. Ich bin sehr froh, dass ich für Humala gestimmt habe."
Präsident Humala nähert mit seinem Kurs Peru weiter an die wirtschaftlich erfolgreichen Länder Chile und Brasilien an. Befürchtungen, dass Peru in ein "Chaos wie in Bolivien" verfällt (wo inzwischen die Bauern gegen den Indio-Präsidenten demonstrieren), oder wie in eine "populistische Katastrophe wie in Venezuela" haben sich nicht als wahr herausgestellt.
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